Kollagenosen

Sjögren-Syndrom

Beim Sjögren-Syndrom steht vor allem die Trockenheit von Mund und Augen im Vordergrund. Auch mumpsähnliche Schwellungen sind typisch. Bei der Behandlung spielt die Besserung der Symptome eine wichtige Rolle - beispielsweise mit künstlicher Tränen- und Speichelflüssigkeit.

Das Sjögren-Syndrom (SSy) ist eine langsam fortschreitende, chronische Autoimmunerkrankung. Dabei kommt es zu entzündlichen Veränderungen der Tränen-, Speichel- und Schleimdrüsen mit Einwanderung von Zellen des Immunsystems. Daraus resultiert eine verminderte Produktion der entsprechenden Flüssigkeiten. Es finden sich weitere Immunphänomene, die man sich bei der Labordiagnostik zu Nutze macht. Die Ursachen der Erkrankung sind bislang nicht abschließend geklärt - hormonelle Einflüsse, erbliche Faktoren und Virusinfektionen werden diskutiert.

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Mit einem Verhältnis von 9:1 sind Frauen deutlich häufiger betroffen als Männer, typischerweise tritt die Erkrankung um das 50. Lebensjahr herum auf. Das Sjögren-Syndrom ist eine häufige Erkrankung, 2-5% der älteren Menschen haben entsprechende Symptome. Bei 30-55% liegt neben dem Sjögren-Syndrom eine rheumatoide Arthritis (RA) vor, umgekehrt leiden etwa 25% der RA-Patienten an einem Sjögren-Syndrom. Dieses kann auch parallel zu anderen Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises auftreten.

Die typischen Symptome des SSy sind Mund- und Augentrockenheit, wenn nur diese beiden vorliegen, spricht man auch vom Sicca-Syndrom. Bei zunehmend versiegender Tränenflüssigkeit kommt es zu Bindehautentzündung und kleinen Wunden auf der Hornhaut. Die fehlende Speichelbildung kann das Schlucken von Nahrung sehr erschweren. Bei etwa der Hälfte der Patienten sind die Ohrspeicheldrüsen beiderseits geschwollen. Zusätzlich können Kehlkopfentzündung oder Bronchitis auftreten. Häufig treten Gelenkschmerzen ohne Gelenkerosionen auf, wohingegen bei gleichzeitigem Vorliegen einer RA der typische Verlauf mit Gelenkzerstörungen zu erwarten ist, in diesem Fall wird das Sjögren-Syndrom als "sekundär" bezeichnet. Auch ausgeprägte Müdigkeit und Leistungseinschränkungen können im Zusammenhang mit der Erkrankung auftreten. Darüber hinaus können in seltenen Fällen Organe wie die Lunge, die Nieren oder die Blutgefäße betroffen sein. Das Risiko für Lymphknotenkrebs ist um ein Vielfaches erhöht.

Bei der Diagnose des Sjögren-Syndroms spielen die typischen Augen- und Mundsymptome eine wichtige Rolle, der Arzt kann den eingeschränkten Tränen- und Speichelfluss durch spezielle Augen- und Speicheldrüsenuntersuchungen nachweisen. Nach Gewebeentnahme lassen sich die eingewanderten Entzündungszellen in den befallenen Drüsen erkennen. Im Blut finden sich meist erhöhte Entzündungswerte, Rheumafaktoren sind bei über Dreiviertel der Patienten positiv. Außerdem sichert der Nachweis bestimmter Antikörper im Blut (SS-A und SS-B) die Diagnose.

Eine ursächliche Therapie des Sjögren-Syndroms gibt es bisher nicht. Deshalb steht bei der Behandlung zunächst die Besserung der Symptome im Vordergrund. Als Allgemeinmaßnahmen sollten die Patienten beispielsweise Orte mit niedriger Luftfeuchtigkeit meiden und gegebenenfalls einen Luftbefeuchter benutzen. Zudem lassen sich die Trockenheit von Augen und Mund mit künstlicher Tränen- und Speichelflüssigkeit bessern. Patienten, die an dem Sjögren-Syndrom erkrankt sind, sollten viel trinken, und das Kauen von zuckerfreiem Kaugummi kann die verbliebene Speichelproduktion anregen. Eine häufig als Begleiterscheinung vorliegende Pilzinfektion der Mundhöhle wird mit Nystatin behandelt, auf intensive Zahnhygiene ist zu achten. Bei Gelenkbeschwerden werden nichtsteroidale Antirheumatika eingesetzt (NSAR), bei schwerwiegenden systemischen Beteiligungen kommt Kortison zum Einsatz. Bei sekundärem Sjögren-Syndrom wird die Grunderkrankung therapiert.


Quelle: Müller W, Zeidler H: Differentialdiagnose rheumatischer Erkrankungen. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, 1998. Zeidler, Zacher, Hiepe (Hrsg.): Interdisziplinäre klinische Rheumatologie. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, 2001. Hettenkofer (Hrsg): Rheum
Autor: Springer Medizin
Stand: Jan 16, 2009


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