Anzeichen Schwangerschaft
Atmung und Kreislauf passen sich an
Mit Beginn einer Schwangerschaft kommt es zu einer Anpassung von Atmung und Herzarbeit an die Bedürfnisse des Kindes und der Plazenta.
Sofort zu Beginn gibt es erste Anzeichen der Schwangerschaft. Es zeichnet sich eine Steigerung der Atemtiefe und ein Anstieg des Atemminutenvolumens, das als Produkt aus Atemfrequenz und Atemtiefe in der Schwangerschaft um ca. 25% zunimmt, ab. Dabei kommt es im Wesentlichen zu tieferen Atemzügen, d.h. einer Steigerung der Atemtiefe, womit auch der Sauerstoffbedarf steigt.
Viele Schwangere kommen daher mit dem Fortschritt ihrer Schwangerschaft bei körperlicher Anstrengung, z.B. Treppensteigen, leichter außer Atem". Das exspiratorische Reservevolumen, also das Atemvolumen, das nach maximaler Ausatmung noch in den Lungen verbleibt, ist der Atempuffer, aus dem bei Sauerstoffnot noch Sauerstoff geschöpft werden kann. Dieser ist in der Schwangerschaft unter anderem aufgrund des Zwerchfellhochstandes durch die wachsende Gebärmutter um durchschnittlich 20% verringert. Die Schwangere ist dadurch anfälliger bei Sauerstoffverknappung. Ein Sauerstoffmangel kann z.B. bei Höhenaufenthalten über 2000 m auftreten, aber auch unter der Geburt nach schmerzbedingtem zu schnellem Atmen (Hyperventilation).
Das Herz leistet Mehrarbeit
Auch die Herzarbeit in Form des Herzminutenvolumens steigt in der Schwangerschaft um ca. 30%, d.h. Schlagvolumen und Herzfrequenz nehmen jeweils um etwa 15% zu. Interessanterweise ist das Maximum der Herzarbeit nicht am Ende der Schwangerschaft, sondern bereits zwischen der 28. und 32. Schwangerschaftswoche zu erwarten. Besonders herzkranke Schwangere können deshalb in den letzten Wochen der Schwangerschaft eher mit einer Besserung ihrer Beschwerden rechnen.
Aufgrund des wachsenden Gewichtes der Gebärmutter mit fortschreitender Schwangerschaft sind zudem Probleme bei der Blutrückführung über die Venen zum Herzen möglich. Im Sitzen, Stehen, vor allem aber in Rückenlage kann der Rückfluss aus den Beckenvenen und der großen Hohlvene (Vena cava) behindert sein. Das hierdurch hervorgerufene Schocksyndrom (Herzklopfen, Unwohlsein, Schweißausbruch, Ohnmachtsneigung) lässt sich durch die Einnahme der Seitenlage (am besten linke Seitenlage) meist schlagartig bessern.
Schließlich unterliegt auch der Blutdruck schwangerschaftsbedingten Veränderungen. Er macht eine wannenförmige" Entwicklung durch: Am Anfang und in der Mitte der Schwangerschaft sinkt der Blutdruck, während im letzten Schwangerschaftsdrittel häufig ein Wiederanstieg zu beobachten ist.
Blutparameter ändern sich
Eine Zunahme von Sauerstoffträgern (rote Blutzellen) aber auch Blutplasma hilft, den zunehmenden Sauerstoffverbrauch, der durch das Kind und die mütterlichen Versorgungsorgane (Gebärmutter, Plazenta, Brustdrüsen usw.) besteht, zu decken. Gleichzeitig kommt es zu einer relativen Verdünnung des Blutes, wodurch der Sauerstoffaustausch in der Peripherie (Plazenta) verbessert wird. Die Vermehrung von Blutplasma und Sauerstoffträgern schützt gleichzeitig vor dem unter der Geburt zu erwartenden Blutverlust (ca. ½ Liter).
Viele andere Blutparameter ändern sich ebenfalls in der Schwangerschaft, sodass hier andere Normwerte gelten. So ist beispielsweise die obere Normgrenze für weiße Blutkörperchen (Leukozyten) doppelt so hoch wie außerhalb der Schwangerschaft.
Anpassungen bei der Blutversorgung der Organe
Die Verteilung des Blutvolumens im Körper richtet sich einerseits nach dem Versorgungsbedarf des Kindes und der mütterlichen Versorgungsorgane (Gebärmutter, Plazenta, Brustdrüsen). Andererseits wird das Gefäßsystem von Gebärmutter und Plazenta bei körperlicher Beanspruchung nicht bevorzugt versorgt, sondern wie andere Organe im Körper ebenfalls spargeschaltet", weil das sauerstoffreiche Blut in diesem Fall in der beanspruchten Muskulatur benötigt wird. Für den Alltag bedeutet dies, dass bei körperlicher Anstrengung, bei der die Schwangere außer Atem" kommt, auch die Gebärmutter außer Atem" kommt und das ungeborene Kind schlechter versorgt wird.








