Für Angehörige
Umgang mit Schlaganfall-Patienten
Der richtige Umgang mit dem Schlaganfallpatienten ist entscheident, um Unsicherheiten und ein vermindertes Selbstwergefühl bei dem Betroffenen zu vermeiden. Das richtige Verhalten der Angehörigen ist jedoch auch wichtig, um verloren gegangene Fähigkeiten zu aktivieren. Die gelähmte Körperhälfte oder Sprachstörungen können durch die richige Ansprache des Patienten neu trainiert werden.
Orientierungsprobleme
Die Gedächtnisleistung kann nach einem Schlaganfall unterschiedlich stark beeinträchtigt sein. Damit sich Schlaganafallpatienten dennoch im Alltag zurechtfinden können, benötigen sie daher u.U.kleine Orientierungshilfen:
- Alltägliche Gegenstände sollten immer am gleichen Platz stehen. So sind sie leichter zu finden.
- Der Betroffene sollte über alle Handlungen vorher informiert werden.
- Orientierungshilfen einsetzen, um Unfälle zu verhindern, z.B. die Markierung von "heiß" und "kalt" an Gegenständen, Lebensmitteln und Getränken.
- Wenn Sie die Kleidung der Reihe nach hinlegen, erleichtern Sie dem betroffennen Patienten das selbstständige Ankleiden.
Ernährung bei Schluckstörung
Eine Lungenentzündung ist eine häufige Komplikation bei Schlaganfallpatienten, die unter Schluckstörungen leiden. Infolge des "Verschluckens" kann es zu einer Lungenentzündung kommen, die den Genesungsprozess der Patienten verzögert.
Eine entscheidende Maßnahme ist daher die kontrollierte Zufuhr von Flüssigkeit und Nahrung. Patienten, die unter ausgeprägten Schluckstörungen leiden, müssen zeitweise über eine Sonde ernährt werden und ein Schlucktraining unter Anleitung einer Logopädin erhalten. Der Schluckvorgang wird bereits durch die Bewegung der Nahrung zum Mund vorbereitet. Die Nahrung sollte daher möglichst nicht angereicht werden. Hilfsmittel wie eine rutschfeste Unterlage oder ein günstiges Trinkgefäß unterstützen die selbstständige Nahrungsaufnahme. Weitere Hinweise, die sie während der Nahrungsaufnahme beachten sollten, sind:
- Die Konsistenz von Speisen, besonders von Flüssigkeiten muss ggf. angepasst werden. Feste Nahrung wird in weicher Form zubereitet z.B. in Form von Püree. Flüssigkeiten werden mit speziellen Präparaten angedickt.
- Getränke nur in kleinen Schlucken anbieten.
- Ungünstige Speisen wie Reis, kleine Nudeln, Nüsse oder Blattsalat vermeiden.
- Vor dem Schlucken sollte der Betroffene das Kinn auf die Brust legen. Die Luftröhre ist in dieser Lage verschlossen.
Ausscheidung
Einige Patienten können nach einem Schlaganfall das Wasser nicht mehr halten. Ärzte sprechen dann von einer Harninkontinenz. Diese kann sich kurz- oder langfristig zurückbilden – zum Beispiel indem der Betroffene mithilfe eines speziellen Blasentrainings die Kontrolle seiner Urinausscheidung neu erlernt. Bis dahin ist die Anwendung von Einlagen für viele Patienten eine praktikable und sie entlastende Zwischenlösung.
So funktioniert das Blasentraining:
- Der Patient wird nach individuell abgestimmten Zeiten zur Toilette begleitet, auch wenn er keinen Urindrang verspürt.
- Die abgesprochenen Zeiten müssen täglich beibehalten werden.
- Dem Patienten sollte für einen Toilettengang ausreichend Zeit zur Verfügung stehen.
- Der Patient kann das Blasentraining auch Selbstständig durchführen. Wichtig ist daher, auf eine zunehmende Selbstständigkeit der Patienten hinzuarbeiten.
Die Einnahme von Medikamenten und die geringe tägliche Bewegung begünstigen eine Obstipation (Verstopfung). Wichtig ist daher auch auf regelmäßigen Stuhlgang zu achten. Die fehlende Stuhlkontrolle kann jedoch auch, wie die Harninkontinez, eine Ursache des Schlaganfalls sein.
