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Interview

Schmerzen: zermürbender Begleiter von Rheuma

Schmerzen gehören zu den täglichen Herausforderungen des Patienten mit entzündlichem Rheuma. Sie haben viele Qualitäten und wandeln sich im Krankheitsverlauf. Daher bedarf es einer differenzierten Therapie – wie, erfahren Sie im Interview mit Dr. Sylvia Meske.

Special Rheuma: Frau Dr. Meske, ein wesentliches Merkmal entzündlich-rheumatischer Erkrankungen sind Schmerzen. Welche Therapieoptionen gibt es und wie werden sie gestaffelt eingesetzt?
Frau Dr. Meske: Bereits für die entzündungshemmende Therapie werden schmerzstillende Medikamente eingesetzt; das sind zum einen die Nicht Steroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac oder Ibuprofen, zum anderen die Cox-2-Hemmer wie Celecoxib oder Etoricoxib sowie die Kortikoide wie Prednison. Sie alle gehören nach dem Stufenschema der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Stufe I der Schmerztherapie. Reicht der Effekt nicht aus, sollten nicht zwei NSAR oder ein NSAR mit einem Cox 2-Hemmer kombiniert werden, da dies keine bessere Schmerzlinderung bringt, sondern das Nebenwirkungsrisiko erhöht. Cox-2 Hemmer und NSAR sind aber gut mit Kortikoiden kombinierbar. Es ist außerdem möglich, zusätzlich die WHO Stufe I - Medikamente Paracetamol oder Novaminsulfon zu geben, bei Muskelverspannung auch Muskelrelaxantien wie Tetrazepam oder Tolperison.

Special Rheuma: Wann kann eine zusätzliche Schmerztherapie angezeigt sein und was empfehlen Sie dann?
Frau Dr. Meske: Klagt der Patient weiterhin über Schmerzen, können Medikamente der WHO Stufe II ergänzt werden; das sind Opioide (opiatähnliche Wirkstoffe) der Klasse I wie Tilidin oder Tramadol, die nicht Betäubungsmittelrezept (BTM)- pflichtig sind. Auch Flupirtin, welches die Schmerzübertragung hemmt, oder Antidepressiva mit Schmerz-unterdrückender Eigenschaft, wie Amitryptilin oder Duloxetin, können dazu beitragen, die Therapie zu optimieren. Bleibt der Schmerz weiterhin problematisch, sind BTM-pflichtige Opioide der Klasse II wie Morphinsulphat, Oxicodonhydrochlorid oder Fentanyl angezeigt.
Generell ist Schmerz subjektiv; daher ist die Schmerztherapie dem individuellen Bedürfnis anzupassen. Darüber hinaus muss sie auf Medikamente, die der Patient bereits einnimmt, abgestimmt werden. Andernfalls kann es zu Wechselwirkungen mit lebensnotwendigen Medikamenten wie Herz-Kreislaufmedikamenten kommen bzw. sich die Organfunktion verschlechtern. Um Nebenwirkungen zu vermeiden, sollte mit einer niedrigen Dosis begonnen und diese dann langsam gesteigert werden. Im Sinne einer besseren Verträglichkeit kann es notwendig sein, zusätzlich Begleittherapien einzunehmen, bei Opioiden eventuell gegen Übelkeit oder Verstopfung, bei Kortikoiden, NSAR und eventuell Cox-2 Hemmern in Form eines Magenschleimhautschutzes.

Special Rheuma: Ist die Gewöhnung an Opioide eine begründete Sorge?
Frau Dr. Meske: Manchmal besteht die Notwendigkeit der Dosissteigerung, da es im Laufe der Zeit zu Stoffwechselanpassungen und einem schnelleren Abbau kommt. Retardierte Opioide erzeugen aber keine Sucht, da das „Kickerlebnis“ fehlt. Anders bei rasch anflutenden Tropfen; sie können eine Sucht erzeugen. Daher wird eine kontinuierliche Dauertherapie und keine Bedarfsmedikation angestrebt. Ein Phänomen, das auftreten kann, ist die Gewöhnung; daher ist es bei Opioiden wichtig, die Dosis langsam zu reduzieren, um z.B. Unruhezustände zu vermeiden.

Special Rheuma: Welchen Stellenwert haben physikalisch-therapeutische Methoden, Akupunktur oder auch Entspannungsmethoden/Verhaltenstherapie?
Frau Dr. Meske: Physikalische Therapie, Akupunktur und psychologische Schmerzbewältigungsverfahren sind wertvolle Therapieoptionen. Sie können die Schmerzen und auch die Schmerzempfindlichkeit deutlich und anhaltend reduzieren und somit dazu beitragen, Schmerzmedikamente einzusparen.

Special Rheuma: Frau Dr. Meske, wir danken für das Gespräch.


Quelle: Nach einem Gespräch mit Dr. Sylvia Meske
Autor: Dr. med. Wiebke Kathmann
Stand: Oct 20, 2009


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