Schlaganfallversorgung
Lysetherapie (Thrombolyse; griechisch: "Thrombus"="Blutpfropf" und "Lyse"="Auflösung")

1995 belegte die NINDS-Studie die Wirksamkeit der intravenösen Fibrinolysetherapie mit gentechnologisch hergestelltem Gewebsplasminogenaktivator* (r-tPA) innerhalb der ersten drei Stunden nach Symptombeginn. Insbesondere konnten durch diese Behandlung bleibende Behinderungen verhindert werden.
Damit war der Weg frei, die Schlaganfallmedizin analog dem Herzinfarkt als echte Notfallmedizin zu konzipieren. Allerdings erreichen in vielen Ländern nur wenige Patienten innerhalb der vorgegebenen Zeit das richtige Krankenhaus, sodass der Anteil an Lysepatienten teilweise noch unter einem Prozent liegt.
Die wiederholte Auswertung und Zusammenschau (Metaanalyse) unterschiedlicher Studienergebnisse zeigte, dass ein nachweisbarer Nutzen (Benefit) dieser Behandlungsform bis zu 4,5 Stunden nach Symptombeginn wahrscheinlich ist. In der 2008 von der Zeitschrift Lancet zur wichtigsten Publikation des Jahres gewählten ECASS3-Studie konnten die erwarteten Therapieeffekte bestätigt werden, sodass die Lysetherapie intravenös nun bis zu 4,5 Stunden nach Symptombeginn zur Verfügung steht.
In den von der europäischen Arzneimittelbehörde (EMEA) geforderten SITS-Registern (SITS = Safe Implementation of Thrombolysis in Stroke) zeigte sich, dass die Lysetherapie in der Praxis genauso gut und sicher ist wie unter Studienbedingungen. Die Routineergebnisse waren sogar noch etwas besser als die Studienergebnisse, was mit der steigenden Erfahrung der Zentren mit der Behandlung zusammenhängen könnte. Dies zeigt sich auch darin, dass Zentren, die mehr als 15 Lysetherapien pro Jahr durchführen, wesentlich bessere Ergebnisse erzielen als Zentren, die erheblich weniger kontinuierliche Praxis besitzen.
Gemäß den Zulassungskriterien der europäischen Arzneimittelbehörde dürfen Schlaganfälle mit der Lysetherapie nur in Einrichtungen behandelt werden, die über spezielle Erfahrungen verfügen. Diese Auflage der Zulassungsbehörde unterstreicht ebenfalls die Bedeutung der Stroke-Units und der dort angesiedelten Erfahrung für die erfolgreiche Schlaganfallbehandlung.
Andere Verfahren
Dekompressive Kraniektomie ("druckentlastende Schädeleröffnung")
Zukunftsmusik
Einführung: Meilenstein der Hochleistungsmedizin
Stroke-Units
Glossar
Gewebsplasminogenaktivator: Körpereigene oder künstlich hergestellte Substanz, die das ebenfalls körpereigene Eiweiß Plasminogen zu Plasmin aktiviert. Plasmin selbst wirkt wie eine Schere und kann so andere Eiweiße spalten und abbauen – z.B. den „Gewebskleber“ Fibrin, der bei der Bildung und Aufrechterhaltung von Blutgerinnseln eine wichtige Rolle spielt. Löst sich das Gerinnsel schließlich auf, sprechen Mediziner von Fibrinolyse.
