Wochenbettdepressionen
Baby blues schon vor der Geburt?
Sie haben das Gefühl, keine gute Mutter zu sein. Manche von ihnen haben sogar Angst, sich selbst oder ihrem Kind zu schaden. Zehn bis 15 Prozent der Mütter leiden nach der Geburt unter Wochenbettdepressionen. Wissenschaftler haben in Studien jedoch festgestellt, dass diese Schwermut schon während der Schwangerschaft auftritt.
Die Hormonumstellung nach der Geburt soll sie auslösen: die Wochenbettdepression. Allerdings durchleben nicht alle Frauen nach der Entbindung eine Phase der Schwermut. 50 bis 70 Prozent der Mütter fühlen sich nach den so genannten "Heultagen", die drei bis fünf Tage nach der Geburt andauern, seelisch wieder ausgeglichen. Nur bei schätzungsweise zehn bis 15 Prozent treten in den ersten Wochen und Monaten nach der Entbindung depressive Störungen auf. Die Frauen fühlen sich antriebsarm, leiden unter Hoffnungslosigkeit, Minderwertigkeitsgefühlen, Angst oder einer inneren Unruhe. Nur bei wenigen Frauen besteht nach der Geburt die Gefahr, einer psychotischen Erkrankung, die sogar zu Selbstmordgedanken führen kann.
Schon die Schwangerschaft löst Depressionen aus
Frauen sind bereits während der Schwangerschaft Stimmungsschwankungen ausgesetzt, hat jetzt eine Forschungsgruppe um Jonathan Evans von der Psychiatrischen Abteilung der University of Bristol herausgefunden. In einer Studie sollten 14.541 Frauen ihre Gemütslage in der 18. und 32. Schwangerschaftswoche beziehungsweise acht Wochen und acht Monate nach der Geburt beurteilen. Das Ergebnis: Depressionen treten nach der Geburt nicht häufiger auf als während der Schwangerschaft. Im Gegenteil: Die befragten Frauen zeigten in der 18. und 32. Schwangerschaftswoche stärkere Anzeichen einer depressiven Verstimmung als acht Wochen nach der Geburt des Kindes. Die Untersuchung legt auch die Schlussfolgerung nahe, dass sich die Muster der Depressionen während der Schwangerschaft von denen nach der Geburt nicht unterscheiden. Außerdem fanden die Wissenschaftler heraus, dass das Eintreten einer Schwangerschaft eher als Auslöser für eine Depression in Frage kommt als die spätere Geburt.
Stimmungstiefs beeinflussen das ungeborene Kind
Die Wissenschaftler vermuten, dass sich die Gefühlslage der Schwangeren auf die Entwicklung des Kindes auswirkt. Deshalb fordern sie, dass Depressionen während der Schwangerschaft stärker erforscht werden. Auch der Entwicklung von Behandlungsmethoden müsse zum Wohle von Mutter und Kind mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden.








