
Rheuma und Zahngesundheit
Entzündungskontrolle und gute Zahnpflege sind wichtig
Menschen mit rheumatoider Arthritis haben neben einem erhöhten Risiko für koronare Herzkrankheit offenbar auch ein erhöhtes Risiko für entzündliche Erkrankungen des Zahnhalteapparates (Parodontitis).
Dass die Autoimmunerkrankung rheumatoide Arthritis mit einem erhöhten Risiko für Arteriosklerose (Arterienverkalkung) und damit auch für koronare Herzkrankheit (KHK) einhergehen kann, ist bereits seit längerem bekannt. Beide Erkrankungen sind, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß, durch Entzündungsvorgänge geprägt. Ist die entzündlich-rheumatische Erkrankung sehr aktiv, steigt das Risiko für Herzkreislauferkrankungen. Infolge arteriosklerotischer Veränderungen u.a. der Herzschlagadern (Koronararterien) kann es dann zum Auftreten einer Angina pectoris oder eines Herzinfarktes kommen.
Neueren Erkenntnissen zufolge ist auch die Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparates) ein Risikofaktor für das Auftreten einer KHK. Bei der Parodontitis handelt es sich um eine der Hauptursachen für Zahnverlust bei Erwachsenen. Entzündungsvorgänge, die bei dieser Erkrankung auftreten, ähneln zumindest teilweise denen, die auch bei der rheumatoiden Arthritis beschrieben werden. Daher untersuchten Forscher aus Ägypten nun erstmals, ob es einen Zusammenhang zwischen diesen drei chronisch-entzündlichen Erkrankungen gibt. Hierzu untersuchten die Wissenschaftler 100 Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) und 50 "gesunde" Vergleichspersonen. Von den RA-Patienten hatten 50 zugleich eine koronare Herzkrankheit, die übrigen 50 hatten diese nicht. Alle Teilnehmer durchliefen dabei eine rheumatologische, kardiologische und eine zahnärztliche Untersuchung. Neben der klinischen Untersuchung und der Beurteilung von Röntgenbefunden gehörten hierzu auch Laboruntersuchungen auf verschiedene Marker, die eine Entzündung im Körper anzeigen.
Wie die Analyse ergab, litten RA-Patienten deutlich häufiger an einer Parodontitis als "Gesunde". Lag bei RA-Patienten gleichzeitig eine koronare Herzerkrankung vor, stieg das Risiko für Parodontitis sogar noch weiter an. Ein ähnliches Bild ergab die Bestimmung der Entzündungsmarker. RA-Patienten, bei denen alle drei Erkrankungen vorlagen, wiesen auffallend hohe Entzündungswerte auf. Während umgekehrt die Schwere der Parodontitis u.a. mit der Krankheitsdauer und der Aktivität der RA in Verbindung stand. Die Autoren schließen aus diesen Resultaten deshalb, dass es einen Zusammenhang zwischen rheumatoider Arthritis, koronarer Herzkrankheit und Parodontitis sowie verschiedenen Entzündungsmarkern gibt. Ihres Erachtens ist die systemische (den gesamten Organmismus betreffende) Entzündungsreaktion dabei das wahrscheinlichste Bindeglied zwischen allen drei Erkrankungen. Wie die Arbeitsgruppe fortführt, könnte das Vorliegen einer Parodontitis demnach ein neuer Faktor sein, der ein erhöhtes Risiko für Gefäßveränderungen und daraus resultierende Herzkreislauferkrankungen anzeigt.
Anmerkung der Redaktion: Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse könnte die konsequente antientzündliche Behandlung der rheumatoiden Arthritis zugleich das Risiko für Arteriosklerose bzw. Herzkreislauferkrankungen und Parodontitis reduzieren. Patienten mit rheumatoider Arthritis sollten im Licht dieser Ergebnisse zudem besonderen Wert auf eine sorgfältige Mund- und Zahnhygiene mit regelmäßigen zahnärztlichen Kontrollen legen.




