Fit mit Rheuma
Physikalische Therapien helfen, beweglich zu bleiben
Die medikamentöse Therapie ist die wichtigste Therapiesäule bei entzündlichem Rheuma. Wasser, Kälte, Wärme, Massagen und Elektrotherapie können einen zusätzlichen Beitrag leisten, um trotz Rheuma fit zu bleiben.
Viele Rheumapatienten schwören auf Warmwassergymnastik. Sie fühlen sich anschließend deutlich besser und beweglicher. Die Übungen fallen ihnen leichter als an Land. Dieses subjektive Gefühl ließ sich in Studien allerdings nur zum Teil an objektiven Messgrößen festmachen. Schmerzskala, Lebensqualitätstests oder Gehgeschwindigkeit spiegeln nicht unbedingt eine stärkere Verbesserung wider als nach der üblichen Krankengymnastik.
Kältekammer und Co
Aber auch das Gegenteil hilft: Kältetherapie ist seit alters her ein wichtiger Baustein der nicht-medikamentösen Therapie von Patienten mit entzündlich rheumatischen Erkrankungen, insbesondere im aktiven Schub. Inzwischen gibt es viele Spielarten – von der lokalen Anwendung mit einem Eispack über Kaltluft oder eine Pistole mit flüssigem Stickstoff bis hin zur Ganzkörpertherapie in der Kältekammer. Kältebeutel (Kryogel) kann jeder zuhause im Gefrierschrank herunterkühlen und zur Schmerzlinderung auf einzelne Gelenke legen. Wichtig ist dabei, dass der Kältebeutel mit einem dünnen Handtuch umwickelt wird, um Schäden an der Haut zu vermeiden. Je nach Gelenkgröße, sollte der Beutel nicht länger als fünf Minuten (Finger- und Handgelenke) oder etwa 15 Minuten (Knie- und Hüftgelenk) aufgebracht werden. Die Kältekammer ist eine eher teure und weniger verfügbare Methode, bei der der Patient zweimal täglich für zwei bis drei Minuten in eine Kammer mit -60 bis zu -110°C geht. All diese Möglichkeiten lindern zumindest die Schmerzen. Damit eröffnen sie die Chance auf eine intensivere Physiotherapie und größere Beweglichkeit. In einer kleinen Studien an 60 Patienten mit Rheumatoider Arthritis oder Morbus Bechterew konnte so nicht nur die Entzündungsaktivität nachweislich reduziert, sondern auch der Schmerz verbessert werden. Nach im Schnitt 15 Anwendungen blieb die Wirkung über zwei Monate erhalten.
Auch die Wasser- bzw. Hydrotherapie tut Körper und Seele gut und kann dazu beitragen, dass Rheumapatienten länger allein ihren Alltag meistern können. Daher wird sie bei Patienten mit stabiler rheumatoider Arthritis, Morbus Bechterew oder auch Fibromyalgie in den Leitlinien der europäischen Gesellschaft für Rheumatologie empfohlen.
Die elektrische Stimulation von Nervenendigungen über die Haut, die so genannte transkutane elektrische Nerven-Stimulation (TENS), vermag ebenfalls Schmerzen zu lindern, wie in mehreren Studien belegt werden konnte. Die elektrische Muskelstimulation stärkt dagegen die Muskelkraft und –funktion, so dass Bewegungen wieder leichter fallen. Letzteres trifft auch auf Massagen zu. Sie lindern die Anspannung überstrapazierter Muskeln und lassen die Lymphflüssigkeit wieder besser fließen. Welche Methode im Einzelfall sinnvoll ist, sollte mit dem Arzt besprochen werden und hängt auch von der Krankheitsphase ab.




