liegendes lachendes baby

Stillen

Wichtige Tipps zu Ablauf, Häufigkeit und Dauer

Wie klappt das Stillen am besten, wie oft und wie lange ist richtig? Antworten zu wichtigen Fragen haben wir für Sie zusammengestellt.

Auch die natürlichste Sache der Welt will gelernt sein. Lassen Sie sich also nicht entmutigen, wenn es mit dem Stillen nicht gleich klappt. So einfach, wie es bei den Profi-Müttern aussieht, ist es am Anfang nämlich nicht. Sie brauchen eine gewisse praktische Anleitung zum Stillen und auch Beratung bei auftretenden Problemen. Lassen Sie sich vom Pflegepersonal der Klinik oder der Hebamme helfen. Im Folgenden erhalten Sie wichtige Tipps.

Der Milchbildungsprozess kommt langsam in Gang

Die Natur hat dafür gesorgt, dass die Produktion von Muttermilch gut auf die Bedürfnisse des Neugeborenen abgestimmt ist. Nach der Geburt und während der folgenden Tage schläft das Neugeborene meist viel und ist zufrieden mit der Vormilch (Kolostrum), die schon zum Zeitpunkt der Geburt in der mütterlichen Brust vorhanden ist. Sie enthält viele Schutzstoffe. Diese Vormilch hat außerdem einen abführenden Effekt, so dass der kindliche Darm vom dunkelgrünen bis schwarzen Kindspech (Mekonium) entleert wird und auf die Nahrung vorbereitet ist, die in den nächsten Tagen in Form der Muttermilch zugeführt wird.

Es ist normal, dass das Neugeborene in den ersten Tagen 5-7% (maximal 10%) seines Geburtsgewichtes verliert. Innerhalb von 10-14 Tagen haben die meisten Neugeborenen das Geburtsgewicht wieder erreicht.

Anfangs wird oftmals viel Geduld benötigt, bis das Zusammenspiel zwischen Mutter und Kind richtig klappt. Stillen Sie an einem ruhigen Ort und nehmen Sie sich viel Zeit! Man kann die Besucher so lange wegschicken.

Die Sache mit dem Anlegen

Ihr Kind sollte innerhalb der ersten Stunden nach Geburt angelegt werden. Machen Sie es sich beim Stillen so bequem wie möglich, damit Sie entspannt sind. Ihr Kind muss zum Stillen wach sein. Wenn es in der ersten Zeit nach der Geburt noch schläfrig ist, sollten Sie es vor dem Stillen wecken.

Legen Sie sich alles, was Sie während des Stillens benötigen, vorher zurecht. Wenn Sie im Bett stillen möchten, benötigen Sie meist zwei Kissen im Rücken, auf dem Stuhl oder Sessel brauchen Sie unter Umständen einen Fußschemel.

Nehmen Sie Ihr Kind so in die Arme, dass es auf der Seite liegt. Mit seinem Gesicht, seiner Brust, seinem Bauch und seinen Knien sollte es sich Ihnen ganz zuwenden. Sein Kopf sollte in Ihrer Armbeuge und sein Arm in Ihrer Taille liegen. Halten Sie es so, dass Ihre Hand sein Gesäß oder seinen Oberschenkel umfasst. Bringen Sie Ihr Kind zur Brust und nicht die Brust zum Kind. Sein Mund liegt dann nahe an der Brustwarze, so dass es sie leicht finden kann.

Mit der freien Hand halten Sie Ihre Brust so, dass Sie mit den Fingern den Warzenhof nicht berühren, damit das Kind genug vom Warzenhof erfassen kann. Heben Sie Ihre Brust mit den Fingern unterhalb und dem Daumen oberhalb der Brust an. Mit Ihrer Brustwarze streicheln Sie ganz sanft die Unterlippe Ihres Kindes. Ihre Brustwarze sollte seine Lippen kaum berühren, sie auf keinen Fall drücken, sonst macht das Kind den Mund nicht auf. Haben Sie Geduld und kitzeln Sie längere Zeit, dann öffnet es den Mund.

