kuschelndes paar

Nach dem Schlaganfall

Wie geht es weiter mit Job, Sport und Sex?

Die Rückkehr in das alte Leben hängt vom Schweregrad des Schlaganfalls ab. Etwa ein Viertel aller Betroffenen erholt sich von den Folgen der Erkrankung: Reisen, Sport und Sex sind weiterhin möglich - und aus medizinischer Sicht erwünscht. Vielen Patienten gelingt sogar der Wiedereinstieg in den Beruf.

Verminderte Lust auf Sex hat oft psychische Ursachen

Die Frage, ob ein Schlaganfall-Patient seinen sexuellen Bedürfnissen nachgehen kann, stellt sich in der Regel erst nach der Rückkehr in sein gewohntes Lebensumfeld. Viele Patienten berichten, dass das Thema "Sex" bei Gesprächen mit dem Arzt im Krankenhaus nicht thematisiert wird. Andere Fragen stehen im Vordergrund. Oft trauen sich Patienten aus Scham nicht, danach zu fragen.

In den meisten Fällen bleibt die Erektionsfähigkeit des Mannes auch nach dem Schlaganfall erhalten. Auch die sexuellen Bedürfnisse bei männlichen wie weiblichen Patienten sind kaum beeinträchtigt. Dennoch schildern einige Schlaganfall-Patienten, dass ihre Libido vermindert sei. Dies liegt zum Teil daran, dass Medikamente wie z.B. Blutdrucksenker oder Gerinnungshemmer potenzmindernd wirken können. Der Lustmangel hat jedoch auch psychische Ursachen. Betroffene schämen sich für ihre Behinderung oder fürchten, abgelehnt zu werden. Sie reagieren gehemmt.

Der Partner eines Schlaganfall-Patienten sollte diese Unsicherheit auffangen. Für ihn oder sie gilt: Liebe und Vertrauen zeigen. Berührungen, Zärtlichkeit, Umarmungen - jedes Zeichen von Zuneigung kann dem Betroffenen helfen, Selbstzweifel und Hemmnisse zu überwinden.

Die Angst, durch sexuelle Aktivität einen erneuten Schlaganfall zu erleiden, ist übrigens unbegründet. Wichtig ist aber, dass speziell nach einer Hirnblutung der Blutdruck gut eingestellt ist.

Sport ist Rehabilitation und Prävention

Sport steigert das Wohlbefinden, sorgt für Lebensfreude und ein gutes Körpergefühl - auch bei Schlaganfall-Patienten. Doch Sport ist nicht nur Spaß: Muskeltraining mindert die Folgeschäden der Erkrankung. Die regelmäßige Ausübung eines leichten Konditionssports reduziert soagar das Risiko, einen weiteren Schlaganfall zu erleiden. Welche Aktivität im individuellen Fall geeignet ist, muss jedoch ein Arzt entscheiden. Empfohlen werden häufig Wassergymnastik und Schwimmen. Beim Schwimmen sollte der Betroffene anfangs nicht alleine ins Wasser gehen. Meist ist eine Wassertemperatur von 24 Grad optimal. Eine weitere Möglichkeit, sportlich aktiv zu sein, ist auch das Spazierengehen. Die Gehstrecken und das Tempo sollten langsam gesteigert werden.
Wichtig bei den Ausdauer-Sportarten ist, dass der Patient sich nicht übernimmt. Übereifer und Wettkampfgeist sind fehl am Platz. Der Pulsschlag darf den Wert von 160 minus Lebensalter nicht überschreiten. Zur Kontrolle: Ein lockeres Unterhalten während der Übungen sollte ohne Atemnot möglich sein.

Wer gern im Team trainiert, kann Vereins- oder Kassenangebote nutzen: Spezialkurse oder Reha-Sportgruppen, die von entsprechend ausgebildeten Sporttherapeuten geleitet werden, gehören heute zu den gängigen Angeboten. Um die Motorik von Schlaganfall-Patienten zu verbessern, eignen sich krankengymnastische Übungen. Sie stimulieren gelähmte Körperregionen und lösen Verspannungen. Die Krankengymnatik bauet ebenso verloren gegangene Bewegungsmuster wieder auf, wirkt Fehlbelastungen entgegen und kann dadurch Schmerzen mindern sowie die Selbstständigkeit verbessern. Wenn der Patient bettlägerig ist, ist es besonders wichtig, die Muskulatur zu trainieren. Die Krankengymnastik sollte nach der Rehabilitation zu Hause fortgeführt werden.

