Behandlung
Selbsthilfe-Vereinigungen protestieren gegen ARD-Film zu neuer Hautsalbe
Was ist dran an einer Wundersalbe gegen Schuppenflechte und Neurodermitis? Der Deutsche Psoriasis Bund und der Deutsche Neurodermitis Bund haben scharf auf den ARD-Beitrag zu derSalbe reagiert, die angeblich Psoriasis und Neurodermitis heilen soll. Beide Selbsthilfevereinigungen bedauern den PR-Charakter der Sendung und die übertriebenen Heilsversprechen.
Am Montagabend war im ARD-Film "Heilung unerwünscht - Wie Pharmakonzerne ein Medikament verhindern"- mit dramatischen und aufwühlenden suggestiven Bildern der Bericht über eine Salbe gelaufen, die angeblich Neurodermitis und Schuppenflechte heilen können. Aber große Pharmakonzerne hätten verhindert, dass die Salbe je auf den Markt kam, weil sie ihre eigenen teuren Präparate verkaufen wollten.
Die angebliche Wundersalbe aus Avocadoöl und Vitamin-B12-Pulver war auch am Mittwochabend Thema bei der ARD-Sendung "Hart, aber fair".
Inzwischen stellte sich heraus, dass zeitgleich ein Buch des Film-Autors zum Thema erscheinen wird. Außerdem wurde gerade bekannt, dass eine Schweizer Firma die Salbe herausbringen will (wie kurz berichtet).
Der Deutsche Psoriasis Bund (DPD) reagierte scharf auf die Sensationsdarstellung des Films. "Dieser ARD-Bericht ist barer Unsinn", so Privatdozent Thomas Rosenbach, Sprecher des Wissenschaftlichen Beirats des Deutschen Psoriasis Bundes in einer Mitteilung des Bundes. "Die Psoriasis ist wissenschaftlich unbestritten eine multigenetische chronische System-Erkrankung. Nach dem derzeitig weltweit verfügbaren medizinischen Wissen ist eine Psoriasis nicht heilbar."
Die ARD könne sich nicht von dem Anschein frei sprechen, Werbung für ein Produkt gemacht zu machen. Es dränge sich der Verdacht auf, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen zu Marketingzwecken missbraucht wurde.
Der DPB hat den Vorsitzenden der ARD-Intendanten aufgefordert, sich öffentlich für die Missachtung publizistischer Grundsätze zu entschuldigen und den Deutschen Presserat angerufen.
Auch der Deutsche Neurodermitis Bund (DNB) reagierte scharf auf den Film. "Schade, dass sich jetzt auch schon eine öffentlich-rechtliche Sendeanstalt völlig kritiklos für solche PR-Aktionen hergibt", so Thomas Schwennesen, 1. Vorsitzender des DNB, in einer Mitteilung des Bundes. "Es ist eine Schande und blanker Zynismus, dass die PR-Einführung eines normalen Hautpflege-Produktes sich der Pharmaschelte als Aufhänger für eigene Geschäfte bedient."
Bei Schuppenflechte und Neurodermitis gibt es verschiedene medizinische Therapieansätze. Die Erkrankungen sind aber nicht heilbar. Daran erinnerte Schwennesen erinnerte. Die Salbe solle nun das alles auch noch ohne Nebenwirkungen schaffen. Außerdem sei die Äußerung, dass ein Produkt ohne jegliche Nebenwirkung wirke, pharmakologisch unhaltbar. Die ARD habe mit diesem Beitrag den etwa fünf Millionen Neurodermitikern einen Bärendienst erwiesen und sich selbst journalistisch ins Abseits gestellt.