Wenn es den Mund weit aufmacht (ähnlich wie beim Gähnen), können Sie die Brustwarze schnell in die Mitte von seinem Mund halten und Ihr Kind ganz nah an sich heranziehen, so dass es mit seiner Nasenspitze Ihre Brust berührt. Ziehen Sie es an seinem Gesäß so lange an sich heran, dass es mit seinen Knien Ihren Körper berührt. Dadurch bekommt es seitlich Luft durch die Nase.

Wenn Sie den Eindruck haben, dass die Nase Ihres Kindes nicht frei ist, dann ziehen Sie sein Gesäß noch näher an sich heran oder heben Sie mit der Hand die Brust etwas hoch. Versuchen Sie nicht, durch Druck mit dem Daumen auf die Brust Atemraum zu schaffen, denn dadurch können Sie die Brustwarze wieder aus seinem Mund herausziehen.

Geeignete Stillpositionen

Sie sollten mindestens drei Mal täglich eine andere Stillposition einnehmen, damit die Brust gut entleert wird und die Brustwarzen nicht wund werden. Folgende Stillpositionen sind geeignet:

 Stillpositionen_schwangerschaft

Wie lange sollte das Kind gestillt werden?

Zunächst sollten Sie das Kind an beiden Seiten anlegen. Bei der nächsten Mahlzeit wird die Reihenfolge des Anlegens gewechselt. Die Stilldauer kann bei jedem Kind, aber auch von Mahlzeit zu Mahlzeit unterschiedlich lang sein, eine allgemeingültige Empfehlung lässt sich schwer geben. Es hat sich jedoch bewährt, anfangs bei jeder Mahlzeit mindestens 20 Minuten zu stillen. Die Milchmenge hängt allerdings nicht von der Stilldauer ab. Wenn das Stillen richtig in Gang gekommen ist, genügt dem Kind oft eine Seite (abwechselnd), an der es sich satt trinkt. Am Anfang der Stillmahlzeit erhält es eine milchzuckerreiche Milch. Bei längerem Saugen sind mehr sättigende Fette enthalten. Später kann die gründliche Entleerung einer Brust als Maßnahme gegen Koliken verwendet werden, weil die milchzuckerreiche Anfangsmilch eher blähend wirkt.

Wie häufig stillen?

Die Stillhäufigkeit richtet sich nach dem Appetit des Kindes. Ein gesundes Kind weiß, was es braucht. Je öfter es angelegt wird (und je gründlicher die Brust entleert wird), desto mehr Milch werden Sie produzieren. Besonders in Zeiten intensiven Wachstums ist der Nahrungsbedarf sehr hoch, z.B. wenn die Gewichtsabnahme nach der Geburt überwunden ist oder nach etwa sechs Wochen. Dann meldet sich Ihr Kind unter Umständen alle zwei Stunden, auch nachts. Nächtliches Stillen sollte ohne großen Aufwand geschehen, damit das Kind zwischen Tag und Nacht besser unterscheiden lernt und Sie sich nicht zu sehr verausgaben.

Wenn das Kind an der Brust einschläft

Wenn das Kind jedes Mal an der Brust einschläft oder sich selten meldet, z.B. weil sich durch den normalen Blutabbau nach der Geburt zu viel gelber Farbstoff angesammelt hat (Ikterus, Hyperbilirubinämie), kann es sein, dass es zu viel Gewicht verliert und schlecht zunimmt. Dann müssen Sie es zum Stillen sanft wecken, am besten, indem Sie es windeln, ausziehen, Handflächen und Fußsohlen massieren, langsam aufsetzen (mehrmals), den Körper und das Köpfchen mehrfach hin und her rollen.

