Medikamentöse Behandlung von Rheuma
Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR)
Bei den nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR, auch NSAID) handelt es sich um eine Gruppe von Medikamenten, die bei einer Vielzahl rheumatischer und nicht-rheumatischer Erkrankungen verwendet wird. NSAR wirken schmerz- und entzündungshemmend sowie teilweise auch fiebersenkend.
Aufgrund ihrer schnellen Wirksamkeit werden NSAR vor allem bei der Erstbehandlung oder bei akuten Verschlechterungen einer rheumatoiden Arthritis eingesetzt. Da NSAR aber die aus dem Gleichgewicht geratene Immunreaktion nicht ausreichend beeinflussen können, stehen bei der weiteren Behandlung andere Medikamentengruppen im Vordergrund.
Bei den nicht-steroidalen ("Kortison"-freien) Antirheumatika (NSAR) handelt es sich um chemisch teilweise unterschiedliche Substanzgruppen. Hauptgemeinsamkeit besteht in einer unterschiedlich starken Hemmung der Enzyme Cyclooxygenase 1 und 2 (COX-1 und COX-2). Die durch die COX-Hemmung verminderte Produktion von entzündungsfördernden Prostaglandinen bedingt einen guten Teil der antientzündlichen, schmerzlindernden und bei einigen Substanzen auch fiebersenkenden Wirkung.
NSAR können Schwellungen wie auch die Schmerzen in den betroffenen Gelenken meist schnell reduzieren. Die auf diese Art und Weise verbesserte Gelenkfunktion dient dabei nicht zuletzt auch der Vermeidung einer frühzeitigen Verminderung der Beweglichkeit. Allerdings können NSAR die aus dem Gleichgewicht geratene Immunregulation nicht ausreichend genug beeinflussen. Schmerz, Schwellung und Bewegungseinschränkung sind erst mal beseitigt, aber die Erkrankung schreitet fort.
Nach erfolgter Diagnosestellung wird die Behandlung mit NSAR (und eventuell zusätzlichen Kortikoidgaben) deshalb durch weitere Medikamente ergänzt. Abhängig vom Krankheitsverlauf, Medikamentenverträglichkeit und Vorerkrankungen des Betroffenen handelt es sich hierbei meist um den Einsatz von so genannten krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (DMARD) mit oder ohne zusätzlicher Gabe von Glukokortikoiden. Nach Wirkungseintritt der langwirksamen Antirheumatika können die NSAR dann reduziert oder ganz abgesetzt werden.
Zu den NSAR gehören häufig verordnete Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen, Piroxicam und Diclofenac, die teilweise ohne ärztliche Verschreibung erhältlich sind. Die Wahl des geeigneten Mittels sollte in jedem Fall mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden. Denn nicht jeder Mensch verträgt alle diese Medikamente gleich gut und die Substanzen selbst unterscheiden sich in Wirkung und Nebenwirkungen.
Nebenwirkungen
Wirkung und Nebenwirkung hängen nicht selten eng miteinander zusammen. Im Falle der NSAR kommt es durch die Hemmung der Enzyms Cyclooxygenase zu einer erst einmal durchaus erwünschten Verminderung der Prostaglandin-Produktion. Prostaglandine sind aber nicht nur an der Entzündungsreaktion beteiligt, im Magen-Darm-Trakt haben sie beispielsweise eine schützende Funktion. Daher handelt es sich bei den am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen um Störungen im Bereich des Magen-Darm-Traktes.
Je länger die Behandlungsdauer und je höher die Dosis, desto wahrscheinlicher ist das Auftreten von Oberbauchbeschwerden bis hin zum Entstehen von Magengeschwüren mit den möglichen Komplikationen:
- Blutung
- Blutarmut (Anämie) durch eine dauerhafte Blutung aus kleinen Schleimhautdefekten (Erosionen) oder an einem Magengeschwür
- Wanddurchbruch (Perforation) bei Fortschreiten des Geschwürs
Zusätzlich erhöht ist das Risiko für das Auftreten schwerer Komplikationen im Magen-Darm-Trakt bei:
- Magengeschwüren in der Vorgeschichte
- Gleichzeitiger Einnahme mehrerer NSAR
- länger andauernder NSAR-Therapie im höheren Dosisbereich
- gleichzeitiger Einnahme von Glukokortikoiden
- gleichzeitiger Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten
- schweren Begleiterkrankungen
- einem Alter von über 70 Jahren (wenn gleichzeitig weitere Risikofaktoren vorliegen)
Ist das Risiko erhöht und eine Behandlung mit NSAR aber dennoch notwendig, kann der Arzt zusätzlich Medikamente verschreiben, die den Magen-Darm-Trakt schützen (u.a. Prostaglandinanaloga, Protonenpumpenhemmer). Gleichzeitig wird er eher solche NSAR verwenden, die den Magen-Darm-Trakt weniger stark angreifen. So bald wie möglich wird man dann aber andere Behandlungswege gehen, beispielsweise durch Einsatz von krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (DMARD).
Ein anderer Versuch, Nebenwirkungen im Bereich des Magen-Darm-Traktes zu umgehen, war die Entwicklung so genannter selektiver Cyclooxygenase-2-Hemmer (COX-2-Hemmer, Coxibe). Die verbesserte Magen-Darm Verträglichkeit dieser neuen NSAR-Gruppe beruht auf der unterschiedlichen Hemmung der beiden Cyclooxygenase-Enzyme. Bei der Auswertung fortlaufender Behandlungsstudien wurde jedoch eine erhöhte Rate von Zwischenfällen im Herz-Kreislauf-Bereich (u.a. Herzinfarkt, Schlaganfall) bei zwei Substanzen dieser Gruppe beobachtet.
Eventuelle Herzkreislaufrisiken von NSAR und Cox-2-Hemmern wurden daraufhin näher untersucht. Nach Auswertung der zu diesem Zwecke durchgeführten Untersuchungen ist mittlerweile davon auszugehen, dass sämtliche derzeit auf dem Markt befindlichen traditionellen NSAR und Cox-2-Hemmer bei längerfristiger, hochdosierter Einnahme das Risiko für Herzkreislauferkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall leicht erhöhen. Einzige Ausnahme könnte möglicherweise das Naproxen sein.
Einsatzgebiete der NSAR zusätzlich zur rheumatoiden Arthritis
Bei der Behandlung der juvenilen idiopathischen Arthritis (JIA) spielen NSAR eine wichtige Rolle. Abhängig von der Art des Gelenkbefalls und des Krankheitsverlaufes zeichnet sich in der Kinderrheumatologie seit einigen Jahren allerdings eine Tendenz zu frühzeitigem Einsatz weiterer Antirheumatika ab.
Bei der Therapie der Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) haben die NSAR bei der Behandlung entzündungsbedingter Schmerzen eine zentrale Funktion. Unter einer Behandlung mit diesen Wirkstoffen berichten 70-80 Prozent von einer guten bis sehr guten Besserung ihrer Symptome. Bei Nichtansprechen oder komplizierten Verläufen, beispielsweise mit raschem Fortschreiten der Erkrankung, stehen Antirheumatika mit alternativen Wirkmechanismen zur Verfügung.
Bitte beachten Sie, dass für die Angaben zu Medikamenten und Dosierungen keine Gewähr übernommen wird. Dieser Text erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Informationen stellen keine Empfehlung oder Bewerbung des genannten Präparates oder der Präparate und Substanzen dar. Die Informationen ersetzen nicht die fachliche Beratung durch einen Arzt oder Apotheker. Für konkrete und individuelle Fragen zur Therapie wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt.




