shutterstock_51354_pillen

Kinderrheuma

Behandlung der juvenilen idiopathischen Arthritis

Die Möglichkeiten zur Behandlung der juvenilen idiopathischen Arthritis (JIA) sind in den letzten 10-15 Jahren erheblich gestiegen. So wurde beispielsweise im Jahr 2000 ein hochwirksames, modernes biologisches Therapeutikum für schwer erkrankte Kinder zugelassen. Durch ein konsequentes Anwenden der derzeit verfügbaren Therapieoption lässt sich bei der Mehrheit ein günstiger Verlauf der Krankheit erreichen.

Die Behandlung von Kindern mit Rheuma (JIA) muss sehr individuell auf die jeweilige Krankheitsform und den Verlauf sowie die persönliche Situation des Kindes und seiner Familie abgestimmt sein. Der Behandlungsplan setzt sich in der Regel aus einer umfassenden Aufklärung der Eltern, Krankengymnastik sowie medikamentöser Therapie zusammen. Daher erfordert es eine enge Kooperation verschiedener Spezialisten: u.a. Kinderarzt, kinderärztlichem Rheumatologen, Kinderorthopäden, Physio- und eventuell Ergotherapeuten sowie Augenarzt.

Die Behandlung verfolgt das Ziel, die Beschwerden zu lindern und Schäden an Gelenken oder Organen zu verhindern. Auf diese Weise soll sie sowohl dem erkrankten Kind als auch seiner Familie ein normales Leben ermöglichen und die Zeit bis zum Verschwinden der Erkrankung überbrücken. Um dieses Ziel zu erreichen, sollte die Therapie direkt nach Diagnosestellung durch den Arzt begonnen werden.

Medikamente spielen eine wichtige Rolle

Eine zentrale Rolle spielt die medikamentöse Therapie, bei der in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte erzielt werden konnten. Sie erfolgt heute nach einem Stufenplan, der sich für die verschiedenen Subtypen der juvenilen idiopathischen Arthritis unterscheidet. Die eingesetzten Wirkstoffe stammen in der Regel aus der "Erwachsenen-Rheumatologie" und gehören verschiedenen Substanzklassen an. Vor allem sind die so genannten Basismedikamente auf Grund fehlender Untersuchungen mit Kindern für die juvenile idiopathische Arthritis zum Teil bisher nicht gut erforscht und nicht zugelassen. Daher sollte die Behandlung von einem Kinder- und Jugendrheumatologen durchgeführt werden, der über entsprechende Erfahrungen verfügt.

Die Therapie beginnt zunächst mit nicht-steroidalen Antirheumatika ("kortisonfreie" Entzündungshemmer). Je nach Präparat lindern sie den Schmerz, senken teilweise das Fieber und wirken antientzündlich.

Bei schwereren Verläufen oder unzureichendem Ansprechen werden sie durch Substanzen ergänzt, welche die Entzündung effektiver unterdrücken. Zu ihnen gehören Glukokortikoide ("Kortison"), die in der Regel entweder in das Gelenk gespritzt oder als Tabletten eingenommen werden. Hinzu kommen die Basismedikamente, von denen Methotrexat das Mittel der Wahl darstellt. Auch (Hydroxy-)Chloroquin (Medikament gegen die Malaria) kann zum Einsatz kommen - beide Medikamente sind für die Behandlung der JIA zugelassen. Darüber hinaus werden teilweise Sulfasalazin, Ciclosporin A, Azathioprin und Leflunomid angewendet, die allerdings keine Zulassung für die JIA haben.

Für Kinder, bei denen eine Behandlung mit Methotrexat und/oder anderen langwirksamen Antirheumatika (Basismedikamenten) unzureichend anspricht, stehen zudem neue biologische Therapeutika zur Verfügung. Seit einigen Jahren hat als einziges Medikament der Gruppe der TNF-alpha-Blocker Etanercept eine Zulassung für die Behandlung eines bestimmten Typs der JIA. Etanercept greift sehr gezielt in den Krankheitsprozess ein und konnte in Untersuchungen bei schwer erkrankten Kindern eine lang anhaltende Besserung erzielen.