Stillen trotz Trennung von Mutter und Kind

Regelmäßiges Abpumpen (etwa alle 3-4 Stunden) ist zum Aufbau und zur Aufrechterhaltung der Milchbildung bei einer Trennung von Mutter und Kind nötig. Nach spätestens sechs Stunden sollte die Brust entleert werden, auch nachts.

Das Stillen zu Hause

Säuglinge sind oft empfindlich gegenüber Veränderungen und dann entsprechend unruhig. Aufregung, Freude, Unruhe, die neue Situation zu Hause und häufig auch die Unsicherheit der Eltern haben Einfluss auf die vielleicht schon gut in Gang gekommene Milchproduktion. An diesen Tagen bekommt das Kind nicht genügend Milch und schreit. Nehmen Sie sich Zeit! Geben Sie Ihrem Kind viel Zuwendung, legen Sie sich mit ihm ins Bett. Ihr Kind wird sich schnell an die neue Situation gewöhnen und eine ausreichende Milchbildung wird bald wieder einsetzen. Geben Sie weiterhin beide Brüste zu jeder Mahlzeit und legen Sie es öfters an. Das Stillen ist dann erfolgreich, wenn das Kind nichts anderes erhält. Auch an heißen Tagen brauchen gesunde, gestillte Kinder weder Tee noch Wasser.

Sie sollten wissen, dass sich das Aussehen der Milch verändert. Anfangs sieht sie gelb, fast cremig aus, dann, nach 14-21 Tagen, wird sie dünner, fast bläulich. Dies ist das Aussehen der endgültigen Muttermilch und nicht etwa einer in der Zusammensetzung minderwertigen Milch. Sie werden aber erkennen können, dass beim Leertrinken der Brust wieder eine cremigere Milch den Abschluss bildet.

Ab wann ist Beikost nötig?

Ausschließliches Stillen in den ersten sechs Monaten ist für die Mehrzahl der Säuglinge ausreichend. Wann Ihr Kind zusätzlich Beikost (feste Nahrung) benötigt, hängt davon ab, wie gut es gedeiht und ob es bereit ist, vom Löffel zu essen. Beikost sollte in der Regel nicht später als zu Beginn des 7. Lebensmonats und keinesfalls vor dem Beginn des 5. Monats gegeben werden. Beikost wird langsam, in steigenden Mengen, über mehrere Monate eingeführt. In dieser Zeit sind Milchmahlzeiten weiter erforderlich, auch wenn Sie seltener stillen. Idealerweise stillen Sie, bis Ihr Kind lernt, aus dem Becher oder der Tasse zu trinken. Es kann dann Wasser, Tee oder Fruchtsaft (am besten verdünnt) daraus trinken.

Wenn Sie die Flasche nicht einführen, müssen Sie ihm nachher die Unsitte des Dauernuckelns an der Flasche nicht abgewöhnen. Damit vermindern Sie das Risiko einer frühen Karies bei ihrem Kind. Wenn Sie noch mehr für die Zahngesundheit Ihres Kindes tun möchten, dann sorgen Sie dafür, selbst gepflegte und gesunde Zähne zu haben, denn Karies ist ansteckend. Außerdem empfehlen die kinderärztlichen und ernährungswissenschaftlichen Fachgesellschaften, dass ein Kind in den ersten drei Lebensjahren täglich 0,25 Milligramm Fluorid erhält, im ersten Jahr und im zweiten Lebenswinter in Kombination mit Vitamin D gegen Rachitis, einer Krankheit, die mit gestörter Mineralisation der Knochen einhergeht und zur Knochenerweichung führt. Beides sollte man anfangs im Teelöffel mit Wasser auflösen und es dem Kind vorsichtig einflößen. Vitamin K hat Ihr Kind bei der U1 erhalten. Eine weitere Dosis erhält es bei der U2 und U3. Dieses Vitamin braucht es für die normale Blutgerinnung.


Autor: Prof. Joachim W. Dudenhausen und Prof. Dr. med. Renate Bergmann
Stand: Jul 25, 2007


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