Krankheitsbewältigung
Hilfsmittel bewahren Rheumatikern Selbstständigkeit
Eine Rheumaerkrankung verlangt einen angepassten Tagesablauf. Zu Hause, aber auch im Beruf müssen Aufgaben neu verteilt werden. Zudem gibt es eine Vielzahl von Geräten und Mitteln, die Rheumatikern ein eigenständiges Leben erleichtern. Spezielle Schulungen vermitteln Wissen und Ratschläge für den Alltag.
Menschen mit rheumatischen Beschwerden müssen ihren Alltag neu organisieren. Um Belastungen einzudämmen und Überforderung zu vermeiden, sind Aufgaben umzuverteilen und der Tagesablauf angemessen zu gestalten. Am besten ist es, gemeinsam mit Partner und Familie zu überlegen, wer welche häuslichen Pflichten übernehmen kann. Die Ergebnisse der Familienkonferenz ruhig niederschreiben und für alle sichtbar aufhängen! Das Gleiche sollte ein Rheumatiker auch für seine beruflichen Aufgaben machen: Was muss sich am Arbeitsplatz ab sofort ändern? Welche Tätigkeiten müssen delegiert oder an Kollegen abgegeben werden? Mit dieser Liste dann am besten zum Chef gehen und ihm die neue Situation erklären.
Die Liste von Hilfsmitteln für Rheumatiker ist lang
Es gibt eine Reihe von Hilfsmitteln, die Rheumakranken das Leben erleichtern. Fürs Büro sind das z.B. Keilkissen für den Schreibtischstuhl, die die Lendenwirbelsäule entlasten, oder Stiftverstärker, mit denen sich Kugelschreiber und Bleistifte besser halten lassen. Manchmal helfen auch einfach dicke Stifte, damit ein Rheumatiker ohne erhöhten Kraftaufwand schreiben kann. Zu Hause erhält beispielsweise griffiges Besteck die Selbstständigkeit beim Essen. Ein Stehstuhl oder ein Badewannensitz erleichtert die Körperpflege. Anziehhilfen für Slips, Hosen und Socken vereinfachen das Ankleiden und elastische Spiralschnürsenkel lassen sich bequem straffen oder lockern. Für die Hausarbeit gibt es spezielle, ergonomisch geformte Küchenmesser, Schraubverschlussöffner, Griffverdickungen, Wischer mit Teleskopstil und vieles mehr. Zudem ersparen Sodabereiter das Schleppen von Wasserkisten und Taschen auf Rädern, so genannte Trolleys, machen Einkaufen unkompliziert.
Mobiliar und bauliche Veränderungen prüfen
Ein Rheumatiker sollte auch überlegen, was in seiner Wohnung geändert werden muss, damit er möglichst viele Dinge alleine erledigen kann. Sind die Möbel hoch und breit genug? Ist die Küche rheumagerecht eingerichtet? Muss ein spezielles Bett angeschafft werden? Was ist im Bad umzubauen? Ist der Einbau eines Aufzugs möglich? Die Liste möglicher Anpassungen ist lang - und je nach rheumatischer Erkrankung sehr unterschiedlich. Viele Hilfsmittel kann der behandelnde Arzt verordnen. Welche Kosten Krankenkassen übernehmen, variiert. Am besten ist es, vor einer Neuanschaffung nachfragen. Zudem können sich Patienten bei der Deutschen Rheuma-Liga beraten lassen. In vielen Fällen zahlen Krankenversicherungen auch die Ausbildung, ein Hilfsmittel richtig zu nutzen. Eine solche Einweisung sollte ein Rheumatiker auf jeden Fall wahrnehmen.
Rheuma-Liga veranstaltet Patientenschulungen
Die Deutsche Rheuma-Liga organisiert außerdem Schulungen für Patienten, in denen Experten sie nicht nur über Krankheitsbilder und Therapiemöglichkeiten unterrichten, sondern auch vermitteln, wie Rheumakranke mit Handicaps umgehen und ihren Alltag managen können. Diese Kurse sind speziell auf einzelne rheumatische Erkrankungen wie die rheumatoide Arthritis (chronische Polyarthritis), Morbus Bechterew (ankylosierende Spondylitis) oder Fibromyalgie zugeschnitten.
Hilfe zur Selbsthilfe in der Gruppe
Im Alltag fällt es Rheumatikern nicht immer leicht, sich zu ermutigen. Selbsthilfegruppen sind hier eine große Stütze. Patienten können sich gegenseitig motivieren, um Rat fragen oder aus den Erlebnissen anderer lernen. Manche scheuen dennoch vor Selbsthilfegruppen zurück, fürchten etwa, dass das Thema "Rheuma" hochgeschaukelt wird. Dem stehen positive Erfahrungen gegenüber: Mitglieder von Selbsthilfegruppen kommen mit ihrem Krankheit deutlich besser zurecht als andere Rheumatiker. Eine geeignete Gruppe finden Patienten z.B. durch den Bundesverband der Deutschen Rheuma-Liga. Oft können auch die behandelnden Ärzte und Therapeuten weiterhelfen.
[1] Zeidler, Zacher, Hiepe (Hrsg.): Interdisziplinäre Rheumatologie, Innere Medizin, Orthopädie, Immunologie, Springer Verlag 2001,
[2] Dr. Gabriele Brieden: Rheuma - Lernen mit der Krankheit gut zu leben; Springer Verlag
[3] Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e.V.: Gelenkschutz im Alltag




