Rheuma-Medikamente während der Schwangerschaft?
So viel wie nötig, so wenig wie möglich.
Viele antirheumatische Medikamente werden während der Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen, weil es entweder zu wenig Erfahrungen mit diesen Substanzen gibt, oder aber nachgewiesene Risiken für das ungeborene Leben drohen. Allerdings kann bei weitem nicht jede Schwangere mit einer rheumatischen Erkrankung vollständig auf ihre Medikamente verzichten. Bei rechtzeitiger Planung ist eine ausreichenden Behandlung der Mutter in Verbindung mit dem Schutz des werdenden Lebens jedoch meistens möglich.
Während der Schwangerschaft kommt es zwar bei einem Großteil der Patientinnen mit einer rheumatoiden Arthritis zu einer Besserung der Symptomatik. Andere entzündlich-rheumatischen Erkrankungen (ankylosierende Spondylitis, systemischer Lupus erythematodes) bleiben aber eher aktiv oder verschlechtern sich sogar. Daher können nicht alle Frauen völlig auf ihre Medikamente verzichten, wenn sie schwanger werden.
Wie die Rheumaexpertin Prof. Dr. Monika Østensen, Universitätsklinik Bern, betont, sollte die Schwangerschaft bei Frauen mit Rheuma generell möglichst in einer stabilen Phase ohne Beschwerden stattfinden. Da es nach ihren Angaben hinsichtlich der schmerzlindernden, so genannten selektiven Cox-2-Hemmer (Coxibe) bislang zu wenig Daten gibt, sollten diese vor einer Schwangerschaft abgesetzt werden. Klassische NSAR wie Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen können hingegen bis zur 32. Schwangerschaftswoche weiter eingenommen werden. Eine Behandlung von Gelenkentzündungen und -schmerzen mittels oraler oder intraartikulärer Kortisongabe ist hingegen - mit gewissen Einschränkungen hinsichtlich der Dosishöhe - während des gesamten Schwangerschaftszeitraumes möglich.
Die Basistherapeutika Sulfasalazin, Antimalaria-Mittel, Cyclosporin und Azathioprin können lt. Østensen während der Schwangerschaft weiter eingenommen werden - bei Sulfasalazin empfehle sich aber die Kombination mit Folsäure. Da das Antirheumatikum Methotrexat hingegen eine schädigende Wirkung auf den Fetus hat und nur langsam abgebaut wird, muss es drei Monate vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt werden. Noch länger, nämlich bis zu zwei Jahre verbleibt das Basistherapeutikum Leflunomid im menschlichen Körper. Obwohl die Datenlage hier noch sehr spärlich sei, im Tierversuch aber Missbildungen beobachtet wurden, empfiehlt sich deshalb auch bei dieser Substanz bei Kinderwunsch ein rechtzeitiges Ab- bzw. Umsetzen der Medikation. Durch Anwendung spezieller Auswaschverfahren kann man beim Leflunomid die lange Wartezeit bis zur Realisierung eines Schwangerschaftswunsches allerdings unter Umständen verkürzen.
Hinsichtlich der Substanzgruppe der TNF-alpha-Blocker gab es zwar bislang - etwa 170 dokumentierte Schwangerschaften - kein Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für Missbildungen oder andere Komplikationen beim werdenden Kind, dennoch hält Østensen die vorliegenden wissenschaftlichen Daten noch für unzureichend, so dass sie einen Verzicht auf die Substanzen während der Schwangerschaft für ratsam erachtet.
Während der Stillzeit können laut Østensen Sulfasalazin und Anti-Malariamittel ohne Bedenken eingenommen werden. Auch eine Behandlung mit Prednison ist beim Stillen möglich. Von anderen Antirheumatika hingegen, wie TNF-alpha-Blockern, Methotrexat, Leflunomid und Cyclosporin, rät sie ab, weil diese entweder nicht ausreichend untersucht sind oder in die Muttermilch übergehen und ihre Wirkung auf das Kind entweder schädlich oder noch nicht erforscht ist.
Generell lautet die Strategie von Østensen zur Behandlung von rheumakranken Frauen während der Schwangerschaft und Stillzeit: "So wenig Medikamente wie möglich, aber so viele wie nötig." Zudem empfiehlt sie, während der Stillzeit die Medikamente unmittelbar vor oder nach dem Stillen einzunehmen.




