
Krankheitsbewältigung
Depression kann bei der frühen Arthritis eine Folge der Schmerzen sein
Schmerzen belasten das seelische Wohlbefinden meist erheblich. Ein Zusammenhang, der bei entzündlichem Rheuma offenbar bereits sehr früh nachweisbar ist.
Das ergab eine sorgfältig durchgeführte wissenschaftliche Studie kanadischer Forscher des Jewish General Hospital in Quebec.
An dieser Studie hatten 180 Patienten mit früher Arthritis teilgenommen. Alle Teilnehmer wurden sechs Monate nach der Erstuntersuchung erneut untersucht. Erfasst wurde dabei jeweils:
- die Anzahl der geschwollenen Gelenke
- das Ausmaß möglicher depressiver Beschwerden
- das Schmerzerleben bzw. die Schmerzbelastung
Die Ergebnisse dieser Untersuchung überraschten die teilnehmenden Forscher durchaus. Demnach sind Schmerz und Depression besonders zu Beginn der rheumatischen Erkrankung eng miteinander verknüpft. Im weiteren Verlauf sind Schmerzen, geschwollene Gelenke und depressive Beschwerden dann aber bei den meisten Teilnehmern rückläufig.
Allerdings ist bei Patienten mit ausgeprägter Depression auch nach sechs Monaten mit einer ausgeprägteren Schmerzbelastung zu rechnen als bei "nichtdepressiven" Patienten.
Anhand des Faktors Depression ließ sich sogar der zu erwartende Verlauf der Schmerzbelastung weitgehend vorhersagen. Der Nutzen dieser Erkenntnis bleibt jedoch fraglich. Denn die Untersucher beschreiben gleichzeitig eine wechselseitige Beeinflussung von Schmerz und Depression.
Was war zuerst, der Schmerz oder die Depression? Eine Sprecherin der gemeinnützigen britischen Organisation "Arthritis Research Campaign" betrachtet die Depression eher als eine Folge der rheumatischen Erkrankung. Sie betont, dass bei frisch diagnostizierten Rheumapatienten das Vorhandensein von depressiven Beschwerden nicht erstaunlich sei, schließlich handele es sich um eine schmerzhafte und schwerwiegende chronische Erkrankung. Ebenso sei zu erwarten, dass die Depression nachlasse, sobald - im weiteren Verlauf der Erkrankung - die Wirkung der antirheumatischen Therapie einsetze.
Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass auch die ursprünglich beteiligten Forscher weitere Studien fordern. Diese sollten die Beziehung zwischen Schmerzen und Depression weiter klären. Eine wichtige Frage sei zudem, wie Patienten mit früher Arthritis und ausgeprägter Depression möglichst schnell und umfassend geholfen werden kann.




