Vitamin D-Substitution

Rheumapatienten benötigen mehr

Mehr als die Hälfte aller Patienten mit Rheuma oder Osteoporose hat deutlich erniedrige Blutwerte für Vitamin D. Das haben zwei neue Studien gezeigt. Die üblicherweise verordnete Menge der Hormonpräparate reicht für sie nicht aus.

Vitamin D gilt in vielerlei Hinsicht als wichtiges Hormon. Schließlich ist es u.a. an Prozessen wie dem Knochenstoffwechsel, der Koordination von Nerven und Muskeln, der Zelldifferenzierung und eben auch an der Immunmodulation beteiligt. Letzteres konnte erst vor kurzem eine dänische Arbeitsgruppe zeigen. Für Osteoporosepatienten wird schon lange nicht nur eine Kalzium-, sondern auch eine Vitamin D-Substitution empfohlen. Denn kaum ein älterer Mensch in nordeuropäischen Breiten ist genügend lange in der Sonne, um eine ausreichende Menge Vitamin D selbst zu synthetisieren. Lange Zeit wurde eine aus heutiger Sicht eher geringe Dosis empfohlen – 400 bis 800 I.E. (Internationale Einheiten). In den aktuellen Leitlinien des Dachverbandes Osteologie sind es schon 800 bis 2000 I.E. täglich. Ob diese für Rheumapatienten ausreicht, ist fraglich. 800 bis 1000 I.E. Cholecalciferol, eine auch als Vitamin D3 bezeichnete physiologische Form des Vitamin D, sind auf jeden Fall nicht genug, wie Dr. Pier Paolo Sainaghi, Novara, Italien in einer Studie an 100 Patienten herausfand. Nach sechs Monaten waren ihre Blutwerte weiter zu niedrig.

Vitamin D-Mangel bei Rheumapatienten häufig

Dass nicht nur Osteoporose-, sondern auch Rheumapatienten bzw. Patienten mit entzündlichen Autoimmunerkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis mit Vitamin D unterversorgt sind, ist eine neue Erkenntnis. Der Mangel scheint mit der Krankheitsaktivität zu korrelieren, wie eine italienische Studie ergab, und zwar unabhängig von der Sonnenexposition oder Kalziumversorgung, zwei entscheidenden Faktoren des Vitamin D-Spiegels. Die Wahrscheinlichkeit, unter der Rheumatherapie symptomfrei zu werden, scheint bei Vitamin D-Mangel geringer zu sein.

Daher rieten Experten beim europäischen Rheumatologenkongress Patienten dazu, ihre Vitamin D-Spiegel messen zu lassen. Besteht ein Mangel, sollte großzügig substituiert werden. Allerdings sollte dies in Absprache mit dem Arzt erfolgen, um die richtige Dosis gemeinsam zu ermitteln. In vielen Fällen wird es laut Professor Adami, Verona, erforderlich sein „erst mit einer hoch dosierten Substitution den Tank zu füllen und dann die täglich benötigte Menge nachzufüllen.“ Konkret heißt das, dass beispielsweise für fünf bis zehn aufeinander folgende Tage 10.000 I.E. Vitamin D gegeben werden. Anschließend kann dann mit einer Dosis von täglich 1000 bis 2000 I.E. der normale Spiegel aufrechterhalten werden.


Quelle: Kongress der European League Against Rheumatism (EULAR), Rom, 2010: Kelly C. et al.: Vitamin D Levels In A Spectrum Of Rheumatic Disease; Abstract FRI0509; Idolazzi L. et al.: Vitamin D Deficiency In Rheumatic Arthritis: Prevalence, Determinants And Associacions With Disease Activity. A Cross Sectional Study; Abstract SAT0093; Sainaghi P.P. et al.: Response To Vitamin D Supplementation In Inflammatory Autoimmune Diseases: A Retrospective Study; Abstract SAT0506; Von Essen M. et al.: Vitamin D controls T cell antigen receptor signaling and activation of human T cells. Nature Immunology 11 (2010), S. 344-349, Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1038/ni.1851
Autor: Dr. Wiebke Kathmann
Stand: Jul 2, 2010


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