
Kinderrheuma
Ursachen
Die Ursachen der juvenilen idiopathischen Arthritis, der häufigsten Form von Kinderrheuma, sind bislang unbekannt. Erbfaktoren spielen zwar eine Rolle, doch es handelt sich nicht um eine "klassische" Erbkrankheit. Letztendlich tragen verschiedene Faktoren dazu bei, dass es zu einer Fehlsteuerung des Immunsystems kommt. Folge ist eine chronische Entzündung, die vor allem die Gelenke betrifft.
Bei der juvenilen idiopathischen Arthritis (JIA) gibt es verschiedene Typen, die nicht nur unterschiedliche Symptome zeigen und sich im Verlauf unterscheiden, sondern vermutlich - zumindest teilweise - auch bei den Ursachen. Bei der JIA spielt die genetische Bereitschaft (Disposition) eine wichtige Rolle. Sowohl die bisher identifizierten Gene als auch die jeweils bekannten Erkrankungsrisiken unterscheiden sich zum Teil bei den verschiedenen Typen dieser Erkrankung.
In einer Familie mit einem erkrankten Kind haben nach bisherigen Forschungsergebnissen Eltern und Geschwister ein erhöhtes Risiko, eine rheumatoide Arthritis bzw. eine juvenile idiophatische Arthritis zu entwickeln. Doch dieses Risiko liegt erheblich unter dem Risiko einer "klassischen" Erberkrankung. Mit anderen Worten: Bei keiner der JIA-Erkrankungsformen lässt sich nur ein klar abgrenzbares "Gen" nachweisen.
Es sind vielmehr mehrere genetische Faktoren beteiligt. Und selbst bei erblicher Vorbelastung müssen weitere Faktoren hinzukommen, damit die Erkrankung wirklich ausbricht - Mediziner sprechen von einer "multifaktoriellen" Krankheitsentstehung. Denn eine weitere wichtige Rolle spielen Umwelteinflüsse, die basierend auf dem erblichen Hintergrund zum Auftreten der Erkrankung beitragen.
Die genauen Krankheitsmechanismen sind zwar noch unklar, doch vermutlich liegt eine Fehlregulation des Immunsystems zu Grunde, die sich vor allem in den Gelenken bemerkbar macht. Der Auslöser dieser Fehlregulation ist bisher nicht bekannt. Diskutiert wird beispielsweise eine Infektion, die dazu führt, dass das Abwehrsystem fälschlicherweise körpereigene Strukturen als fremd erkennt und bekämpft. Daher gilt die juvenile idiopathische Arthritis als Autoimmunerkrankung. Ein bestimmter, krankheitsauslösender Infektionserreger wurde bisher jedoch noch nicht identifiziert.
Durch die Fehlregulation des Immunsystems sammeln sich Abwehrzellen wie "Fresszellen" (Makrophagen) oder T-Zellen in den Gelenken. Zudem werden entzündliche Botenstoffe - so genannte Zytokine - freigesetzt, die der Informationsübermittlung zwischen den Zellen dienen. Vor allem die Botenstoffe Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-alpha) und Interleukin-1 (IL-1) liegen im Überschuss vor, so dass sie in einem Aufschauklungsprozess dauerhaft Entzündungsreaktionen unterhalten und fördern.
Dadurch entzündet sich die Gelenkinnenhaut (medizinischer Name: Synovialitis). Die Gelenkhaut schwillt an und Flüssigkeit sammelt sich - ein Gelenkerguss entsteht. In der Folge kommt es zu den üblichen Schwellungen, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen des betroffenen Gelenks. Typisch ist auch eine Gelenksteifigkeit, die in der Regel nach einer längeren Ruhephase auftritt, typischerweise am Morgen nach dem Schlafen ("Morgensteifigkeit").
Ohne Behandlung können dauerhafte Schäden entstehen: Zum einen nimmt das Kind mit dem betroffenen Gelenk automatisch eine Schon- oder Ruhestellung zwischen Beugung und Streckung ein, in der die Schmerzen am geringsten sind. Durch das häufige Verharren in dieser Position und durch die mangelnde Bewegung kann es auf Dauer zur Verkürzung von Bändern und Sehnen und zum Muskelabbau kommen. Das wiederum schränkt die Beweglichkeit ein.
Darüber hinaus wird die Gelenkinnenhaut teilweise sehr dick und bildet aggressives Bindegewebe: Die freigesetzten entzündlichen Substanzen tragen dann zur Verformung oder Zerstörung des Gelenkknorpels und des Knochens bei. Zudem können sie das Wachstum des Gelenks beeinflussen. Schließlich ist auch eine Beteiligung von Organen wie Nieren, Augen und Herz möglich.




