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Morbus Bechterew: Spondylitis ankylosans und Schwangerschaft

Schwangerschaft sorgfältig planen

Zu den Spondyloarthritiden zählen neben der reaktiven Arthritis, Arthritiden bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, die Psoriasis-Arthritis und der Morbus Bechterew. Da der Erkrankungsbeginn der Spondyloarthritiden (SpA) in der Regel zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr liegt, fällt er für Frauen in eine Zeit, in der sie sich über Familienplanung Gedanken machen. Neuere Erkenntnisse über den Einfluss von Schwangerschaften auf eine bestehende Spondyloarthritis, ebenso wie der Einfluss einer solchen Erkrankung auf den Verlauf einer Schwangerschaft gibt es vorerst allerdings nur für die Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew).

Zum Zusammenhang von Spondylitis ankylosans (AS) und Schwangerschaft liegt nach Angaben von zwei renommierten Expertinnen eine Studie mit knapp 650 erkrankten Frauen vor, die im Untersuchungszeitraum mehr als 1.500 Schwangerschaften ausgetragen haben. Nach den Ergebnissen dieser Studie ist die Fruchtbarkeit durch die Spondylitis ankylosans nicht beeinträchtigt.

Wie die niedergelassene Rheumaexpertin Prof. Dr. Erika Gromnica-Ihle aus Berlin und ihre Kollegin Prof. Dr. Monika Østensen vom Inselspital Bern, Schweiz, in einem Übersichtsartikel fortführen, trat bei 50-60 Prozent der Frauen mit AS während der Schwangerschaft keine wesentliche Veränderung der Krankheitsaktivität ein. In der Regel blieb die AS vor allem im ersten und zweiten Schwangerschaftsdrittel behandlungsbedürftig. Um die 20. Schwangerschaftswoche kam es, insbesondere bei Frauen mit einer wirbelsäulenfernen Gelenkbeteiligung, typischerweise zu einer akuten Verschlechterung, so dass dann oft eine Kombinationsbehandlung mit nicht-steroidalen Antirheumatika und Schmerzmitteln notwendig wurde. Meist war diese Phase allerdings vorübergehend und häufig trat im letzten Drittel der Schwangerschaft eine Besserung der Beschwerden ein. Ein negativer Einfluss der mütterlichen Erkrankung auf die Gesundheit des Fetus konnte nicht nachgewiesen werden.

In der Zeit bis sechs Monate nach der Entbindung nahm bei etwa der Hälfte der Frauen die Krankheitsaktivität zu. Hierauf hatte weder die Dauer des Stillens noch das Wiedereinsetzen der Regelblutung einen Einfluss. Von der Verschlechterung waren vor allem die Frauen betroffen, die zum Zeitpunkt der Empfängnis eine erhöhte Krankheitsaktivität hatten. Im Laufe des Jahres nach der Entbindung pendelte sich die Krankheitsaktivität im Allgemeinen wieder auf den Stand vor der Schwangerschaft ein.

In der Studie war während der Schwangerschaft bei 2,8 Prozent der AS-Patientinnen eine Gestose aufgetreten, die mit krankhaften Veränderungen des Stoffwechsels einhergeht. Ein Kaiserschnitt musste bei 11-28 Prozent der Frauen durchgeführt werden, Gromnica-Ihle und Østensen führen etwa die Hälfte auf die AS zurück. Da die Kenntnis der konkreten anatomischen Verhältnisse ärztliche Entscheidungen (z.B. vaginale oder Schnittenbindung) während des Geburtsvorganges erleichtere, empfehlen beide, vor einer geplanten Schwangerschaft eine Röntgenaufnahme des Beckens und der Lendenwirbelsäule anzufertigen.

Im Gegensatz zur Spondylitis ankylosans liegen für die enteropathische Spondyloarthritis und die Psoriasis Arthritis nur wenige und für andere Spondyloarthritiden keine wissenschaftlichen Daten zur Schwangerschaft vor. Gromnica-Ihle und Østensen betonen abschließend, dass bei Rheuma-Patientinnen eine Schwangerschaft in jedem Fall eine Risikoschwangerschaft darstellt, die eine enge Zusammenarbeit zwischen Rheumatologen und Geburtshelfern erforderlich macht.


Quelle: Nach Informationen der Zeitschrift für Rheumatologie, 2006.
Autor: Springer Medizin
Stand: Jan 14, 2009


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