
Krankheitsbild
Wenn Rheuma auf die Stimme geht
Entzündliches Rheuma kann die Stimme und das Sprechen auf vielfältige Art und Weise beeinträchtigen. Aber wie häufig sind rheumabedingte Störungen der Stimmbildung im Alltag tatsächlich?
Entzündlich-rheumatische Erkrankungen wie die rheumatoide Arthritis (RA) können die Stimmbildung und das Sprechen auf vielfältige Art und Weise stören. Klinische Studien und Untersuchungen von Gewebeschnitten bereits verstorbener Patienten ergaben beispielsweise, dass bei 17 bis 70 Prozent aller RA-Patienten auch das für die Stimmbildung wichtige Krikoarythenoidgelenk von den Entzündunsvorgängen betroffen war. Dieses Gelenk besteht aus dem Ringknorpel (Krikoid) und den beiden Stellknorpeln (Cartilagines arytenoideae). Gleichzeitig sind beide Stellknorpel mit dem hinteren Ende der Stimmlippen verbunden. Durch die Bewegung der Stellknorpel kann deshalb die Stellung der Stimmlippen reguliert werden. Vorgänge, die sowohl bei der Atmung wie auch bei der Stimmbildung eine wichtige Rolle spielen. Kommt es daher zu einer Entzündung im Bereich des Krikoarythenoidgelenkes, kann dies zu Heiserkeit oder sogar zum völligen Verlust der Stimme führen. Weitere Ursachen für eine "gestörte" Stimmbildung können zudem u.a. Rheumaknoten im Bereich der Stimmbänder oder ein sekundäres (zusätzliches) Sjögren-Syndrom sein.
Neben Merkmalen wie Funktionsfähigkeit und Qualität hat die menschliche Stimme auch eine wichtige emotionale Bedeutung. Schließlich ist es nicht zuletzt der Klang unserer Stimme mit dem wir in Beziehung zu anderen Menschen treten. Eine mögliche Beeinträchtigung des hierfür zentral bedeutsamen Krikoarythenoidgelenkes durch die RA ist bereits seit etlichen Jahren durch mehrere Studien belegt. Umso erstaunlicher ist es, dass die Auswirkungen dieser Komplikation auf die stimmlichen Fähigkeiten der Betroffenen im Alltag bislang kaum untersucht sind.
Wissenschaftler des Kennedy Institute of Rheumatology und des Charing Cross Hospitals, London, wollten es jetzt genauer wissen. Sie untersuchten deshalb 73 RA-Patienten und eine gleich große Zahl von Patienten, die nicht an einer RA litten, auf Anzeichen und Auswirkungen einer möglichen Störung der Stimmbildung im täglichen Leben. Beide Patientengruppen beantworteten hierzu mehrere Fragebögen, zudem wurden die jeweiligen klinische Untersuchungsbefunde und Laborwerte berücksichtigt.
Demnach litten fünf Prozent der RA-Patienten, aber nur ein Prozent der Patienten aus der Vergleichsgruppe unter einer im Alltag bedeutsamen Störung der Stimmbildung. Bei den RA-Patienten ließ sich zudem ein deutlicher Zusammenhang zwischen Entzündungsaktivität, gemessen anhand des DAS-28, und stimmlicher Beeinträchtigung nachweisen. Dieser Befund überraschte die Wissenschaftler. War der Anteil betroffener Patienten doch niedriger als das bislang vorhandene Studienmaterial vermuten ließ. Einen Umstand, den die Forscher am ehesten auf die mittlerweile verbesserte medikamentöse Entzündungskontrolle bei RA-Patienten zurückführten.