Therapie richtet sich nach der Art des Rheumas

Für die Wahl der Medikamente spielt der Subtyp der Erkrankung eine entscheidende Rolle. Bei Kindern mit einer Oligoarthritis oder einer Arthritis mit Enthesitis-Neigung ist beispielsweise in etwa zwei Drittel der Fälle eine Behandlung mit nicht-steroidalen Antirheumatika ausreichend. Ergänzend können Glukokortikoid-Injektionen in besonders betroffene Gelenke erfolgen. Basismedikamente werden nach Abwägung frühestens eingesetzt, wenn

  • die Erkrankung trotz einer derartigen Behandlung über sechs bis zwölf Monate nicht zur Ruhe kommt,
  • im Röntgenbild Gelenkschäden sichtbar werden, insbesondere das Hand- oder Hüftgelenk betroffen ist
  • oder
  • die Anzahl der betroffenen Gelenke auf fünf oder darüber steigt und
  • die Oligo- somit in eine Polyarthritis übergeht

Auch das Auftreten einer Entzündung der Regenbogenhaut des Auges kann ein Grund sein, die Basistherapie zu beginnen, beispielsweise wenn eine lokale Glukokortikoid-Behandlung (Augentropfen) nicht ausreichend wirkt.

Bei der Polyarthritis ist fast immer eine Therapie mit Basismedikamenten notwendig. Sie erfolgt in der Regel, wenn eine Behandlung mit nicht-steroidalen Antirheumatika über 6-8 Wochen nicht ausreichend wirkt. Dies gilt besonders für die Rheumafaktor-positive Erkrankungsform, weil sie relativ schnell mit Gelenkschäden einhergehen kann. Spricht die Behandlung mit Methotrexat nicht ausreichend an, ist bei der Polyarthritis die Behandlung mit Etanercept zugelassen.

Die systemische Arthritis erfordert schließlich neben den nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) sehr früh auch den Einsatz von Glukokortikoiden. Die Krankheitsverläufe sind sehr schwer und Schädigungen an Organen und Gelenken sowie Minderwuchs können die Folge sein. Da gleichzeitig die langfristige, hochdosierte Gabe von Glukokortikoiden bei Kindern zu ernst zu nehmenden Nebenwirkungen führen kann, erfolgt die Therapie in der Regel

  • niedrig dosiert
  • oder
  • als mehrmalige Kurzinfusionen in Akutsituationen

Glukokortikoide sollten nur so lange gegeben werden, bis die Wirkung von Basismedikamenten wie Methotrexat einsetzt.

Regelmäßige Kontrollen sind wichtig

Wie lange die Basistherapie fortgeführt werden sollte, ist nicht abschließend geklärt. Die meisten Kinderrheumatologen beenden sie (bei guter Verträglichkeit) frühestens ein bis zwei Jahre nach Eintritt eines Krankheitsstillstandes schrittweise, um ein Wiederauftreten der Arthritis zu vermeiden.

In der gesamten Zeit sind regelmäßige Kontrollen notwendig, damit zum einen eine mangelnde Verträglichkeit frühzeitig erkannt und zum anderen die Therapie bei fehlendem Ansprechen oder zunehmender Krankheitsaktivität entsprechend intensiviert werden kann. Da wichtige Medikamente wie Glukokortikoide und einige Basismedikamente das Immunsystem schwächen, sollten Kinder während einer derartigen Behandlung keine Impfungen mit Lebendimpfstoffen erhalten.

Bitte beachten Sie, dass für die Angaben zu Medikamenten und Dosierungen keine Gewähr übernommen wird. Dieser Text erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Informationen stellen keine Empfehlung oder Bewerbung des genannten Präparates oder der Präparate und Substanzen dar. Die Informationen ersetzen nicht die fachliche Beratung durch einen Arzt oder Apotheker. Für konkrete und individuelle Fragen zur Therapie wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt.


Autor: Springer Medizin
Stand: Sep 21, 2009


Sie lesen gerade:

Behandlung der juvenilen idiopathischen Arthritis

Seite empfehlen:
A A A

Testen Sie sich selbst!

25965202_fragezeichen

Selbsttest Rheuma

Haben Sie Rheuma? Nach fünf Fragen wissen Sie mehr!

zum Selbsttest

Rheuma Forum

paar_reif

Reden über Rheuma

Sie wollen erfahren, wie andere Rheuma-Patienten mit der Arthritis, einem Morbus Bechterew u.a. umgehen? Im Diskussionsforum können Sie sich austauschen.

Rheuma-Forum

LIFELINE Web-TV Rheuma

Rheuma früh erkennen

Rheuma - Was ist das? mehr
Rheuma früh behandeln mehr
Zum laufenden Programm

Special Gesunder Urlaub

nordic_walking_wandern_sport_frau

Urlaub mit Rheuma

Rheuma ist eine chronische Erkrankung, aber die Symptome können durch Wellnessprogramme und Kuren gemildert werden. Mehr im Special Gesunder Urlaub.

 mehr

Schuppenflechte

mann_hals

Special Psoriasis

Erfahren Sie mehr über Schuppenflechte, deren Diagnostik und Therapie: Im Special Psoriasis finden Sie Aktuelles, Tipps und vieles mehr!

Special Psoriasis