Schlaganfallversorgung

Zukunftsmusik

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Trotz aller Erfolge gibt es noch reichlich Verbesserungspotenzial für eine noch wirksamere Versorgung von Schlaganfallpatienten. So kann die Versorgung mit Stroke-Units in Deutschland noch bis zur Flächendeckung verbessert werden. Aktuell werden etwa 50–60 Prozent der jährlich auftretenden Schlaganfallpatienten in zertifizierten Stroke-Units behandelt.

In einigen wenigen, dünn besiedelten, großen Räumen könnten durch eine flächendeckende telemedizinische Anbindung von Krankenhäusern an Stroke-Units Verbesserungen erzielt werden. Auch auf diesem Gebiet hat Deutschland international eine Vorreiterrolle übernommen. Durch solche Maßnahmen sollte es möglich sein, den Anteil der Patienten, die für eine Lysetherapie oder andere gefäßeröffnende (revaskularisierende) Verfahren geeignet sind, auf über 15  Prozent zu erhöhen. Derzeit erhalten in Gesamtdeutschland vier bis acht Prozent aller Patienten eine Lysetherapie, was im Vergleich zu Gesamteuropa mit 3,3 Prozent schon viel ist. In einigen überregionalen Stroke-Units in Deutschland wird z.T. bereits eine Rate von 15 Prozent erreicht.

Auch bei den revaskularisierenden Verfahren und der Ausdehnung des Zeitfensters wird die Entwicklung fortschreiten. In einigen Zentren wird bei Schlaganfallpatienten, die außerhalb des Zeitfensters für eine Lysetherapie eintreffen, versucht, mithilfe bildgebender Verfahren herauszufinden, ob doch noch mit einer Rettung von Hirngewebe gerechnet werden darf. Hierzu wird mittels spezieller Kernspin- oder Computertomografie-Verfahren ein sog. "Missmatch" zwischen Infarktkern und möglicherweise gefährdetem Hirngewebe ("Tissue at Risk") bestimmt. Je größer dieses Missverhältnis ist, desto Erfolg versprechender ist eine verspätete Wiedereröffnung des verschlossenen Gefäßes (Rekanalisation).

Die Entwicklung von noch effektiveren und schonenderen Kathetersystemen zur Thromboektomie (Gerinnselentfernung) wird weiteren Fortschritt bringen. Auch die Sonothrombolyse (Ultraschall-gestützte Auflösung von Blutgerinnseln) könnte in Zukunft eine therapeutische Rolle spielen, da sie parallel zur intravenösen Lysetherapie ohne wesentlichen weiteren Zeitverlust eingesetzt werden kann.

Fazit für die Praxis

Die moderne Schlaganfallmedizin ist Hochleistungsnotfallmedizin mit zahlreichen, allerdings zeitabhängigen therapeutischen Optionen für den betroffenen Patienten.

Entscheidend für den Erfolg ist, dass

(a) der Patient schnellstmöglich, also mit dem Rettungsdienst, einem geeigneten Spezialistenteam zugeführt wird, sodass
(b) jeder Patient auf einer Stroke-Unit mit ihren maximalen therapeutischen Perspektiven behandelt werden sollte.

Einführung: Meilenstein der Hochleistungsmedizin
Stroke-Units
Lysetherapie
Andere Verfahren
Dekompressive Kraniektomie


Quelle: DNP – DGPPN-Sonderheft 2009: 42-46, www.derneurologe-psychiater.de
Autor: Dr. med. Martin A. Ritter, Prof. Dr. med. E. Bernd Ringelstein
Stand: Sep 10, 2010


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