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Rheuma-Therapie mit Biologics

Was sind Biologics, Biologicals oder Biologika?

Biologics, auch Biologicals oder Biologika genannt, sind biotechnologisch hergestellte Eiweiße, die körpereigenen Substanzen sehr ähnlich sind. Biologics sind daher in der Lage verschiedene Regulationsmechanismen unseres Körpers gezielt zu beeinflussen.

Je nach Erkrankung werden Biologics zur hemmenden oder fördernden Regulation von Vorgängen des Abwehrsystems entwickelt und eingesetzt. Krankheitserscheinungen und Spätfolgen vieler entzündlich-rheumatischer Erkrankungen (z.B. Entzündungen oder Zerstörungen im Gelenkbereich) können deshalb mithilfe von Biologics spürbar gemindert oder sogar gestoppt werden. Andere Einsatzfelder dieser neueren Wirkstoffe sind Haut-, Darm- und Krebserkrankungen.

Da Eiweiße im Magen-Darm-Trakt zerstört werden, können Biologics nicht in Tablettenform verabreicht werden. Sie werden daher per Infusion direkt ins Blutsystem oder als Spritze unter die Haut (subkutane Injektion) ins Unterhautgewebe gegeben. Hier können sie unzerstört vollständig aufgenommen werden. Die subkutane Injektion ist durch den Patienten selbstständig durchführbar. Die Infusionen werden hingegen in der Arztpraxis unter ärztlicher Aufsicht verabreicht.

Biologics sind eine moderne Therapieform, die eine wirksame Ergänzung des therapeutischen Spektrums darstellt. Der Einsatz dieser Medikamentengruppe ist durch Fachinformationen und Therapieleitlinien geregelt.

Wie wirken Biologics?

Am Beispiel der so genannten TNF-alpha-Blocker kann die Idee, die hinter der Entwicklung von Biologics steht, eindrücklich verdeutlicht werden:

Im Mittelpunkt der entzündlichen Immunantwort bei Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis stehen u.a. die körpereigenen Botenstoffe Tumor-Nekrose-Faktor alpha (TNF-alpha) und Interleukin 1 (IL-1). Produziert wird TNF-alpha vorwiegend von "Fresszellen" (Makrophagen) genannten Zellen des Abwehrsystems. Bei diesen Zellen handelt es sich um einen Bestandteil des angeborenen Immunsystems, der bei unterschiedlichsten Abwehrvorgängen eine wichtige Rolle spielt.

Die Wirkung von TNF-alpha selbst umfasst direkt oder indirekt beispielsweise:

  • die Aktivierung von weiteren Zellen des Abwehrsystems (z.B. der T- und B-Lymphozyten)
  • das Anlocken von Immunzellen zum erkrankten Gelenk
  • die Aktivierung des Arachidon-Stoffwechsels
  • die Produktion von Sauerstoffradikalen in Fresszellen
  • die Steigerung von "Fressvorgängen" durch Granulozyten und Makrophagen
  • die Stimulation der Fibroblastenproduktion und damit die Förderung bindegewebiger Umbauprozesse (Narbengewebe)
  • die Hemmung gelenkeigener Reparaturmechanismen durch Verminderung der von den Knorpelzellen ausgehenden Kollagenproduktion
  • die Förderung der Herstellung von knorpel- und knochenabbauenden Enzymen

Körpereigene Botenstoffe unterliegen einem komplexen System von gegenseitiger Regulierung und Kontrolle. Auch TNF-alpha hat im menschlichen Körper mehrere Gegenspieler, beispielsweise das so genannte TNF-bindende Protein. Dieses komplizierte Gleichgewicht ist jedoch bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen aus dem Gleichgewicht geraten. Fängt man nun durch nachgebaute Bindungsstellen (Rezeptoren) oder Antikörper überschüssiges TNF-alpha weg, können Entzündungsvorgänge wirksam gebremst werden.

Da bei entzündlichem Rheuma jedoch noch weitere "Mitspieler" (u.a. B- und T-Lymphozyten, Interleukin-6) bekannt sind, ergeben sich fortlaufend bislang ungenutzte Ansatzpunkte für moderne Therapieverfahren. In den letzten Jahren ist es deshalb, gerade im Gebiet der Rheumatologie, zur Zulassung mehrerer neuartiger Medikamente gekommen, andere befinden sind noch im Zulassungsverfahren.

Bitte beachten Sie, dass für die Angaben zu Medikamenten und Dosierungen keine Gewähr übernommen wird. Dieser Text erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Informationen stellen keine Empfehlung oder Bewerbung des genannten Präparates oder der Präparate und Substanzen dar. Die Informationen ersetzen nicht die fachliche Beratung durch einen Arzt oder Apotheker. Für konkrete und individuelle Fragen zur Therapie wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt.


Autor: Eduardo Ramminger
Stand: Mar 25, 2009


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