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Schlaganfall

Lysetherapie

Die entscheidende Therapie in der Akutphase des Schlaganfalls ist die Lysetherapie – auch Thrombolyse genannt. Die Lysetherapie kann nur in einem engen Zeitfenster nach dem Schlaganfall durchgeführt werden. Damit ist der Schlaganfall wie auch der Herzinfarkt als echte Notfallmedizin zu betrachten.

Die Lysetherapie ist am wirkungsvollsten, wenn sie unmittelbar nach dem Gefäßverschluss beginnt. Zu diesem Zeitpunkt hat sich das Blutgerinnsel noch nicht so stark verfestigt und lässt sich am besten auflösen. Je mehr Zeit verstreicht, desto geringer ist die Chance, dass sich das Gefäß wieder öffnet.

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Systemische Lyse: In den ersten drei Stunden nach Beginn des Schlaganfalls wird versucht, den Thrombus bzw. Embolus durch die Gabe von Medikamenten aufzulösen, um das Gefäß wieder zu eröffnen. Dabei werden Enzyme verabreicht, die das körpereigenes Abbauenzym aktivieren und das Gerinnsel auflösen. Verwendet werden Urokinase (uPA) sowie der Gewebsplasminogenaktivator* r-tPA, der in den meisten Kliniken bevorzugt eingesetzt wird. In Ausnahmefällen wird eine Lyse auch bis zu 4,5 Stunden nach dem Schlaganfall durchgeführt.

Lokale Lyse: Bis zu sechs Stunden nach dem ischämischen Hirninfarkt erfolgt die lokale Lysetherapie. Das verschlossene Gefäß im Gehirn wird mit Hilfe eines Röntgengeräts dargestellt. Ein Katheter wird in das Hirngefäß eingelegt und bis zum verschlossenen Blutgefäß vorgeschoben. So wird das Medikament r-tPA oder Urokinase an Ort und Stelle verabreicht. Diese Form der Lysetherapie wird nur an wenigen Kliniken praktiziert, da ein erfahrener Neuroradiologe notwendig ist. Auch erfahrene Spezialisten benötigen in der Regel mehr als 30 Minuten, um mit dem Katheter an den Ort des Verschlusses zu gelangen. So kommt es beim Einsatz dieses Verfahrens erneut zu einem Wettlauf mit der Zeit. Wissenschaftlich Belege einer Überlegenheit dieses Ansatzes gegenüber der systemischen Lysetherapie fehlen bisher.

Das Lyse-Medikament hemmt die körpereigene Blutgerinnung im gesamten Körper. Daher kann diese Therapieform nicht bei allen Schlaganfallpatienten eingesetzt werden. Zu Beginn der Lysetherapie muss eine Hirnblutung als Ursache des Schlaganfalls ausgeschlossen werden - hier darf keine Lysetherapie erfolgen. Bei sehr großen Hirninfarkten besteht die Gefahr einer zusätzlichen Hirnblutung. Daher ist die Lysetherapie auch hier kontraindiziert.

Die Durchführung der Lysetherapie und die damit verbundene Auflösung des Blutpfropf ermöglicht die Widerherstellung körperlicher Funktionen und mindert bleibende Folgeschäden und Behinderungen bei den Patienten. Das erforderliche Zeitfenster von 3 Stunden verhindert jedoch zumeist die Durchführung dieser notwendigen Therapie. Nur wenige Patienten erreichen innerhalb der vorgegebenen Zeit das richtige Krankenhaus, sodass der Anteil an Lysepatienten teilweise noch unter einem Prozent liegt. Zudem darf die Lysetherapie nur von Ärzten durchgeführt werden, die ausreichend erfahren sind und über eine Ausbildung in neurologischer Intensivmedizin verfügen.

Glossar

Gewebsplasminogenaktivator: Körpereigene oder künstlich hergestellte Substanz, die das körpereigene Eiweiß Plasminogen zu Plasmin aktiviert. Plasmin selbst wirkt wie eine Schere und kann so andere Eiweiße spalten und abbauen - z.B. den "Gewebskleber" Fibrin, der bei der Bildung und Aufrechterhaltung von Blutgerinnseln eine wichtige Rolle spielt. Löst sich das Gerinnsel schließlich auf, sprechen Mediziner von Fibrinolyse.


Quelle: Ritter MA , Ringelstein EB: Schlaganfallversorgung – Meilenstein der Höchstleistungsmedizin. DNP – DGPPN-Sonderheft (2009): 42-46. Springer Medizin Verlag, München.
Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), Deutsche Schlaganfall Gesellschaft (DSG) (2008): Leitlinien zur Akuttherapie des ischämischen Schlaganfall 2008 (Aktualisierung Mai 2009). Download unter http://www.dgn.org/images/stories/dgn/leitlinien/LL2008/ll08kap_023.pdf am 15.03.2010.
Schwarting S, Rocco A, Lichy C (2010): Notfallmedizinisches Management von Patienten mit akutem Hirninfarkt oder TIA. Intensivmedizin (2009), online publiziert Dez. 2009. Download unter http://www.springerlink.com/content/r4q0888v5466837t/fulltext.pdf am 15.03.2010.
Autor: Verena Horsthemke
Stand: Aug 13, 2010


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