Fibromyalgie
Was ist das?
Bei der Fibromyalgie - im Volksmund vereinzelt auch Weichteilrheumatismus genannt - handelt es sich um ein so genanntes generalisiertes Schmerzsyndrom. Die Ursache ist bisher nicht eindeutig geklärt. Für die Diagnose stehen definierte Kriterien zur Verfügung, dennoch ist eine Abgrenzung zu anderen Erkrankungen oft schwierig.
Eine Fibromyalgie weisen in Deutschland etwa 2 von 100 Einwohnern auf. Die Erkrankung tritt meistens im mittleren Lebensalter auf. Frauen sind etwa 6- bis 8-mal so häufig betroffen wie Männer. Das Vollbild der Fibromyalgie ist zwar sehr typisch, doch die einzelnen Symptome für sich können sehr unspezifisch sein. Ein Charakteristikum stellen ausgedehnte Schmerzen in der Muskulatur, im Verlauf der Sehnen und an den Sehnenansätzen dar. Fast alle Patienten haben zudem weitere Symptome, die individuell unterschiedlich sind. Zu ihnen gehören unter anderem Schlafstörungen, Müdigkeit tagsüber, migräneartige Kopfschmerzen, Reizdarm, Reizblase, Stressintoleranz, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie Muskelschwäche. Viele Betroffene entwickeln hieraus das Gefühl, den Alltag nicht mehr zu bewältigen. Die Folgen können von einem Gefühl der Hilflosigkeit bis hin zur Entwicklung von depressiven Störungen reichen.
Die Krankheitsentstehung ist multifaktoriell
Die Ursachen der Fibromyalgie haben sich bisher nicht eindeutig klären lassen. Bei der Entstehung der Erkrankung scheinen verschiedene Ursachen eine Rolle zu spielen. Neuere Untersuchungen weisen darauf hin, dass psychische, körperliche und soziale Faktoren für den Beginn und die Dauer der (chronischen) Schmerzen von Bedeutung sind. So gibt es zum Beispiel Hinweise auf eine familiäre Häufung, die einen Einfluss auf den Stoffwechsel des Nervenbotenstoffs Serotonin haben könnten. Zudem ließen sich Veränderungen der zentralen Schmerzverarbeitung nachweisen, die zu einer gesteigerten Schmerzwahrnehmung beitragen können. Auch das Hormonsystem weist Veränderungen auf: Diese könnten u.a. die häufig eingeschränkte Toleranz gegenüber Stress erklären, jedoch auch nur eine Folge der Schmerzen und der daraus resultierenden Symptome sein.
Des Weiteren ergeben sich aus der Vorgeschichte von Fibromyalgie-Patienten häufig Hinweise auf auslösende Faktoren, etwa ein psychisches oder ein physisches Trauma (z.B. emotionale Vernachlässigung, körperliche Misshandlung oder Missbrauch). Auch psychische Begleitfaktoren können vorhanden sein, beispielsweise ein geringes Selbstwertgefühl oder Angststörungen. Krankhafte Veränderungen an den Muskeln und Sehnen hingegen lassen sich im Allgemeinen nicht finden. Auch Entzündungsreaktionen sind - anders als bei anderen rheumatischen Erkrankungen - nicht nachzuweisen.
Tenderpoints Druckpunkte sind wichtig für Diagnose
Die Diagnosestellung der Fibromyalgie orientiert sich an den Definitionen der amerikanischen rheumatologischen Gesellschaft, dem American College of Rheumatology. Demnach sind folgende Punkte wichtig: Wenn ein Patient ohne ersichtlichen körperlichen Grund seit mindestens drei Monaten ausgedehnte Schmerzen am Bewegungsapparat hat, spricht dies für das Vorliegen einer Fibromyalgie. Zudem muss er an elf von insgesamt 18 definierten Druckpunkten ("Tenderpoints"), die in unterschiedlichen Bereichen des Körpers jeweils am Übergang von Muskeln und Sehnen liegen, auf entsprechend kräftigen Druck übermäßig schmerzempfindlich reagieren.
Da es für die Fibromyalgie jedoch keine beweisenden Untersuchungsbefunde gibt und andere Erkrankungen mit ähnlichen Beschwerden einhergehen können, handelt es sich um eine so genannte Ausschlussdiagnose: Bei Vorliegen der typischen Symptome ist erst dann von der Fibromyalgie auszugehen, wenn alle weiteren möglichen Erkrankungen ausgeschlossen sind.




