Leben mit Kinderrheuma
Kinder mit entzündlichem Rheuma können von Impfungen deutlich profitieren
Viele Kinder mit entzündlichem Rheuma haben ein erhöhtes Risiko für Infektionserkrankungen. Impfungen könnten schützen, konkrete Impfempfehlungen fehlten bislang oft.
Kinder mit entzündlichem Rheuma haben ein erhöhtes Risiko für Infektionserkrankungen. Denn bei ihnen kann das Abwehrsystem durch die rheumatische Erkrankung und medikamentöse Therapien geschwächt sein. Impfungen könnten helfen, laut Angaben der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) ist jedoch jedes dritte der betroffenen Kinder nur unzureichend geimpft. Dies gelte sogar für Standardimpfungen wie Tetanus und Diphterie.
Die Ursachen für diese Beobachtung sind vielfältig. Obwohl die Einführung von Impfungen sehr erfolgreich war und schwerwiegende Infektionserkrankungen wie etwa Kinderlähmung oder Wundstarrkrampf seither nur noch selten auftreten, ist die Impfbereitschaft in der deutschen Bevölkerung zuletzt deutlich gesunken. "Die Öffentlichkeit unterschätzt heute die Gefahr von Infektionserkrankungen", so Frau Dr. med. Minden, Schriftführerin der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR), im Vorfeld des 36. Jahreskongresses der deutschen Rheumatologen. Auch fehlten bislang konkrete Impfempfehlungen für Kinder mit entzündlichem Rheuma. Bei letzteren gab es in der Vergangenheit allerdings immer wieder einzelne Fallberichte, dass eine Impfung eine rheumatische Erkrankung verschlechtern oder auslösen könnte. Die meisten Nebenwirkungen, die im Zuge einer Impfung auftreten, - wie etwa Gelenkschmerzen oder -schwellungen - seien jedoch mild und vorübergehend. Andererseits ist das Abwehrsystem bei vielen Kindern mit entzündlichem Rheuma krankheits- oder medikamentenbedingt nicht ausreichend in der Lage, diese vor Infekten zu schützen. Ihr Infektrisiko ist also oft höher als das von "gesunden" Kindern. "Nutzen und Risiken einer Impfung rheumakranker Kinder müssen abgewogen werden", rät die Kinder- und Jugendrheumatologin deshalb den Eltern dieser Kinder. Zumal aktuelle Studien, mit denen Sicherheit und Wirksamkeit von Impfungen bei rheumakranken Kindern untersucht wurden, deren Nutzen bestätigen.
"Nach aktuellem Stand des Wissens überwiegt der Nutzen von Impfungen auch oder gerade für Patienten mit rheumatischen Erkrankungen", erklärt Dr. Minden. Sie empfiehlt deshalb, solange der Gesundheitszustand der jungen Patienten es zulasse, die allgemeinen Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) einzuhalten. Dies gilt für Lebendimpfstoffe - wie z.B. die Impfung gegen Masern, Röteln und Mumps - allerdings nur mit Einschränkungen. Im Krankheitsschub oder während der Einnahme bestimmter Medikamente sollte auf Lebendimpfstoffe verzichtet werden.




