Krankheitsbild
Organbeteiligung bei der rheumatoiden Arthritis
Entzündungsprozesse in den Gelenken und Symptome wie ein allgemeines Krankheitsgefühl mit Müdigkeit, Leistungsminderung und Gewichtsverlust treten bei der rheumatoiden Arthritis häufig gemeinsam auf. Ebenso können gelenkferne Gewebe und Organe von der Erkrankung betroffen sein.
Im Spätstadium der Erkrankung ist die Beteiligung weiterer Organe nicht selten. Insbesondere für Patienten mit Rheumaknoten und Patienten mit positivem Rheumafaktornachweis ist das Risiko für eine solche "extraartikuläre" Organmanifestation erhöht. In Einzelfällen können Organmanifestationen jedoch auch als erstes Symptom der Erkrankung auftreten. Ähnlich unterschiedlich können auch die Folgen sein. "Extraartikuläre" Organmanifestationen verlaufen bei der Mehrzahl der Betroffenen ohne spürbare Symptome. Sie können jedoch gelegentlich auch mit ernsthaften Komplikationen verbunden sein. Die häufigste Ursache all dieser zusätzlichen Krankheitserscheinungen ist vermutlich eine immunkomplexvermittelte Entzündung, vorwiegend der kleinen Blutgefäße. Die Abgrenzung zu medikamentenbedingten Nebenwirkungen kann manchmal schwierig sein und erfordert eine sorgfältige ärztliche Diagnostik.
Gefäß- und Nervensystem
Durch die Entzündung der (kleinen) Blutgefäße kann es beispielsweise zu mitunter schmerzhaften Durchblutungsstörungen im Bereich der Finger kommen. Folge von Entzündung und Durchblutungsstörung können zudem auch die Ausbildung von Hautgeschwüren oder Schädigung von Nerven sein. Mögliche Folgen der Nervenschädigung sind dann Empfindungsstörungen (Kribbelmissempfindungen oder Taubheitsgefühle) oder Kraftminderungen (bis hin zu Lähmungen). Darüber hinaus werden Nerven bei der rheumatoiden Arthritis nicht selten auch direkt durch den Umbau entzündeter Gelenke und Gewebe und die daraus bedingte Kompression (Druck und Einengung) geschädigt. Als relativ häufiges Beispiel kann hier das Karpaltunnelsyndrom genannt werden: Hierbei wird der Nerv im Bereich der Handgelenksbeugeseite irritiert. Betroffene empfinden Kribbelmissempfindungen bis hin zu Schmerzen im Bereich des Daumens und Zeigefingers.
Störungen des Blutbildes
Meist entwickelt sich eine Anämie (Blutarmut): Diese kann sowohl Ausdruck der Entzündung, wie auch Nebenwirkung der Medikation sein. Je nach Ausmaß der Entzündungsaktivität kann es darüber hinaus zu einer Vermehrung von weißen Blutkörperchen und Blutplättchen kommen. Verminderungen der weißen Blutkörperchen hingegen sind seltener. Sie treten beispielsweise beim Felty-Syndrom (Sonderform der rheumatoiden Arthritis) auf oder als Folge der medikamentösen Beeinflussung des Immunsystems.
Herzbeutel, Brustfell
Die häufigste Form der Beteiligung von Herz oder Lunge ist die Entzündung des Herzbeutels (Perikarditis) bzw. des Brustfells (Pleuritis). Sowohl die Perikarditis, wie auch die Pleuritis können in ihrer Schwere sehr unterschiedlich verlaufen.
Seltenere Formen der Organbeteiligung können beispielsweise sein:
- Herzklappenbeteiligungen
- Entzündungen der Herzkranzgefäße oder des Herzmuskels
- Lungenfibrosen
- pulmonaler Hochdruck aufgrund einer Entzündung der Lungengefäße
Tränen- und Speicheldrüsen
Neben Tränen- und Speicheldrüsen können auch Drüsen des Magen-Darm-Traktes betroffen sein. Ursache für diese auch Sicca-Syndrom genannte Organbeteiligung ist eine sich schleichend entwickelnde und über einen längeren Zeitraum anhaltende Entzündung des Drüsengewebes. Symptome der dadurch verminderten Tränen- und Speichelproduktion sind: ständig brennende Augen verbunden mit einem anhaltenden Fremdkörpergefühl sowie Mundtrockenheit mit erschwertem Kauen und Trinken.
Weitere Organe
Eine Beteiligung der Augen sowie eine Beteiligung von Leber oder den Nieren ist gelegentlich möglich. In seltenen Fällen kann es zur Entwicklung von Rheumaknoten in den inneren Organen kommen.




