Schlaganfallversorgung
Dekompressive Kraniektomie ("druckentlastende Schädeleröffnung")

Die dekompressive Kraniektomie führt außer zu einer verbesserten Überlebensrate auch zu einem verbesserten funktionellen Behandlungsergebnis der Patienten.
Vor zehn Jahren waren Patienten mit sog. "malignen Infarkten" im Bereich der mittleren Gehirnschlagader zu mehr als 80 Prozent unrettbar dem Tod geweiht; und die Patienten, die überlebten, waren in der Regel schwerstbehindert. Hauptgrund für die hohe Sterblichkeit dieser Patienten ist die sich innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen ausbildende Schwellung (Ödem) des infarzierten Gerhirngewebes, die einen erheblichen raumfordernden Effekt auf das noch intakte Gehirn ausübt. Da der Schädel dem Gehirn keine Möglichkeit der Ausdehnung nach außen ermöglicht, kommt es zunächst zur Verlagerung der Mittellinienstrukturen mit Kompression der Gehirnkammern (sogenannte Ventrikelkompression) und schließlich zur Verlagerung von Gehirnanteilen in das Foramen magnum ("großes Hinterhauptsloch", die größte Öffnung an der Schädelbasis) mit Hirnstammkompression.
In den 1990er-Jahren wurde daher begonnen, dem schwellenden Hirn dadurch Raum zu verschaffen, dass das knöcherne Schädeldach über dem Infarktgebiet vorübergehend entfernt wird und damit Raum für die Schwellung entsteht ("dekompressive Kraniektomie"). Hierdurch konnte in Einzelfällen das Leben gerettet werden, allerdings gab es bis vor Kurzem keine wissenschaftlich akzeptierte Studie, die die Wirksamkeit der Therapie belegt. Dies gelang erst in den letzten Jahren durch die Analyse der gesammelten Daten mehrerer kleiner, kontrollierter Studien. Diese zeigten eindeutig, dass die operative Therapie hochwirksam ist. Sie wird daher nun bei bestehender Indikation regelhaft durchgeführt. Allerdings ist die dekompressive Kraniektomie bisher nur bis zum Alter von 60 Jahren als sicher effektiv nachgewiesen. Sie führt außer zu einer verbesserten Überlebensrate auch zu einem verbesserten funktionellen Behandlungsergebnis der Patienten und nicht zu vermehrten Schwerstpflegefällen. Die Etablierung dieser Therapie in einem weiter differenzierten Therapiekonzept des akuten Schlaganfalls hat zum Aufschwung der neurologischen Intensivmedizin als eigenem Schwerpunktgebiet beigetragen.
Zukunftsmusik
Einführung: Meilenstein der Hochleistungsmedizin
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