Schlaganfallversorgung

Stroke-Units

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1996 wurde in Deutschland die erste Stroke-Unit als Spezialstation zur Akutbehandlung von Schlaganfallpatienten eingerichtet. Inzwischen gibt es fast 200 von der Deutschen Schlaganfall Gesellschaft (DSG) zertifizierte Stroke-Units. Auf diesen Stationen sorgt ein interdisziplinäres Team, das sich ausschließlich um Schlaganfallpatienten kümmert, um deren unverzügliche, qualitativ hochwertige Versorgung.

Auf einer Stroke-Unit werden im Wesentlichen folgende Ziele verfolgt:

  • Durchführung einer sogenannten Fibrinolysebehandlung zur Auflösung des Gefäßverschlusses der Gehirnarterien, der häufig einem Hirninfarkt zugrunde liegt, bzw. Entscheidung, eine andere Akuttherapie (siehe unten) durchzuführen, die ebenfalls ein spezielles Expertenwissen erfordert.
  • Klärung der genauen Ursachen des Schlaganfalls. Diese können sehr vielfältig sein. Dementsprechend differenziert und ggf. umfangreich ist der Einsatz von Zusatzdiagnostik.
  • Frühe Sekundärprävention: Nur nach sorgfältiger Ursachenklärung ist eine frühe ursachengerechte Sekundärprävention eines erneuten Schlaganfalles (Rezidivinsult) oder einer Vergrößerung des Hirninfarktes durchführbar.
  • Automatisierte Überwachung von Atem-, Kreislauf- und Stoffwechselfunktion, da Komplikationen des Schlaganfalls die häufigste Ursache für Folge- und Begleiterkrankungen und sowie eine erhöhte Sterblichkeit sind.
  • Frühestmögliche, dem medizinischen und neurologischen Zustand angepasste Mobilisation der Patienten.
  • Fachübergreifende Diagnostik und Therapie durch logopädische und neuropsychologische Test- und Beurteilungsverfahren (Assessments) sowie eine differenzierte Diagnostik und Therapie von Schluckstörungen.

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Die Behandlung in Stroke-Units reduziert die Sterblichkeit und verbessert nachweislich den Behinderungsgrad. In einer aktuellen Studie (Cochrane Review) ergab sich für die organisierte Stroke-Unit-Therapie im Hinblick auf die Vermeidung von Todesfällen eine „Number Needed to Treat“ (NNT) von 33, bezüglich der Vermeidung von Pflegefällen eine NNT von 20 und für die Vermeidung von Abhängigkeit ebenfalls eine NNT von 20. Verglichen mit Standardbehandlung auf konventionellen („normalen“) Stationen verhindert die Stroke-Unit-Behandlung damit bei zusätzlichen 30 Prozent der Patienten Tod, Abhängigkeit oder Einweisung ins Pflegeheim. Alle Patienten mit Schlaganfällen – auch Patienten über 75 Jahren – profitieren von einer Stroke-Unit-Behandlung, besonders stark Patienten mit mittelschweren und schweren Schlaganfällen.

Inzwischen gibt es wissenschaftliche Belege, dass der in Deutschland zusätzlich geforderte und in den zertifizierten Stroke-Units realisierte Beobachtungs- und Überwachungsaufwand positive Effekte mit sich bringt, d. h. dass sich dieser apparative Aufwand der Stroke-Units in höherer Behandlungsqualität niederschlägt. Dieses Konzept beginnt sich auch international durchzusetzen. Im Vergleich mit einer spezialisierten Stroke-Unit schnitten alle anderen untersuchten Schlaganfallbehandlungen an gemischtem Patientengut, darunter auch das „Mobile Stroke Team“ („mobiles Schlaganfall-Team“), schlechter ab. Die günstigen Ergebnisse der Behandlung in der Stroke-Unit lassen sich auch im Langzeitverlauf noch zehn Jahre später im gleichen Umfang nachweisen.

Die Empfehlung zur Akutbehandlung von Schlaganfallpatienten auf spezialisierten Schlaganfalleinheiten wird in der Helsingborg-Deklaration auch vonseiten der Weltgesundheitsorganisation unterstützt. Die konsequente Umsetzung des Konzepts hat in allen Regionen Deutschlands, die mit zertifizierten Stroke-Units ausgestattet sind, entscheidend zur Verbesserung der Versorgung von Schlaganfallpatienten beigetragen.

Lysetherapie
Andere Verfahren
Dekompressive Kraniektomie ("druckentlastende Schädeleröffnung")
Hirnblutungen
Zukunftsmusik

Einführung: Meilenstein der Hochleistungsmedizin

Glossar:

Cochrane Review: Systematische Übersichtsarbeiten („Review“) der Cochrane Collaboration bieten Wissenschaftlern und praktisch Tätigen im Gesundheitswesen eine wissenschaftlich fundierte Informationsgrundlage, um den aktuellen Stand der klinischen Forschung in kurzer Zeit objektiv beurteilen zu können. Quelle: Internetseite des Deutschen Cochrane Zentrums: http://www.cochrane.de/de/clibintro.htm (Download vom 29.01.10)

Number Needed to Treat / „Anzahl der notwendigen Behandlungen“ (NNT ): Statistische Maßzahl, die angibt, wie viele Patienten pro Zeiteinheit (z.B. 12 Wochen) mit einer bestimmten Therapie behandelt werden müssen, um das gewünschte Behandlungsziel (Verhinderung bzw. Besserung oder Heilung einer Erkrankung) bei einem einzigen Patienten zu erreichen.


Quelle: DNP – DGPPN-Sonderheft 2009: 42-46, www.derneurologe-psychiater.de
Autor: Dr. med. Martin A. Ritter, Prof. Dr. med. E. Bernd Ringelstein
Stand: Mar 19, 2010


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