Morbus Bechterew
Verlauf der Krankheit
Der Morbus Bechterew zeigt ein breit gefächertes Beschwerdebild: Bei manchen Patienten ist die Krankheit besonders schwer ausgeprägt, bei anderen verläuft sie eher mild. Frauen neigen beispielsweise zu milderen Verlaufsformen.
In 60-80 % der Fälle beginnt die Spondylitis ankylosans mit einer so genannten Sakroiliitis, also als Entzündung im Kreuzbein-Darmbein (Iliosakral)-Gelenk. Das Iliosakral-Gelenk bildet den Übergang zwischen Wirbelsäule und Becken. Deshalb sind die bevorzugt nachts auftretenden Rückenschmerzen zu Beginn fast immer tief sitzend. Diese für den Bechterew typische Schmerzform wird oft als "entzündlicher" Rückenschmerz beschrieben. Schmerzen wirbelsäulenferner Gelenke wie Hüft-, Knie- oder Sprunggelenke, die auch von den Sehnenansätzen ausgehen können, sind weitere mögliche Symptome. Kleinere Gelenke (Finger, Zehen) können ebenfalls befallen sein. Eine Beteiligung innerer Organe wie Herz, Lunge oder Nieren ist selten. Etwa 25-30 % der Patienten leiden unter einmaligen oder wiederholten Augenentzündungen.
Die Spondylitis ankylosans verläuft entweder schubweise mit unterschiedlich langen Phasen ohne Beschwerden oder chronisch fortschreitend.
Im Erkrankungsverlauf wird die Beweglichkeit der Wirbelsäule mehr oder weniger eingeschränkt. Ausgehend von der Sakroiliitis kann sich die Entzündung auf die Wirbelsäule ausbreiten. Je nach Krankheitsstadium sind die Beweglichkeit der Wirbelsäule und die Brustkorbatmung durch die zunehmende Versteifung der kleinen Wirbelgelenke mehr oder weniger stark beeinträchtigt. Dadurch kann eine Krümmung der Wirbelsäule nach vorne entstehen. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer kompletten Versteifung der Wirbelsäule. Die betroffenen Patienten sind dann nur noch eingeschränkt belastbar.
Der Krankheitsverlauf lässt sich in vier Phasen (Stadieneinteilung nach Mau und Zeidler) unterteilen:
1. Verdachtsstadium
In diesem Stadium herrschen Beschwerden wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme und erhöhte Temperaturen vor. Wesentlichstes Symptom ist der tief sitzende Kreuzschmerz.
2. Stadium mit radiologischem Nachweis der Sakroiliitis
In diesem Stadium ist die Entzündung mit bildgebenden Verfahren wie Röntgenaufnahmen und der Computertomografie (CT) nachweisbar. Zusätzlich zu den Kreuzschmerzen können Schmerzen in höher gelegenen Wirbelsäulenabschnitten (z.B. im Bereich der Brustwirbelsäule) auftreten.
3. Versteifendes Wirbelsäulenstadium
Neben den bereits bestehenden Beschwerden kommt es zu Bewegungseinschränkungen v.a. an der Wirbelsäule. Beginnend am Kreuzbein greift die Entzündung aufsteigend auf die Lendenwirbelsäule, die Brustwirbelsäule und die Halswirbelsäule über.
4. Spätstadium
Die Wirbelsäule ist versteift. Schmerzen, hervorgerufen durch die Entzündung an der Wirbelsäule, treten eher zurück. Muskelschmerzen, bedingt durch Gelenkverformungen in der Hüft- oder Brustregion, können für den Betroffenen immer belastender werden. Die Rückenmuskulatur bildet sich zurück. Brüche der Wirbelkörper sind möglich - Ursache ist eine oft schon im Verdachtsstadium einsetzende Osteoporose. (Knochenentkalkung)
Das Fortschreiten der Erkrankung, die Schmerzintensität und das Ausmaß der körperlichen Einschränkungen lassen sich durch eine gezielte Therapie deutlich beeinflussen Die Grundlage der Behandlung bilden moderne Medikamente, die sowohl den Entzündungsprozess hemmen als auch die Schmerzen lindern. Krankengymnastik und Bewegungstherapie sind unverzichtbare Maßnahmen zur Erhaltung der Wirbelsäulen-Beweglichkeit und Kräftigung der Rückenmuskulatur. So kann der Krankheitsverlauf frühzeitig und zielgerichtet individuell positiv beeinflusst werden.




