Rheumathoide Arthritis
Neuropathie nicht selten
Leiden Patienten mit rheumatoider Arthritis unter Schmerzen, muskulärer Schwäche und Gefühlsstörungen, kann dies auf eine zusätzliche Schädigung von sensiblen und motorischen Nerven hinweisen.
Bei der rheumatoiden Arthritis (RA) handelt es sich um eine Erkrankung des körpereigenen Abwehrsystems. Neben dem typischen Befall von vorwiegend kleinen und mittleren Gelenken können daher auch andere Organe und Organsysteme betroffen sein. Ist dies der Fall, spricht man von extraartikulären (gelenkfernen) Symptomen der Krankheit. Zu nennen sind hier beispielsweise Auswirkungen auf das Herzkreislaufsystem, die Lunge und die Nieren. Weniger bekannt ist bislang der Einfluss der RA auf die Funktionsfähigkeit von sensiblen oder motorischen Nerven - z.B. im Arm- oder Beinbereich. Schädigungen dieser Nerven können u.a. durch eine entzündungsbedingte Schwellung gelenknaher Weichteile (z.B. von Sehnen und Bändern) verursacht werden. Ein Beispiel für diesen Mechanismus ist das Karpaltunnelsyndrom, bei dem es durch die rheumabedingte Weichteilschwellung zu einer Kompression des Medianusnervs im Bereich einer Engstelle (Tunnel!) kommt. Weitere mögliche Ursachen für eine Neuropathie in Verbindung mit der rheumatischen Krankheit sind:
- Entzündungen der kleinen nervenversorgenden Blutgefäße (Vaskulitis)
- Schädigungen durch immunologische (z.B. Antikörper) bzw. toxische (z.B. Medikamente) Einflüsse.
Aber wie häufig ist das? Diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten. Laut der aktuellen Datenlage wird bei 0,5 bis 85 Prozent aller RA-Patienten klinisch zu irgendeinem Zeitpunkt ihrer Erkrankung eine Neuropathie diagnostiziert. Forscher der Universitätsklinik im indischen Chandigarh wollten es genauer wissen. Sie untersuchten deshalb etwas mehr als hundert Patienten mit einer gesicherten RA-Diagnose, die aufgrund ihrer Krankheit in der dortigen Klinik behandelt wurden und verglichen ihre Daten mit denen von knapp 70 gesunden Vergleichspersonen.
Sorgfältige nervenärztliche Untersuchung zeigt ein klares Bild
Die Befunde waren überraschend: Immerhin jeder fünfte RA-Patient berichtete von Gefühlsstörungen im Bereich der Extremitäten. Bei insgesamt jedem Vierten war es zum Verlust von Muskeleigenreflexen gekommen. Knapp 60 Prozent aller untersuchten RA-Patienten zeigten Auffälligkeiten bei der Ableitung der Nervenleitgeschwindigkeit. Diese Symptome fanden sich auch bei etwas mehr als der Hälfte aller Patienten in einem frühen Stadium der Erkrankung, während diese sich in der gesunden Vergleichsgruppe lediglich bei drei von 70 Teilnehmern nachweisen ließen.
Die Auswertung aller erhobenen Daten (u.a. Labor, Krankengeschichte, Röntgenbefunde) und der Vergleich von Patienten mit und ohne gesicherter Neuropathie vervollständigte schließlich das Bild.
Demnach sind Neuropathien bei der RA nicht selten. Meistens handelt es sich dabei allerdings um eher geringgradige Verlaufsformen. Risikofaktoren für das Auftreten einer Neuropathie bei der RA sind das Fehlen der Muskeleigenreflexe oder die Anwesenheit von gelenkfernen (extraartikulären) Kranheitssymptomen - etwa in Form einer Vaskulitis.
Besteht ein entsprechender Verdacht, ist deshalb aus Sicht der Studienautoren eine ausführliche neurologische Untersuchung z.B. mit Ableitung der Nervenleitgeschwindigkeit (elektrophysiologische Untersuchung) angezeigt.




