Schwangere Frau

Alternativmedizin und Geburt

Verantwortung: Werdende Mütter aufgeschlossen für traditionelle Methoden

US-Ärzte bewerten Maßnahmen der Komplementär- und Alternativmedizin, die speziell Schwangere unterstützen sollen. Vorn mit dabei sind Akupunktur, Akupressur und pflanzliche Präparate. Auch Fehllagen lassen sich beheben.

Inzwischen sind die meisten Methoden, die die Komplementär- und Alternativmedizin (CAM) heute bietet, den Menschen der westlichen Kultur bekannt. Schritt für Schritt erobern sie Bereiche, die bislang der konventionellen Medizin vorbehalten waren.
Doch geht es ausschließlich um Medizin und Heilen? Nein: Immer mehr Menschen wünschen sich Unterstützung für ihre aktive Gesundheitsförderung im Alltag.

Besonders großes Interesse an sanften, belastungsarmen, aber dennoch sinnvollen Methoden haben Schwangere, denn deren Verantwortung ist nicht auf den eigenen Körper beschränkt. Doch auch unter den Methoden der CAM finden sich keine Allheilmittel, daher kommt der richtigen Auswahl und Beratung große Bedeutung zu. Welche Methode hat im konkreten Fall die größte Erfolgsaussicht?
US-Mediziner haben vor kurzem die moderne Fachpresse zu den CAM-Methoden ausgewertet, die für die Geburtshilfe inzwischen wichtig sind.

Nach Verlauf und Notwendigkeit geordnet

Mit Hilfe bestimmter Suchstandards haben die Autoren, Geburtshelfer der Universität on Michigan im gleichnamigen US-Staat, insgesamt 54 Arbeiten ermittelt und in ihre Analyse einschlossen. Die einzelnen Verfahren und ihre Wirksamkeit gliedern die Forscher anhand der Abschnitte am Ende der Schwangerschaft.

Vor der Geburt zählen dazu die jedem bekannten Symptome Übelkeit und Erbrechen, Rückenschmerzen, Fußschwellungen (Ödeme), Gefühlsstörungen, Fehllagen des Kindes und die Vorbeugung von Dammverletzungen. Für mehrere der genannten Störungen bieten sich Akupunktur und Akupressur gleichermaßen an, da beide zahlreiche Gemeinsamkeiten haben. So setzen beide auf dieselben Akupunkturpunkte (z.B. KS 6). Erfolgversprechend sind ferner zahlreiche Pflanzenpräparate, die aus Anteilen der verschiedensten Gewächse bestehen können. Weite Verbreitung finden Präparate auf Ingwerbasis.

Nadelreize zur Behebung fetaler Fehllagen

Große Beachtung verdient ein noch relativ wenig bekanntes Vorgehen: die Beseitigung von Fehllagen des Kindes. Die Nadelimpulse, häufig am Punkt Bl 67, bewirken bei signifikant vielen Fehllagen, z.B. Steiß- und Transversallage, stärkere Bewegungen des Kindes, wodurch ein Wechsel in die korrekte Kopflage wahrscheinlicher wird. So ermittelten Autoren im Jahre 1998, dass selbst eine vom Partner zu Hause applizierte Wärmeakupunktur (Moxibustion) in der Lage war, deutlich mehr Steißlagen bei Frauen mit der ersten Schwangerschaft zu beheben: Bei Geburtseinleitung hatten sich 75% der betroffenen Kinder in korrekter Kopflage eingestellt, ohne Therapie waren es nur 62%.

Unter der Geburt stehen die Vorbeugung gegen Übelkeit bei Schnittentbindungen, die Senkung des Wehenschmerzes und - v.a. bei Erstschwangerschaft - die Prävention von Geburtsverletzungen im Vordergrund. Wieder im effektiven Segment: Akupunktur und Akupressur. So senkte die Nadeltherapie neben Dauer, Stärke und Häufigkeit der Episoden auch die Dosis der Medikamente (u.a. Meperidin). Zu Recht sehen Frauen die Einsparung und den Ersatz herkömmlicher Pharmaka als ein Hauptkriterium, sich verstärkt der CAM zuzuwenden.

Akupressur und Chanlibao-Pflanze

Die Akupressur - hier Druckmassagen an Punkten von Bauchorganen - ergab ähnlich eindrucksvolle Ergebnisse. Während sich Wasserinjektionen gegen Rückenschmerzen bewährt haben, verkürzte Chanlibao, eine aus Asien stammende Heilpflanze, deutlich die Dauer der Eröffnungswehen.
Nach der Geburt gehören die unter Müttern bekannte Entbindungsdepression, ferner Laktation und Brustschmerzen sowie die erschwerte Rückbildung der Gebärmutter zu den Problemen. Hierbei bieten offenbar kombinierte Pflanzenpräparate den größten Erfolg.

Die Autoren betonen, dass Teilnehmerzahl und Aussagekraft einiger Studien relativ niedrig sind. Die Angleichung des Materials, die die Forscher versucht haben, indem sie nur englischsprachige Studien berücksichtigt haben, hat auch Nachteile. Gerade so könnten wertvolle Informationen verloren gegangen sein. Die Autoren betonen, solche Angaben sollten in weiterführenden Tests genauer erhoben werden.

Dr. Bernd Ramme, Pressesprecher der Deutschen Akademie für Akupunktur und Aurikulomedizin (DAAAM), sagt dazu: "Akupunktur in Gynäkologie und Geburtshilfe war auf diesen Seiten ja schon häufiger Thema. Die steigende Nachfrage zeigt, dass unser Weg richtig ist. Die Behebung von Fehllagen des Kindes und der Ersatz von Medikamenten zeigen anschaulich: Akupunktur ist weit mehr als Schmerztherapie! Dieser Aspekt ist eine der Säulen für die hohe Fachqualifikation unserer Akupunkturärzte."

Publisher: DAAAM


Quelle: Anderson FWJ, Johnson CT: Complementary and alternative medicine in obstetrics. Int J Obstet Gynecol 2005;91,116-24.

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Autor: Springer Medizin
Stand: Dec 13, 2005


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