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Schmerzauslöser unter der Lupe

Wie andere Schmerzen haben Kopfschmerzen messbare Auslöser, Trigger, die sich erkennen und ausschalten lassen - wenn man sie sucht. In Nahrungsmitteln und in der Umwelt sind sie zu finden. Schlafstörungen gehören dazu. Meidet man sie, kann der Kopfschmerz bald der Vergangenheit angehören.

Auch in Australien sind Migräne und Spannungskopfschmerz verbreitet: 2 bzw. 7 Millionen Einwohner leiden daran. Laut WHO zählt die Migräne zu den 20 häufigsten Krankheiten. Eine Australierin fasst in einer gelungenen Übersicht einige der möglichen Triggerfaktoren zusammen und beschreibt gängige Strategien der Komplemetär- und Alternativmedizin (CAM). Diese eignen sich für Schmerztherapien besonders gut, weil sie deutlich variabler eingesetzt werden können als Medikamente.

Überall Trigger: in Käse, Schokolade, Wein und Bier

Die Ärztin beschreibt ausführlich Triggersubstanzen, die in der Nahrung enthalten und daher von großer Bedeutung sind: Tyramin steckt im Käse, Phenylethylamin in Schokolade, Nitrate im Fleisch, Histamin in Wein und Bier. Weitere Trigger sind Tyrosin (eine Amninosäure und damit Bestandteil vieler Eiweiße), Geschmacksstoffe, Süßungsmittel und Sulfide.
Die Autorin schildert eine Untersuchung an Kindern, die an häufigen schweren Migräneanfällen litten. Bei 93% der Kinder schwanden die Schmerzen vollkommen durch eine triggerarme Diät. Sie kehrten jedoch zurück, wenn die fragliche Substanz erneut im Essen auftauchte. In einer weiteren Studie ließen so nicht allein die Kopfschmerzen nach - auch Bauchschmerzen, Verhaltensstörungen, Verstimmungen, Asthma und Ekzeme waren zurückgegangen. Kopfschmerzen finden sich gehäuft auch bei Menschen, die auf das Weizeneiweiß Gluten reagieren.

Bekannt ist der Zusammenhang zwischen Koffein und Kopfschmerz. Auch die australische Autorin beschreibt dies, wobei sie explizit auf den Koffeinentzug eingeht. Sie führt an, es könne hilfreich sein, die einzelnen Tagesmengen zu notieren. Neben Kopfschmerzen treten Lethargie, Müdigkeit und Muskelschmerzen auf, wenn die Tagesdosis auf unter 100 mg fällt. Diese Menge enthält ein Kaffee. Ferner kann zuviel Koffein über eine Entwässerung die genannten Symptome auslösen und unterhalten.
Die Forscherin empfiehlt in allen Fällen ein Ernährungstagebuch, das Arztbesuche ergänzen soll. Außerdem lassen sich so die wichtigsten Schmerzauslöser besser erkennen und vermeiden.

Umweltfaktoren bilden zweites Glied

Die zweite Hauptrolle spielt die Umwelt. Laut WHO verursachen 30% aller neuen und renovierten Gebäude Gesundheitsprobleme. Neben Kopfschmerzen kommen u.a. Entzündungen der Nasenschleimhaut, der Bindehäute, der Bronchien, sowie Ekzeme und Übelkeit vor. Auslöser sind Chemikalien wie Farben, Lacke, Kunst- und Klebstoffe, die Inhaltstoffe freisetzen. Schimmel, Elektrosmog, falsche Beleuchtung, Lärm, Klimaanlagen, Überwärmung, Unterbelüftung und Stress tun ihr Übriges. Studien aus Neuseeland und Großbritannien bestätigten diese Erkenntnisse, so die Autorin. Der dritte wichtige Kopfschmerzauslöser, so die Ärztin, sind die verschiedenen Schlafstörungen. Diese können allerdings auch wieder Folge der genannten Umwelttrigger sein. Fest steht: Werden die Schlafstörungen beseitigt, bessert sich auch der Kopfschmerz. Studien sprechen von bis 65% der Teilnehmer, deren Kopfschmerz mit der Besserung ihrer Schlafstörung vollständig zurückgegangen war.

Hilfe zum Einnehmen: Riboflavin und Magnesium

Neben Verhaltens- und Entspannungstechniken, die allein zwischen 35 und 50% Schmerzsenkung und eine deutliche Langzeitwirkung bringen können, geht die Autorin auf das Coenzym Riboflavin und das Mineral Magnesium ein. Sie führt aus, dass beide Stoffe auch vorbeugend wirken. So bessert Riboflavin den Sauerstoffumsatz in den Zellen. Zu niedrige Magnesium-Spiegel in den verschiedenen Körperflüssigkeiten stören u.a. Energiegewinnung, Zellkommunikation und Muskelfunktion - Gefäßverengung und Minderdurchblutung sind die Folge.

Als Hochdosispräparate zum Einnehmen senken beide Stoffe die Schmerzen in Stärke, Dauer und Häufigkeit. Die Autorin erinnert daran, dass Zucker, Fette und Phosphate die Magnesiumaufnahme stören. Reich an Magnesium sind dagegen Nüsse, Mandeln, mageres Fleisch, Bohnen, Grüngemüse, Körner und Meeresfrüchte. Sollten diese Nahrungsmittel allerdings selbst Migränetrigger sein, kann es in Einzelfällen sinnvoll sein Magnesium per Spritze zu verabreichen.

Nadeln gegen Schmerzanfälle

Über Akupunktur als Migränemittel wird auf diesen Seiten fortwährend berichtet. Zwar besteht in Deutschland noch Nachholbedarf an Großstudien zur Migräneakupunktur. Dennoch steht fest: Nadeln helfen! Die Ärztin erwähnt eine Untersuchung an Kopfschmerzpatienten, die 12mal über drei Monate genadelt wurden. Ein Jahr später hatten sich in der Nadelgruppe zweifach größere Besserungen gezeigt - im einzelnen ein Minus von 22% Schmerz- und 15% Krankentagen, 15% Schmerzmedikamenten sowie 25% Arztbesuchen.

Prof. Dr. Frank Bahr, Ehrenmitglied der Deutschen Akademie für Ganzheitliche Schmerztherapie (DAGST) meint dazu: "Ja, mit CAM-Techniken ist schon sehr viel machbar, und die Entwicklung geht weiter, gerade auch auf den Gebieten 'Ernährung' als Teil des Alltags und 'Akupunktur' als traditionelle Therapieoption."

Publisher: DAGST

Quelle: Woolhouse M: Migraine and tension headach: a complementary and alternative medicine approach. Austral Fam Phys 2005;34:8,647-50.


Autor: Springer Medizin
Stand: Nov 10, 2005


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