Arbeitsleben
Belastung durch muskuloskeletale Erkrankungen unterschätzt
Rheumatische Erkrankungen haben weitreichende Folgen für den Einzelnen sowie die Gesellschaft. Die Studie „Fit For Work“ sieht dringenden Handlungsbedarf auf allen Ebenen.
Wie auch andere europäische Länder sieht sich Deutschland mit einer Überalterung der Gesellschaft und damit einem steigenden Altersdurchschnitt der Erwerbstätigen konfrontiert. Daher ist es wichtig, sich mit der Gesundheit dieser Beschäftigungsgruppe auseinanderzusetzen. Genau dazu regt das Projekt Fit For Work, dass sich als Teil eines breit angelegten Programms sich in 24 europäischen und nicht-europäischen Ländern mit arbeitsrelevanten Aspekten befasst.
Der Fokus des Studienprojekts richtete sich auf den Einfluss von Erkrankungen des Bewegungsapparates (sogenannten muskulosketeralen Erkrankungen) auf das Arbeitsleben tausender österreichischer Arbeitnehmer. Neben der Qualität der bestehenden Behandlungsmöglichkeiten und den Auswirkungen der Erkrankung auf den Arbeitsalltag prüften die Autoren der Studie, wie sich der menschliche und finanzielle Aufwand im Detail gestaltet und wie es um das allgemeine Verständnis von Rheuma unter Arbeitgebern und Ärzten bestellt ist.
Erkrankungen des Bewegungsapparates belasten Tausende
Krankheiten des Bewegungsapparates haben einen schwerwiegenden Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eines Menschen. Die Zahlen beweisen dies: Ganze 40 Prozent der Arbeitsausfälle gehen in Österreich auf chronische oder akute Erkrankungen des Rückens und der Extremitäten zurück. In den meisten europäischen Ländern zählen entsprechende Beschwerden außerdem zu den häufigsten Ursachen für Frühpensionierungen.
Mit 24 Prozent als die häufigste Beschwerde unter Arbeitstätigen sind arbeitsbedingte Rückenschmerzen angegeben. Auf dem zweiten Platz landen Muskelschmerzen im Nacken und im Schulterbereich sowie Erkrankungen der oberen Extremitäten. Rheumatoide Arthritis (RA) ist die häufigste entzündliche Erkrankung der Gelenke. Etwa 800.000 Deutsche sind von der Erkrankung betroffen.
Chancen und Risiken von Erwerbstätigkeit
Weniger eindeutig gestaltet sich die Aussage über den Einfluss von Arbeitstätigkeit auf den Verlauf von Krankheiten des Bewegungsapparates. Die Arbeit kann Beschwerden verursachen, aber auch zu ihrer Genesung beitragen.
Die Autoren der Studie wissen zu berichten, dass Menschen, die trotz einer rheumatischen Erkrankung in die Erwerbstätigkeit zurückkehren, gute Aussichten auf eine Verbesserung ihres Gesundheitszustandes haben. Oder andersherum: Arbeitslosigkeit kann die Genesung verzögern und chronische Leiden begünstigen. Um so wichtiger ist es also für Ärzte und Arbeitgeber, den Fokus nicht darauf zu lenken, Erkrankte so schnell wie möglich in die Frührente zu schicken, sondern ihnen einen raschen Wiedereinstieg ins Arbeitsleben zu ermöglichen.
Der Wiedereinstieg ins Berufsleben als großes Ziel
Der Schlüssel zur Verbesserung des Arbeitslebens von erkrankten Erwerbstätigen ist die Zusammenarbeit von Betriebsärzten, Hausärzten und Arbeitgebern. Eine frühzeitige Therapie erleichtert die Rehabilitation und kann die Rate krankheitsbedingter Fehlzeiten reduzieren. Viele der Betroffenen können nach ihrem Wiedereinstieg ins Berufsleben nach wie vor einen großen Beitrag leisten. Dazu ist es entgegen weit verbreiteter Ansicht nicht nötig, dass sie vollständig genesen sind. Arbeitgeber sollten Arbeitstätige nach Krankheitsfällen sinnvolle Aufgaben übertragen, die ihnen dabei helfen, ihre volle Leistungsfähigkeit wiederzuerlangen. Verbesserte ergonomische Bedingungen und flexible Arbeitszeitenreglungen tragen ihren Teil zu einer Verbesserung der Arbeitsqualität bei. Mediziner wiederum sind gefragt, wenn es darum geht, biopsychosoziale Faktoren in die Diagnose und Behandlung der Patienten einzubeziehen.




