
Verhalten lässt Rückschlüsse auf die Schmerzstärke zu
Schmerzbehandlung bei Demenzpatienten
Mit dem dramatischen Anstieg der Zahl der Demenzkranken steigt auch die Notwendigkeit der palliativmedizinischen Versorgung dieses Personenkreises.In der letzten Lebensphase ist der Krankheitsverlauf wenig vorhersehbar und Gespräche über Symptome und deren Behandlung, etwa Schmerzen, sind kaum noch möglich.
Zur palliativmedizinischen Begleitung von Patienten mit fortgeschrittener Demenz gehört auch eine angemessene Schmerz-Therapie, betonte Dr. Klaus Maria Perrar vom Zentrum für Palliativmedizin in Köln. Eine Untersuchung in Pflegeheimen hat gezeigt, dass demente Patienten in ihrer letzten Lebensspanne außer an Fieber oder Atemnot (Dyspnoe) häufig auch unter Schmerzen zu leiden hatten.
Zur Erfassung von Schmerzen bei Demenzkranken, die diese nicht mehr mitteilen können, eignet sich die Analogskala BESD® (Beurteilung von Schmerzen bei Demenz). Die Skala lässt anhand des Verhaltens des Patienten Rückschlüsse auf die Schmerzstärke zu, indem Atmung, Lautäußerungen, Gesichtsausdruck, Körpersprache oder das Ansprechen auf Trost beobachtet werden. Jede Kategorie wird mit null bis zwei Punkten beurteilt, maximal sind insgesamt 10 Punkte möglich (größter Schmerz). Ein Punktwert von 6 oder darüber in einer Mobilitätssituation wird als behandlungsbedürftig angesehen.
Notfallmaßnahmen umstritten
Der Sinn von Notfallmaßnahmen in der letzten Lebensphase dementer Menschen sei umstritten, so Perrar. Die häufigsten Todesursachen sind Bronchopneumonien (38,4 Prozent) und ischämische Herzerkrankungen (23,1 Prozent). Krebserkrankungen sind mit 3,8 Prozent eine eher seltene Todesursache. Der Nutzen von Hospitalisierung oder intravenöser Antibiotika-Gabe bei Lungenentzündungen konnte in Studien nicht belegt werden. Die Anlage einer Ernährungssonde (PEG = perkutane endoskopische Gastroskopie) zeigt keinen Benefit („Vorteil“) bei der Überlebenszeit oder der Häufigkeit von Aspirationspneumonien. Mangelernährung konnte damit nicht verhindert und die Lebensqualität nicht verbessert werden. Nach einer Herz-Lungen-Wiederbelebung („Reanimation“) verlassen nur ein Prozent der Patienten lebend das Krankenhaus.
Glossar
Bronchopneumonie: Sonderform einer Lungenentzündung mit Beteiligung der Bronchien.
Ischämische Herzerkrankung: „Verkalkung“ bzw. Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße mit den Folgen chronische Herzinsuffizienz (Herzschwäche), Herzinfarkt und/oder Aneurysma der Herzwand (Ausbuchtung der Herzwand).
Palliativmedizin: Palliativmedizin / Palliative Care ist gemäß der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 2002 ein Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten und ihren Familien, die mit Problemen konfrontiert sind, welche mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung einhergehen. Dies geschieht durch Vorbeugen und Lindern von Leiden durch frühzeitige Erkennung, sorgfältige Einschätzung und Behandlung von Schmerzen sowie anderen Problemen körperlicher, psychosozialer und spiritueller Art. Durch eine ganzheitliche Herangehensweise soll Leiden umfassend gelindert werden, um Patienten und ihren Angehörigen bei der Krankheitsbewältigung zu helfen und deren Lebensqualität zu verbessern. Die Palliativmedizin bejaht das Leben und sieht im Sterben einen natürlichen Prozess. Das Leben soll nicht künstlich verlängert und der Sterbeprozess nicht beschleunigt werden. (Quelle: Satzung der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin e.V. vom 03.10.2009)