Die gelähmten Körperhälfte aktivieren
Betroffene mit einer Halbseitenlähmung neigen dazu, die gelähmte Seite zu vernachlässigen, und die bewegliche Seite bevorzugt einzusetzen. Die Entwicklung der betroffenen Seite wird somit gehemmt und Spastiken entstehen. Es ist wichtig, das Zusammenspiel der betroffenen und gesunden Körperhälfte neu zu trainieren. Um die gelähmte Körperhälfte aktiv einzubeziehen, sind folgende Dinge zu beachten:
- Sprechen Sie Ihren Angehörigen immer von der gelähmten Körperhälfte an.
- Führen Sie die tägliche Pflege und das Bewegungstraining immer von der gelähmten Seite aus durch. Sie veranlassen ihn damit zu einer inneren Bewegung, auch wenn er sich augenscheinlich nicht rührt.
- Machen Sie Ihren Angehörigen darauf aufmerksam seine betroffene Körperhälfte in alle Bewegungsabläufe einzubeziehen.
- Beim Gehen sollte der Schlaganfallpatient an der gelähmten Seite geführt werden. Der betroffene Arm muss an Ellenbogen und Hand gestützt werden. Lassen Sie sich von einem erfahrenen Physiotherapeuten anleiten.
- Im Sitzen muss die gelähmte Seite mit einem Kissen unterstützt werden, um nicht den Halt zu verlieren.
- Platzierung Sie Alltagsgegenstände neu: Wichtige Gegenstände immer in Richtung der gelähmten Körperhälfte aufstellen. Der Patient muss versuchen, die betroffene Körperhälfte aktiv einzusetzen, was die Krankengymnastik unterstützt.
- Beim Hantieren in der Küche sollten Schlaganfall-Patienten versuchen, die gelähmte Körperseite beim Kochen oder Schneiden abzuwenden. Es besteht die Gefahr, sich unbemerkt zu verletzen. Zum Beispiel, wenn der Patient eine Heiß-Kalt-Wahrnehmungsstörung hat. Fettspritzer aus der heißen Pfanne führen zu unbemerkten Verbrennungen.
Sprachstörung
Die Schädigung der linken Gehirnhälfte ist häufig mit einer Sprachstörung verbunden. Der Betroffene benötigt viel Zeit und kleine Pausen zum Sprechen. Zudem kann er den Gesprächsinhalt nicht so schnell verarbeiten. Wichtig sind daher ruhige und langsame Gespräche, die sich auf ein Thema konzentrieren. Gerät der Patient zu lange ins Stocken und findet die Worte nicht, kann ihm der Gesprächspartner ein Schlüsselwort angebieten. Fehler und falsche Worte dürfen nicht ständig verbessert werden, dies kann den Patienten sonst zusätzlich verunsichern und eine zunehmende Verschlossenheit des Betroffenen begünstigen. Um das Sprechen neu zu erlernen, führt ein Logopäde ein spezielles Sprachtraining durch. Dieser kann auch den Angehörigen weitere Hinweise für die Gesprächsführung mit dem Schlaganfallpatienten vermitteln.
Manchmal kommt es vor, dass Angehörige über das Ziel hinausschießen: Sie betreiben immerzu "Sprachtherapie". Natürlich ist es wichtig, die Unterhaltung trotz gestörter Sprache aufrecht zu erhalten. Doch ist Kommunikation nicht auf verbale Fähigkeiten beschränkt. Ebenso kommunikativ ist es, gemeinsam etwas zu erleben. Dabei kann der Betroffene erfahren, dass er sich auf anderen Ebenen weiterhin ausdrücken kann - zum Beispiel beim Malen, Fotografieren oder Spielen.
Sind Sprachproduktion und Sprachverständnis vollständig aufgehoben oder ist das Gespräch durch eine Bewusstseinsstörung gestört, ist der Körperkontakt umso wichtiger: Das Halten der Hand, Streicheln oder auch festerer Druck sind Möglichkeiten, Gefühle mitzuteilen.





