Morbus Bechterew
Welche Rolle spielen Umweltfaktoren?
Morbus Bechterew, auch ankylosierende Spondylitis (AS) genannt, ist eine rheumatische Erkrankung, deren Auslöser und Verlaufsfaktoren noch weitgehend unbekannt sind. Zwar weist die Mehrheit der AS-Patienten den humangenetischen Marker HLA-B27 auf. Doch neben genetischen Faktoren scheinen auch Umwelteinflüsse bei der Entstehung der Krankheit eine Rolle zu spielen.
Diese Vermutungen liegen nahe, denn das Auftreten der Erkrankung kann nicht allein auf die Genetik zurückgeführt werden. So sind z.B. auch sechs bis acht Prozent aller gesunden Menschen HLA- B27-positiv. Darüber hinaus gilt bei vielen mit der AS verwandten Krankheiten ein Zusammenhang mit Umwelteinflüssen als erwiesen. Insbesondere die Rolle von Infektionen, körperliche Stressfaktoren - wie Arbeitsbelastung oder vorausgehende Verletzungen betroffener Gelenke - und psychischer Stress wurden deshalb in der Vergangenheit wiederholt mit der AS in Verbindung gebracht.
Um herauszufinden, ob diese Zusammenhänge bei der Entstehung des Morbus Bechterew tatsächlich von Bedeutung sind, führte ein deutsches Forscherteam eine groß angelegte Bevölkerungsstudie durch. Einbezogen waren 1.080 AS-Patienten (Studiengruppe) und weitere 102 Patienten mit Bandscheibenvorfall, die als Kontrollgruppe dienten. Mithilfe eines Fragebogens wurde erhoben, welche der vermuteten potentiellen Auslöser bei den Studienteilnehmern vor dem Erscheinen der ersten Krankheitssymptome aufgetreten waren.
Drei Monate vor Auftreten der ersten AS-Symptome berichtete die Studiengruppe vergleichsweise häufig von Infektionen: 4,6 Prozent hatten Magen-Darm-Infekte, 2,5 Prozent Infektionen der Harnwege und 2,6 Prozent Atemwegsinfekte. Weitere Ereignisse, die in diesem Zeitraum vergleichsweise häufig auftraten, waren starke körperliche Aktivitäten (5 Prozent), emotionaler Stress (4,2 Prozent) und Arbeitsstress (3,1 Prozent). Verletzungen und Operationen waren hingegen mit 1,7 bzw. 0,7 Prozent selten.
Außerdem zeigte sich, dass besonders Arbeitsstress und Infektionen deutlich häufiger in dem Jahr unmittelbar vor Krankheitsbeginn auftraten. Infektionen und Arbeitsstress können somit als potentielle Auslöser für AS gelten; jedoch sprechen die insgesamt niedrigen Raten dafür, dass sie nur einen geringen Teil der Umweltfaktoren ausmachen, die zusammen mit einer genetischen Prädisposition zu der Entwicklung der chronisch-entzündlichen Krankheit führen.




