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Kinderrheuma

Expertenempfehlungen zur Psoriasis-Arthritis bei Kindern

Gelenkerkrankungen verlaufen bei Kindern häufig anders als bei Erwachsenen. Daher haben Experten sich nun mit Diagnose und Therapie der Psoriasis-Arthritis bei Kindern und Jugendlichen beschäftigt.

Psoriasis, im Volksmund auch Schuppenflechte genannt, ist mit etwa 1,2-1,6 Millionen Betroffenen in Deutschland eine der häufigsten chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen. Bei etwa einem Drittel der Patienten tritt sie vor dem 20. Lebensjahr auf. Sie kann sehr belastend sein und zeigt bei Kindern eine Reihe von Besonderheiten, die sie von der Psoriasis der Erwachsenen abgrenzt.

So ist bei Kindern am häufigsten die Kopfhaut betroffen, gefolgt von den Streckseiten der Extremitäten, dem Oberkörper und den Fuß- bzw. Fingernägeln. Zudem sind bei ihnen die entzündlichen Hautveränderungen häufig im Gesicht zu finden. Weitere typische Charakteristika stellen die sogenannte Windelpsoriasis und eine spezielle Form der Psoriasis im Zusammenhang mit Streptokokkeninfektionen (z.B. Scharlach oder Angina) dar.

Wie bei Erwachsenen kann es auch bei Kindern zum Auftreten von Gelenkbeschwerden (Psoriasis-Arthritis) kommen. Anders als bei den Erwachsenen treten die Gelenksymptome allerdings häufig vor den Hautbeschwerden auf. Zudem wird die Form der Erkrankung hier juvenile Psoriasis-Arthritis genannt (jPsA) und der so genannten juvenilen idiopathischen Arthritis (JIA) zugeordnet. Für das Auftreten gibt es zwei Häufigkeitsgipfel: Kleinkindalter und späteres Schulalter. Etwa jedes zehnte Kind entwickelt dabei neben den typischen Gelenkbeschwerden auch Augenprobleme - meist im Sinne einer Uveitis.

Wie Experten auf einem Konsensustreffen übereinkamen, erfolgt die Diagnose der Psoriasis und der Psoriasis-Arthritis bei Kindern und Jugendlichen anhand der individuellen Symptome. Hinweisende Befunde sind bei der jPsA z.B. eine Oligoarthritis mit Befall eines Kniegelenkes, Strahlbefall (Daktylitis) oder ein Befall der Endgelenke. Zusätzlich vorliegende Haut- und Nagelveränderungen erleichtern die Diagnose. Daneben spielt die familiäre Vorbelastung eine wichtige Rolle. Zur weiteren Klärung eines möglichen Gelenkbefalls empfehlen die Experten seit neuestem die Untersuchung fraglicher Regionen mittels Ultraschall. Mit dieser nichtinvasiven und schmerzfreien Methode lassen sich entzündliche Veränderungen oft frühzeitig darstellen. Alternativen sind das Röntgen und die Kernspintomographie. Des Weiteren sollten nach Ansicht der Experten Blut- sowie Augenuntersuchungen erfolgen.

Sind Hauterscheinungen vorhanden, empfehlen die Spezialisten eine konsequente und intensive lokale Behandlung, um die entzündliche Aktivität zu bremsen. Etwaige Gelenkbeschwerden sollten ihres Erachtens frühzeitig mit antientzündlichen Schmerzmitteln (nicht-steroidale Antirheumatika) und Kortison-Injektionen direkt in die betroffenen Gelenke behandelt werden. Ist dennoch eine Basistherapie notwendig, könne lt. den Experten Methotrexat als Mono- oder Kombinationstherapie - dann zusammen mit anderen Präparaten - eingesetzt werden. Bei Nichtansprechen bzw. hoher Krankheitsaktivität sei darüber hinaus auch der Einsatz der neueren Biologika möglich. Zugelassen für die JIA ist hier derzeit allerdings lediglich der Wirkstoff Etanercept. Da die jPsA - im Vergleich mit der PsA bei Erwachsenen - jedoch noch zu wenig untersucht sei, fordern die Experten entsprechende Studien, um weitere Erkenntnisse zur Erkrankung und zum optimalen Umgang mit ihr zu gewinnen. Darüber hinaus halten sie es für ratsam, dass die Kinder und ihre Eltern an speziell auf sie abgestimmten Schulungen über die Erkrankung teilnehmen.

Ein weiterer Labortest stellt die Untersuchung auf das zelluläre Antigen HLA-B27 dar. Es gehört zum so genannten HLA-System, das bei der Immunabwehr und der immunologischen Steuerung eine wichtige Rolle spielt. HLA-B27 ist bei bis zu 80% der Kinder zu finden, die eine Arthritis mit Enthesitis-Neigung (Entzündung der Sehnenansätze) haben. Auch bei anderen rheumatischen Erkrankungen wie dem M. Bechterew kommt HLA-B27 gehäuft vor.

Neben den Labortests sind bildgebende Verfahren wie Ultraschall- oder Röntgenuntersuchungen von zentraler Bedeutung. Sie können zwar zu Beginn der Erkrankung häufig noch keine typischen Veränderungen nachweisen, weil diese erst später auftreten, dienen jedoch dem Ausschluss anderer Erkrankungen. Zudem kann der Arzt mit ihnen den weiteren Krankheitsverlauf und den Therapieerfolg kontrollieren und seine Behandlung ggf. entsprechend anpassen.


Quelle: Sticherling M. et al.: Psoriasis und Psoriasisarthritis im Kindes- und Jugendalter. Z Rheumatol 2007 - 66:349-354
Autor: Springer Medizin
Stand: Jan 14, 2009


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