Schlaganfall
Therapie und Medikamente
Das Therapieziel ist die Vorbeugung eines weiteren Schlaganfalls und die Linderung der Symptome. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache des Schlaganfalls und den Risikofaktoren der Patienten. Sie ist deshalb individuell zu planen.
Hirnödem - Eine mögliche Komplikation in der Frühphase
Das Hirnödem ist meistens eine Komplikation bei jüngeren Patienten, die einen schweren Schlaganfall erlitten haben. Durch die Einlagerung von Wasser in die Gehirnzellen entsteht eine Schwellung (Hirnödem). Der knöcherne Schädel verhindert eine Ausdehnung des angeschwollenen Hirngewebes, sodass ein erhöhter Druck auf das Gehirn entsteht. Das Gehirn wird dadurch zusätzlich geschädigt. Die Entwicklung eines Hirnödems beginnt meist 24-78 Stunden nach dem Schlaganfall und kompliziert den Krankheitsverlauf der Patienten.
Wichtige Maßnahmen beim Hirnödem sind die Oberkörperhochlagerung und die Gabe von wassertreibenden Medikamenten. Auch die vorübergehende maschinelle Beatmung verringert das Anschwellen des Gehirns und ist daher bei einigen Patienten notwendig. Bei sehr großen Schlaganfällen oder bei solchen, die sich im Hirnstamm abspielen, kann eine druckentlastende Operation erforderlich werden. Hierbei wird die Schädeldecke des Patienten vorübergehend entfernt, bis sich die Schwellung zurückbildet.
Behandlung und Einstellung der Risikofaktoren
Die Überwachung und Einstellung von Blutdruck und Blutzucker sind bei einem akuten Schlaganfall besonders wichtig.
Bei einem akuten Schlaganfall werden erhöhte Blutdruckwerte durchaus akzeptiert, um die Gehirndurchblutung zu verbessern. Für die weitere Behandlung und Vorsorge ist eine Blutdrucknormalisierung wichtig. Ziel der blutdrucksenkenden Therapie ist die erfolgreiche und nebenwirkungsarme Senkung des Blutdrucks. Die Blutdruckwerte müssen unter 140/90 mmHg liegen. Hierfür werden blutdrucksenkende Medikamente - auch Antihypertensiva genannt - aus unterschiedlichen Medikamentengruppen ausgewählt: Diuretika (Thiaziddiuretika, Indapamid), Beta-Blocker, Kalziumantagonisten, ACE-Inhibitoren und AT1-Antagonisten. Jede Gruppe hat ihren eigenen spezifischen Wirkmechanismus und damit auch eigene Vor- und Nachteile. Da es so viele unterschiedliche Wirkprinzipien gibt, kann der behandelnde Arzt die Therapie auf die Bedürfnisse des Patienten ausrichten. Kombinationstherapien (gleichzeitige Anwendung mehrere Blutdruckmedikamente) können eine erhöhte Wirksamkeit bei weniger Nebenwirkungen erzielen.
Der Blutzucker muss immer im Bereich der Normalwerte liegen. Bei erhöhten Blutzuckerwerten über 200 mg/dl werden blutzuckersenkende Medikamente eingesetzt - in der Regel das Altinsulin. Der Nüchtern-Blutzucker muss täglich bestimmt werden.
Leidet der Patient unter Fettstoffwechselstörungen, ist nach Abwägung aller vorhandenen Risikofaktoren eine Senkung des Cholesterins durch die Einnahme von Medikamenten notwendig - den sogenannten Statinen. Die Medikation richtet sich nach der Höhe des Cholesterins und des individuellen Risikoprofils. Ziel ist eine Senkung des LDL-Cholesterins auf Werte unter 100mg/dl. Patienten, die einen ischämischen Hirninfarkt erlitten haben und unter der koronaren Herzkrankheit (KHK) leiden, wird auch unabhängig vom Cholesterinwert eine Behandlung mit Statinen empfohlen.
Blutgerinnseln vorbeugen
Die Gabe von Thrombozytenaggregationshemmern beeinflusst die Blutgerinnung. Sie lösen ein Blutgerinnsel zwar nicht auf, verhindern aber, dass ein bestehendes Gerinnsel größer wird oder sich neue Blutgerinnsel bilden. Die am häufigsten eingesetzten Thrombozytenaggregationshemmer sind: Acetylsalicylsäure (ASS), Clopidogrel und Dipyridamol. Wenn eine Lysetherapie geplant ist sowie in den ersten 24 Stunden nach einer Lysetherapie dürfen keine Thrombozytenaggregationshemmer verabreicht werden.
Ist ein eingeschwemmtes Blutgerinnsel aus dem Herzen die Ursache des Schlaganfalls, so wird häufig eine Behandlung mit Antikoagulantien durchgeführt. Antikoagulantien sind Medikamente, die die Gerinnung des Blutes herabsetzen und einer Gerinnselbildung vorbeugen. Die bekanntesten Medikamente sind Heparine und der Gerinnungshemmer Marcumar®.
Nur wenn der Schlaganfall durch eine Herzerkrankung wie z.B. durch Vorhofflimmern verursacht wurde, empfehlen Fachärzte die Behandlung mit Heparin. Patienten, die einen großen Hirninfarkt erlitten haben und weiterhin unter hohen Blutdruckwerten leiden, wird von einer Behandlung mit Heparin abgeraten. Durch die herabgesetzte Blutgerinnung ist das Risiko von Blutungen deutlich erhöht. Um die Blutgerinnung genau zu kontrollieren, wird über ein Laborkontrolle der PTT-Wert bestimmt.
L
Marcumar ist eine weiterführende Therapie für Patienten, die unter Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern leiden. Ziel ist die Blutgerinnung der Patienten dauerhaft herabzusetzen und damit einer Bildung von Blutgerinnseln vorzubeugen. Auch hier besteht ein erhöhtes Blutungsrisiko. So bluten bereits kleine Schnittwunden stärker als normal. Ein Patient, der Antikoagulantien wie Marcumar einnimmt, muss deshalb ärztlich überwacht werden und den Gerinnungsparameter des Blutes, den sogenannten Quickwert regelmäßig bestimmen lassen. Patienten, die Antikoagulantien einnehmen, erhalten einen Patientenpass, den sie vor medizinischen Eingriffen wie z.B. beim Zahnarzt vorzeigen müssen.
Lebensstilmodifikation
Bereits während der Krankenhausbehandlung ist eine Lebensstilberatung notwendig. Patienten die Risikofaktoren wie Bewegungsmangel, Übergewicht, Rauchen und erhöhten Alkoholkonsum mitbringen, müssen ihre Gewohnheiten ändern. Ist der Patient stark übergewichtig, kann z.B. die Ernährungsberatung bei der Umstellung von Essgewohnheiten helfen. Das Ziel den Nikotinkonsum einzustellen kann durch psychotherapeutische Unterstützung erreicht werden.
Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), Deutsche Schlaganfall Gesellschaft (DSG) (2008): Primär und Sekundärprävention der zerebralen Ischämie Download unter http://www.dgn.org/images/stories/dgn/leitlinien/LL2008/ll08kap_024.pdf am 15.03.2010.
Deutsche Hochdruckliga e.V. (DHL) – Deutsche Hypertoniegesellschaft (2008) (Hrsg.): Leitlinien zur Behandlung der arteriellen Hypertonie. Download unter http://leitlinien.net/046-001.pdf am 12.04.2010
