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Rheuma behandeln

Radiosynoviorthese (RSO)

Bei der Radiosynoviorthese wird eine schwach radioaktiv strahlende Flüssigkeit in ein chronisch entzündetes Gelenk injiziert. Dadurch verödet die entzündete Gelenkinnenhaut oberflächlich. Diese Behandlungsform sollte jedoch erst dann angewendet werden, wenn Basistherapie und intraartikuläre ( intra= in, Articulatio = Gelenk) Kortisongaben nicht ausreichen wirksam waren.

Der Begriff "Radiosynoviorthese" leitet sich her von den Wörtern "Radiologie" (Strahlenheilkunde), "Synovialis" (Gelenkinnenhaut) und "Orthese" (Wiederherstellung). Mit der Methode wird bei chronisch entzündlichen Gelenkerkrankungen durch die Injektion von speziellem radioaktivem Material in ein betroffenes Gelenk (intraartikuläre Injektion) eine weitgehende Wiederherstellung der entzündeten Gelenkinnenhaut (Synovialitis) angestrebt: Die lokale Wirkung des schwach strahlenden Materials zerstört vor allem die oberflächlichen, entzündeten Schichten der Gelenkinnenhaut, ohne das gesunde Knorpelgewebe zu schädigen. Dadurch nimmt die entzündliche Aktivität der Gelenkinnenhaut ab, was wiederum den Schmerz, die Bewegungseinschränkung und die Schwellungsneigung des Gelenks reduziert.

"Sanfte" Radioaktivität

Für die Radiosynoviorthese, die ausschließlich von Nuklearmedizinern durchgeführt wird, stehen drei Radionuklide zur Verfügung, die in Abhängigkeit von der Größe des betroffenen Gelenkes eingesetzt werden. Um die radioaktive Belastung für den Körper möglichst gering zu halten, handelt es sich bei allen um Beta-Strahler, die nur eine sehr geringe Reichweite haben, schnell in ihrer Wirkung nachlassen und aufgrund ihrer besonderen Zubereitungsform kaum aus dem Gelenk "austreten" können. Die verwendeten Isotope heißen 169-Erbium, 186-Rhenium und 90-Yttrium. Die Reichweite ist bei Yttrium mit maximal 11,0 Millimetern am größten, daher wird es für große Gelenke wie das Kniegelenk verwendet. Rhenium hat eine Reichweite von maximal 3,7 Millimetern. Es kommt bei Hand-, Sprung-, Schulter- oder Ellenbogengelenken zum Einsatz. Und Erbium ist mit maximal 1,0 Millimeter Reichweite für Finger- oder Zehengelenke die Substanz der Wahl.

Wie wirksam ist die Radiosynoviorthese?

Nach Angaben von Dr. Wolfram Seidel, Universität Leipzig, und der Kommission Pharmakotherapie der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie liegen inzwischen ausreichend wissenschaftliche Studien vor, die die kurz- und mittelfristige Wirksamkeit der Radiosynoviorthese bei Patienten mit rheumatoider Arthritis und anhaltender Entzündung der Gelenkinnenhaut bestätigen. Darüber hinaus kamen verschiedene größere Untersuchungen mehrheitlich zu dem Ergebnis, dass selbst Jahre nach der Radiosynoviorthese bei etwa 65 Prozent der behandelten Patienten ein gutes oder sehr gutes Ergebnis erzielt wurde. Dabei sprach die Behandlung bei Patienten mit rheumatoider Arthritis besser an als bei Menschen mit aktivierter Arthrose. Zudem wirkte die Methode schlechter, wenn die Gelenkerkrankung bereits fortgeschritten war oder schon länger vorlag.

Zur Wirksamkeit der Radiosynoviorthese bei seronegativen Spondyloarthropathien (z.B. Morbus Bechterew) gibt es derzeit zwar noch wenige wissenschaftliche Studien, doch auch hier beurteilt Seidel den Einsatz als gerechtfertigt. Ähnliches gilt für die beiden weniger häufigen Erkrankungen pigmentierte villonoduläre Synovialitis (Tumore der Gelenkinnenhaut) und Hämophilie mit Arthropathie ("Bluterkrankheit" mit Gelenkerkrankung). Bei der Arthrose hält Seidel den Einsatz der Methode hingegen nicht für ratsam, weil die derzeit vorliegenden Studien unzureichend sind und die Arthrose zudem keine primär entzündliche Ursache hat, sondern vor allem auf einer Abnutzung des Gelenks beruht.

Wann kann die Radiosynoviorthese durchgeführt werden?

Laut der Kommission Pharmakotherapie der deutschen Gesellschaft für Rheumatologie sollte die Radiosynoviorthese bei chronisch entzündlichen Gelenkerkrankungen erst dann angewendet werden, wenn eine drei- bis sechsmonatige systemische medikamentöse Therapie unzureichend wirkt. Unabhängig von der zugrunde liegenden Erkrankung sollte zudem bei den in Frage kommenden Gelenken zunächst eine Injektion von Glukokortikoiden erfolgen. Ist auch diese nicht ausreichend erfolgreich, kann laut Seidel die Radiosynoviorthese erwogen werden.

Basierend auf den bislang vorliegenden Studien empfiehlt der Rheumatologe die Applikation von Rhenium oder Yttrium bei chronischen Entzündungen der Gelenkinnenhaut mittlerer oder großer Gelenke mit wiederkehrenden Gelenkergüssen, wenn folgende Erkrankungen vorliegen:

  • rheumatoide Arthritis
  • seronegative Spondylarthropathie
  • pigmentierte villonoduläre Synovialitis (nach Operation)
  • Hämophilie mit Arthropathie (zum Schutz vor Blutungen).

Zu Erbium rät Seidel bei vergleichbaren Situationen, wenn diese kleine Gelenke betreffen und folgende Erkrankungen vorliegen:

  • rheumatoide Arthritis
  • seronegative Spondylarthropathie

Hier muss nach seinen Angaben vor der Injektion allerdings sichergestellt sein, dass eine sechsmonatige Basistherapie und die Injektionen von Glukokortikoiden in das entsprechende Gelenk nicht zum ausreichenden Erfolg geführt haben.

Wann ist von einer Radiosynoviorthese abzuraten?

Als Gegenanzeigen nennt Seidel unter anderem Schwangerschaft und Stillzeit. Auch bei Kindern und Jugendlichen sollten von dieser Therapie abgesehen werden, weil mögliche Auswirkungen auf das Knochenwachstum bislang nicht ausgeschlossen werden können. Zudem dürfen an der Injektionsstelle keine Infektionen oder krankhaften Veränderungen vorliegen, die ein unkontrolliertes "Austreten" des radioaktiven Isotops aus dem Gelenk ermöglichen.


Quelle: Seidel W. et al.: Radiosynoviorthese. Z Rheumatol. 2006;65:239-44.
Autor: Springer Medizin
Stand: Jan 14, 2009


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