
Morbus Bechterew
Vorkommen und mögliche Ursachen
In Deutschland erkrankt etwa 1 % der Bevölkerung an einem M. Bechterew, allerdings wird die Erkrankung nicht bei allen Betroffenen erkannt. Erste Beschwerden, die auf eine Spondylitis ankylosans (M. Bechterew) hinweisen, treten meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf.
Männer sollen nach Lehrmeinung im Gegensatz zu Frauen etwa 2,5-mal häufiger betroffen sein. Eine Umfrage der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew e.V. zufolge gibt es aber wahrscheinlich etwa gleich viele männliche und weibliche Erkrankte.
Familienuntersuchungen zeigten, dass eine erbliche Veranlagung beim Erkrankungsausbruch eine Rolle spielt. Gibt es Familienangehörige mit einem Morbus Bechterew, liegt das Erkrankungsrisiko bei 5 bis 10 %. Ist ein eineiiger Zwilling betroffen, besteht (mit 67 %) ein deutlich höheres Risiko für das Zwillings-Geschwister, eine Spondylitis ankylosans zu entwickeln.
Welche Rolle spielt "HLA-B27"?
Bei vielen Bechterew-Patienten - Schätzungen gehen von 88-96 % aus - lässt sich "HLA-B27" nachweisen ("HLA-B27-positiv"). HLA ist die Abkürzung für Humanes Leukozytenantigen. Dabei handelt es sich um Eiweißstrukturen an Zelloberflächen. Deren Aufgabe besteht darin, Antigene (fremde oder körpereigene) so zu präsentieren, dass sie vom Abwehrsystem erkannt werden. In der Folge wird eine entsprechende Immunantwort ausgelöst. HLA-B27 scheint unter bestimmten Bedingungen Teile des Immunsystems (z.B. T-Zellen) anzuregen, gegen körpereigene Zellen vorzugehen. Es wird vermutet, dass die Interaktion des HLA-B27-Moleküls mit Bakterien dabei eine entscheidende Rolle spielt. Auf diesem Weg wird ein Entzündungsprozess angestoßen, z.B. in den Gelenken der Wirbelsäule und am Auge.
Wissenschaftler vermuten mittlerweile jedoch, dass noch weitere genetische Merkmale wie z.B. ARTS1 und IL23R bei der Krankheitsentwicklung eine Rolle spielen. Zusammen mit dem HLA-B27 sollen ARTS1 und IL23R etwa 70 Prozent aller Erkrankungen an Morbus-Bechterew erklären.




