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Morbus Bechterew

Therapie - Eine Übersicht

Beim Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans) gab es bis vor kurzem noch keine Möglichkeit, das Krankheitsgeschehen ursächlich zu beeinflussen. Daher konnten bisher nur Symptome gelindert werden. Das hat sich nun mit der Entwicklung moderner biologischer Therapeutika erstmals geändert.

Der Morbus Bechterew ist nicht heilbar. Die Behandlung verfolgt das Ziel, Schmerzen zu reduzieren und die Beweglichkeit zu erhalten. Sie wird individuell auf die Situation des Patienten abgestimmt und erfordert die Kooperation verschiedener medizinischer Fachgruppen, denn: Das Therapiekonzept umfasst neben der Gabe von Medikamenten möglichst konsequente krankengymnastische Behandlungen, außerdem Ergo- und Sport- sowie physikalische Therapie (z.B. Wärme, Kälte, Ultraschall). Maßnahmen wie Patientenschulungen und Psychotherapie unterstützen den Behandlungserfolg. Zudem kann die Anpassung entsprechender Hilfsmittel sinnvoll sein. Für schwerere Erkrankungsformen, die auf dieses Behandlungskonzept nicht ansprechen, stehen auch operative Maßnahmen zur Verfügung.

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Bewegungstherapie

Ein wichtiger Pfeiler bei der Behandlung des Morbus Bechterew ist die regelmäßige Krankengymnastik. In Zusammenarbeit mit erfahrenen Therapeuten werden die Übungen dem Krankheitsstadium angepasst und können zur Besserung der klinischen Symptomatik führen. Sie helfen, die Beweglichkeit zu erhalten. Auch Ergo- und Sporttherapie - je nach Krankheitssymptomatik kommen bestimmte Sportarten wie Schwimmen in Frage - dienen der Verbesserung von Beweglichkeit und Erhaltung der Koordination.

Medikamentöse Therapie

Beim Morbus Bechterew sind nicht-steroidale Antirheumatika ("Kortison"-freie Entzündungshemmer) die Mittel der Wahl. Ihre gute Wirksamkeit im Vergleich zu einem Scheinmedikament konnte in mehreren Studien belegt werden. Aufgrund dieses guten Ansprechens spielen die NSAR auch in der Diagnose eine wichtige Rolle, weil sie bei chronischen Rückenschmerzen mit anderer, beispielsweise nicht-entzündlicher Ursache meist weniger effektiv sind. Allerdings können bei etwa 20 - 30 Prozent der Bechterew-Patienten typische Symptome wie Kreuz-, Rücken- und Nackenschmerzen, Müdigkeit oder Empfindlichkeit auf Berührung mit diesen Medikamenten auf Dauer nicht ausreichend kontrolliert werden. Daher stellt die Zulassung der modernen, krankheitskontrollierenden Antirheumatika Etanercept, Adalimumab und Infliximab für diese Erkrankung einen enormen Fortschritt dar. Denn diese "Biologics" ermöglichen - anders als alle anderen Medikamente - erstmals eine ursächliche Therapie. Sie blockieren TNF-alpha, einen entzündlichen Botenstoff, der eine wichtige Rolle beim Krankheitsgeschehen spielt.

Behandlung der Beschwerden am Rücken und der Wirbelsäule

Das Behandlungskonzept richtet sich beim Morbus Bechterew nach dem vorherrschenden Beschwerdebild. Bei einer Wirbelsäulensymptomatik stehen zunächst die nicht-steroidalen Antirheumatika im Mittelpunkt. Sie lindern Schmerz und Morgensteifigkeit häufig innerhalb kurzer Zeit. Falls ihre Wirksamkeit nicht ausreichend ist, kann die Gabe eines zusätzlichen Schmerzmittels hilfreich sein.

Eine weitere Therapiemöglichkeit stellt die Injektion von Glukokortikoiden im Bereich des schmerzenden Wirbelsäulenbereichs dar: Dabei wird eine Spritze mit der Substanz in den Gelenkspalt oder in die Nähe des Gelenkes verabreicht.

Führen konventionelle Behandlungsansätze über einen längeren Zeitraum nicht zum gewünschten Erfolg, kann eine Behandlung mit TNF-alpha-Blockern angezeigt sein. Untersuchungen belegen, dass Wirkstoffe wie Etanercept, Adalimumab und Infliximab Wirbelsäulenschmerzen, -beweglichkeit und -entzündung deutlich bessern können. Das konnte unabhängig von dem vorherrschenden Beschwerdebild gezeigt werden. Diese auch Biologics genannten Medikamente stellen deshalb bei schweren und aktiven Verlaufsformen des Morbus Bechterew eine wichtige Therapieoption dar.

Behandlung der Sehnenentzündung (Enthesitis)

Auch bei der Behandlung von Sehnenentzündungen (Enthesitis) stehen die nicht-steroidalen Antirheumatika im Vordergrund. Bei mangelnder Wirksamkeit können lokale Injektionen von Glukokortikoiden hilfreich sein. Sulfasalazin ist nur in Einzelfällen sinnvoll, weil auch bei diesem Beschwerdebild die Wirksamkeit nicht zweifelsfrei belegt werden konnte.

Erzielen diese Therapieansätze nicht den gewünschten Erfolg, stellen auch hier die TNF-alpha-Blocker eine gute Möglichkeit dar. Die starke antientzündliche Wirkung dieser Substanzen bei Enthesitiden wurde mittlerweile in mehreren Studien belegt.

Behandlung bei der Entzündung weiterer Gelenke (neben der Wirbelsäule)

Beim Morbus Bechterew können neben der Wirbelsäule auch Entzündungen an anderen Gelenken auftreten. Um eine Arthritis (Gelenkentzündung) zu bessern, kann die Behandlung mit einem nicht-steroidalen Antirheumatikum (NSAR) ausreichen.

Bei akuten Schüben, Befall von mehreren Gelenken oder wenn die nicht-steroidalen Antirheumatika keine ausreichende Wirksamkeit zeigen, können Glukkokortikoid-Injektionen (Kortison) direkt in das entzündete Gelenk in Betracht gezogen werden. Je nach Ausprägung und Verlauf der Gelenkentzündungen kann darüber hinaus eine Behandlung mit dem Basismedikament Sulfasalazin beziehungsweise mit TNF-alpha Blockern hilfreich sein.

Bitte beachten Sie, dass für die Angaben zu Medikamenten und Dosierungen keine Gewähr übernommen wird. Dieser Text erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Informationen stellen keine Empfehlung oder Bewerbung des genannten Präparates oder der Präparate und Substanzen dar. Die Informationen ersetzen nicht die fachliche Beratung durch einen Arzt oder Apotheker. Für konkrete und individuelle Fragen zur Therapie wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt.


Quelle: Köhler L et al: Spondylitis ankylosans; Fortschritte in der medikamentösen Therapie. Deutsches Ärzteblatt 2004;21:A1507-13.Zeidler, Zacher, Hiepe (Hrsg.): Interdisziplinäre klinische Rheumatologie, Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, 2001 und Song HI et al.: Benefits and Risks of Ankylosing Spondylitis Treatment with Nonsteroidal Antiinflammatory Drugs. Arthritis Rheum. 2008, 58(4):929-38
Autor: Springer Medizin
Stand: Jan 14, 2009


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