Reisen ist gut - Extremtouren sind ungeeignet

Gegen Reisen spricht bei Schlaganfall-Patienten grundsätzlich nichts. Um unnötige Gefahren auszuschließen, ist es jedoch sinnvoll, die Wahl des Reiseziels mit dem Arzt zu besprechen.
Grundsätzlich sollte der Urlaubsort nicht höher als 600 Meter liegen. In Höhenlagen steigt der Blutdruck an. Gleiches gilt für extreme Umgebungen: Wandertouren über 2500 Metern, Schwimmen im unruhigen Meer oder Urlaubsziele mit extrem hohen oder tiefen Temperaturen sind für Schlaganfall-Patienten gefährlich.

In der Reiseplanung sollte der medizinischen Versorgung am Urlaubsort besondere Beachtung geschenkt werden. Eine gut ausgestattete Arztpraxis oder ein Krankenhaus in der Nähe ist vorteilhaft. Viele Patienten verbinden das Angenehme mit dem Nützlichen und wählen einen Urlaubsort, an dem sich eine Rehabilitationsklinik für Schlaganfall-Patienten befindet. Der Betroffene kann dann auch Kurse oder Seminare an der Reha-Klinik besuchen, wohnt jedoch privat in einem Hotel- oder Pensionszimmer. Gelegentlich übernehmen die Krankenkassen sogar die Kosten für diese Kurse.

Empfehlenswert ist zudem für Auslandsreisen eine Reise-Krankenversicherung inklusive Reiserücktransport abzuschließen. Auch gibt es Veranstalter, die sich auf behindertengerechte Reisen spezialisiert haben und um die Bedürfnisse von Schlaganfall-Patienten wissen. Das Reisebüro hilft weiter - auch auf der Suche nach speziell eingerichteten Ferienwohnungen.

Zurück in den Job geht es meist nur mit Abstrichen

Die berufliche Zukunft nach einem Schlaganfall hängt von der Art der ausgeübten Tätigkeit und dem Grad der Behinderung ab. Im Idealfall lässt sich der bisherige Arbeitsplatz erhalten, auch wenn eine direkte Wiederaufnahme der früheren Tätigkeit nur in wenigen Fällen möglich ist.

Ist der Schlaganfall-Patient in der Lage, wieder zu arbeiten, ist eine stufenweise Wiedereingliederung der erste Schritt ins Berufsleben. Hierfür zahlen Arbeitsamt und die Versicherung häufig Zuschüsse, zum Beispiel um den Arbeitsplatz behindertengerecht auszustatten oder bei reduzierter Arbeitszeit Stundenausfälle auszugleichen. Die Beratung von Krankenkasse und Arbeitsamt sollten Schlaganfall-Patienten daher unbedingt in Anspruch nehmen.

Ist die Wiederaufnahme der früheren Tätigkeit am alten Arbeitsplatz nicht möglich, sind der Arbeitsplatzwechsel innerhalb des bisherigen Unternehmens oder eine Umschulung mögliche Optionen. Auch diese Maßnahmen werden vom Arbeitsamt finanziell unterstützt. Beide Möglichkeiten bedeuten jedoch, dass sich der Patient beruflich völlig neu orientieren muss. Das fällt erfahrungsgemäß nicht immer leicht.

Auto fahren

Ein Schlaganfall bedeutet nicht, dass man nicht mehr Auto fahren darf. Doch wer fahruntauglich ist und sich trotzdem hinters Steuer setzt, gefährdet sich und andere, macht sich strafbar und verliert zudem seinen Versicherungsschutz. Einfach darauf zu vertrauen, dass die Behörde nichts vom Schlaganfall mitbekommt, kann schlimme Folgen haben.

Der Gesetzgeber verlangt von jedem Führerscheinbesitzer in "geeigneter Weise" Vorsorge zu treffen. Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe informiert dazu unter http://www.schlaganfall-hilfe.de/index.php?option=com_content&task=view&id=622&Itemid=401. So besitzen Sie in wenigen Schritten wieder einen gültigen Führerschein.


Quelle: Nach Angaben der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Download unter http://www.schlaganfall-hilfe.de/index.php?option=com_content&task=view&id=83&Itemid=98 am 14.04.2010
Autor: Springer Medizin, überarbeitet von Verena Horsthemke
Stand: Apr 14, 2010


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