
EULAR 2009 - Teil 2
Von Sport bis Sex: Aktuelle Studien aus der Rheumatologie
Rheumapatienten wünschen sich mehr Beratung zum Thema Sexualität. Sport wirkt sich bei Rheumatikern nicht nur positiv auf die Gelenkfunktion aus. Und hat die Jahreszeit einen Einfluss auf den Verlauf der Arthritis?
Dies sind nur weitere Themen, die auf dem EULAR, der Jahrestagung der europäischen Vereinigung von Rheumatologen und Patientenorganisationen vorgestellt wurden. Die Tagung bot Wissenschaftlern, Ärzten und Patientenorganisationen ein Forum, sich auf höchstem Niveau auszutauschen.
Sport wirkt sich in vielerlei Hinsicht positiv aus
Auf dem EULAR stellten portugiesische Forscher ihre aktuellen Ergebnisse zum Thema Sport und Rheumatoide Arthritis (RA) vor. Demnach verbessert ein ärztlich überwachtes Bewegungsprogramm nicht nur die Gelenkfunktion der Patienten. Auch konnten sie die Menge der benötigten entzündungshemmenden Medikamente sowie die Kortison-Dosis reduzieren. Zudem litten sie weniger häufig unter Angst und Depressionen. Die Teilnehmer der Studien nahmen für drei Monate an einem Bewegungsprogramm teil. Dabei führten sie dreimal pro Woche für etwa eine Stunde Kraft- und Aerobic-Übungen aus. „Wenn Gelenke steif sind und schmerzen, erscheint es vielen Menschen mit Rheumatoider Arthritis nicht gerade erstrebenswert, sich sportlich zu betätigen“, versteht Studienleiter Dr. Miguel Sousa vom Instituto Português de Rheumatology in Lissabon. „Doch unsere Studie zeigt, dass reguläre und überwachte Bewegungsprogramme sehr vorteilhaft für die physische und psychische Gesundheit der Patienten sein können“, so Sousa weiter. Auch auf die Lebensqualität wirke sich das Training positiv aus. Für die Ärzte besteht nun die große Herausforderung darin, ihre Patienten trotz Schmerzen zum Sport zu motivieren. Die Erfolgsmeldungen der Wissenschaftler könnten hier sehr hilfreich und ein guter Ansporn sein.
Sex ist auch für Rheuma-Patienten ein Thema
Menschen mit Rheuma leiden häufig nicht nur unter den direkten Symptomen der Erkrankung. Auch ihr Sexualleben kann durch die chronische Krankheit beeinträchtigt sein. Dabei spielen Schmerzen, chronische Erschöpfungszustände und Bewegungseinschränkung eine Rolle, aber auch mangelndes Selbstbewusstsein und Unbehagen. Viele Patienten haben daher ein gesteigertes Bedürfnis, sich mit Ärzten oder Pflegepersonal über dieses Thema beraten zu können. Dies zeigen die Ergebnisse einer Umfrage, die auf dem EULAR vorgestellt wurde. Ein heikles Thema und nicht nur viele Patienten scheuen sich, es anzusprechen. Die Betroffenen wünschen sich daher, dass die Frage nach dem Sexualleben durchaus fester Bestandteil der Betreuung eines Rheuma-Patienten sein sollte. Die Umfrage zeigte zudem, dass die Patienten stärker über die möglichen Auswirkungen der Rheumatherapie auf ihre Sexualfunktion informiert werden möchten.
Doch auch Ärzten und Pflegepersonal fällt es häufig schwer, das Thema von sich aus anzuschneiden. So lautet das Ergebnis einer weiteren Studie zu diesem Thema, bei der das Pflegepersonal befragt worden ist. Dabei sind Pflegekräfte in einer guten Position, um dieses sensible Thema mit ihren Rheumapatienten zu erörtern. Sie können erklären, welche Probleme auftreten können und wie man mit ihnen umgehen kann. „Wir hoffen, dass unsere Studie dazu beitragen wird, professionelle Ansätze zu entwickeln, wie man das Thema Sexualität und Rheuma in die Patientenbetreuung integrieren kann“, meint Lene Sigaard vom Copenhagen University Hospital in Glostrup, Dänemark.
Schwere der Arthritis hängt von der Jahreszeit ab
Eine andere Studie mit 736 Patienten, die auf dem EULAR vorgestellt wurde, ergab, dass die Jahreszeit einen Einfluss auf die Schwere der Rheumatoiden Arthritis (RA) haben kann. Traten die ersten Krankheitssymptome im Winter auf, so litten die Patienten in den ersten sechs Monaten unter schwereren Symptomen verglichen mit Patienten, bei denen die Krankheit erstmals im Sommer auftrat. Im Röntgenbild zeigten sich bei Patienten, die erstmalig im Frühjahr erkrankten, nach sechs Monaten auch stärkere Erosionen verglichen mit Patienten, deren Symptome erstmalig im Sommer auftraten. Allerdings konnten die Forscher nach zwölf Monaten keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppen feststellen. Der Effekt scheint also im Laufe der Zeit nachzulassen. Der Studienleiter Dr. Gaël Mouterde aus Frankreich vermutet, dass im Winter eine Unterversorgung des Körpers mit Vitamin D, das bei Sonnenlicht von der Haut gebildet wird, eine Rolle spielen könnte. Möglicherweise spielen aber auch andere jahreszeitliche Faktoren, wie häufigere Viruserkrankungen im Winter, eine Rolle. „Diese Beobachtungen könnten dazu beitragen, RA-Patienten zu identifizieren, die ein höheres Risiko haben, strukturelle Schäden in Folge der RA davonzutragen. Diese könnten dann einer frühen intensiven Therapie zugeführt werden, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen“, unterstreicht Mouterde die Bedeutung seiner Ergebnisse.




