Leben mit Rheuma
Von Liebe, Leid und erfüllter Partnerschaft
Eine erfüllte Beziehung und Sexualität sind die große Sehnsucht, aber auch Herausforderung für die meisten Menschen. Kommen körperliche Einschränkungen und Schmerzen hinzu, wird es nicht leichter mit der Lust. So verwundert es nicht, dass jeder dritte Patient mit rheumatoider Arthritis mit seinem Sexualleben nicht zufrieden ist. Trotzdem: Eine erfüllte Sexualität ist möglich.
Erstaunlicherweise gibt es kaum Untersuchungen zum Einfluss der rheumatoiden Arthritis (RA) auf das sexuelle Leben von Betroffenen. Erstaunlich deshalb, weil die RA eine nicht gerade seltene Erkrankung ist und in der Mehrzahl der Fälle in der Lebensmitte auftritt, wenn Betroffene sexuell aktiv sind. Wird die RA zu diesem Zeitpunkt diagnostiziert, stellt dies oftmals eine große Herausforderung für eine bestehende Partnerschaft dar. Ängste, wie sich Beziehung und Intimleben verändern, steigen auf. Weder die Zufriedenheit mit dem Sex, noch die Frequenz müssen aber notwendigerweise unter der RA leiden. Erst wenn Fatigue, Schmerzen und Behinderungen hinzukommen, geht dies auf Kosten der Lust, und zwar bei beiden Geschlechtern.
Potentielle Störfaktoren
Wie eine Untersuchung der dänischen Rheumatologin Dr. Karen Faarvang, Gentofte, zeigt, gibt es einige potentielle Störgrößen für ein erfülltes Sexleben von Patienten mit RA. Partner der meist weiblichen Patienten haben oftmals Angst davor, ihren Partnerinnen beim Sex Schmerzen zuzufügen und vermeiden daher sexuelle Avancen. Umgekehrt kann die Libido der betroffenen Frauen leiden. Hinzu kommt, dass durch die Gelenkschmerzen die Bildung von Vaginalsekret eingeschränkt sein kann, was bei der Frau zu Schmerzen, beim Mann zu Erektionsstörungen führen kann – der Frust ist vorprogrammiert. Darüber hinaus kann Frust auch daraus erwachsen, dass die Zahl der möglichen Stellungen eingeschränkt ist. Denn je nach Krankheitsstadium können körperliche Schwäche, geringe Muskelkraft und Gelenkschmerzen bzw. -deformationen Grenzen setzen. Schließlich können Selbstbild und Selbstwertgefühl unter den krankheitsbedingten Veränderungen leiden und die Spontaneität reduzieren, was der Erotik Abbruch tut. Soweit die möglichen Hürden. Aber es gibt Möglichkeiten, dem zu begegnen.
Körper als Quelle der Lust
Beispielsweise kann die rechtzeitige Einnahme von Schmerzmitteln 30-60 min vor dem Akt dazu beitragen, den Körper als Quelle der Lust und nicht der Schmerzen zu erleben. Es kann sinnvoll sein, die Schäferstündchen für die beste Zeit des Tages einzuplanen, wenn Beweglichkeit und Schmerzen am geringsten sind. Unter diesem Gesichtpunkt sollten auch die Stellungen ausgewählt und auf die primär betroffenen Gelenke Rücksicht genommen werden. Kissen zur Unterstützung können Wunder wirken. Sind die Einschränkungen sehr ausgeprägt, könne mit anderen Formen der Lust wie Oralsex oder Masturbation experimentiert werden, riet die Rheumatologin.Die Scheu, den Arzt zu fragen oder offen mit dem Partner über die sich im Krankheitsverlauf wandelnden Bedürfnisse zu sprechen, ist fehl am Platz.
Die gute Botschaft
Immerhin ein Drittel der RA-Patienten in einer norwegischen Studie gaben an, dass ihre sexuelle Aktivität nicht eingeschränkt war – obwohl sie im Schnitt seit mehr als zehn Jahren krank und im Durchschnitt knapp 60 Jahre alt waren. Weitere knapp 40 Prozent hatten geringe Einschränkungen, bei jedem Fünften waren sie nennenswert; für 7 Prozent war Sex unmöglich. Über Auswirkungen der RA auf das Intimleben klagten vor allem Männer, jüngere Patienten, jene mit stärker ausgeprägtem Fatigue, depressiver Stimmung bzw. funktioneller Einschränkung.




