UV-Licht
Sommersonne und Solarium – Bei Psoriasis erlaubt?
Viele Psoriatiker wissen: Sonne tut ihrer Haut wohl. Doch zuviel des Guten kann schaden. In geringen Dosen schützt Sonne vor Hautkrebs, in hohen löst sie ihn aus. Zuverlässiger Lichtschutz ist also unverzichtbar.
Weshalb Sonnenlicht gut ist
Sonnenlicht ist für den menschlichen Organismus überlebensnotwendig. In der obersten Hautschicht, der Epidermis, bewirkt die UV-Strahlung die Umwandlung von Provitamin D3, einer Vorstufe von Vitamin D, in Vitamin D3, auch Cholecalciferol genannt. Dieses ist instabil und wird, unter der Einwirkung von Sonnenlicht, schnell in unwirksame Produkte abgebaut. Gelangt Vitamin D3 dagegen über das Blut in die Leber, wird es dort zu Calcidiol (25(OH)Vitamin D3), einer Art Speicherform von Vitamin D3, umgewandelt. Wiederum über das Blut in die Niere transportiert, wird aus Calcidiol das biologisch aktive Calcitriol (1,25(OH)2Vitamin D3), das dann in verschiedenen Geweben seine Wirkung entfalten kann. Erhält der Körper zu wenig Sonne, kommt es zu einem Mangel an Vitamin D mit erheblichen gesundheitlichen Risiken, z.B. für Knochen- und Herzkreislauferkrankungen.
Von vielen Patienten mit entzündlichen Hauterkrankungen wie der Psoriasis wird Sonnenlicht als angenehm und lindernd empfunden. Darüber hinaus schützt es in geringen Dosen vor Hautkrebs. Wissenschaftler haben nachgewiesen, weshalb das so ist: UV-Strahlung löst auch in der Haut die Umwandlung von inaktivem in aktives Vitamin D aus, und zwar durch sogenannte dendritische Zellen, die zum Immunsystem gehören. Das aktive Vitamin D wiederum lockt T-Zellen des Immunsystems an, die kleinere Schäden in Hautzellen sofort beheben können. Infolge der Einwirkung von Sonnenlicht aktiviert Vitamin D somit in der Haut das natürliche Abwehrverhalten des Körpers gegen Hautschäden, wie sie beispielsweise bei Entzündungen oder Krebs vorkommen.
Zuviel Sonne schädigt die Haut
Die Haut reagiert auf Sonnenlicht mit einer verstärkten Pigmentierung in Form von Hautbräune. Dadurch kann die UV-Strahlung bereits in den obersten Hautschichten abgeblockt werden. Doch wird die Sonnenstrahlung zu intensiv, reicht dieser natürliche Sonnenschutz nicht mehr aus. Die UV-Strahlung dringt dann in tiefere Schichten vor und bewirkt dort eine Entzündung, die sich als Sonnenbrand bemerkbar macht.
Zu häufige intensive Sonneneinstrahlung fördert die Hautalterung mit Faltenbildung und Altersflecken. Außerdem begünstigt sie die Entstehung von sowohl schwarzem Hautkrebs, dem malignen Melanom, als auch Nicht-Melanom-Hautkrebs (auch „heller Hautkrebs“ genannt) wie Basalzellkarzinom (Basaliom) und Plattenepithelkarzinom (Spinaliom, Stachelzellkarzinom). Weltweit steigt die Zahl der Hautkrebsfälle stetig an. Allein in Deutschland erkranken jedes Jahr rund 15.000 Menschen an schwarzem und etwa 120 von 100.000 Menschen an hellem Hautkrebs.
Das Risiko beginnt bereits in der Kindheit
Zwar sind die meisten Hautkrebspatienten älter als 40 Jahre, doch kann die Ursache ihrer Erkrankung bereits in der Kindheit liegen. Untersuchungen zeigen, dass jeder Sonnenbrand vor dem 20. Lebensjahr das Risiko für Vorstufen von schwarzem Hautkrebs steigert. Die Haut hat gewissermaßen ein langes Gedächtnis, das keinen Sonnenstrahl vergisst. Zudem ist gerade bei Kindern der Selbstschutz der Haut noch nicht vollständig entwickelt. Erst im Alter von etwa 15 Jahren kann die Haut in ausreichendem Maße auf UV-Strahlung reagieren.
Sonnenbaden? Ja, aber nur in Maßen und mit Schutzvorkehrungen
Sonnenbaden ist deshalb nur dann zu empfehlen, wenn ausreichende Schutzvorkehrungen getroffen werden. Dazu gehören beispielsweise sonnendichte Kleidung, die Anwendung von Sonnencremes mit hohem Lichtschutzfaktor, Kopfbedeckung mit Nacken- und Ohrenschutz und eine Sonnenbrille.
Der Lichtschutzfaktor von Sonnencremes gibt an, um welche Zeit ein Aufenthalt in der Sonne verlängert werden kann, ohne dass gesundheitliche Schäden zu befürchten sind. Die Ausgangszeit richtet sich dabei nach dem jeweiligen Hauttyp. Er bestimmt, wie stark der Selbstschutz der Haut ausgeprägt ist. Helle Typen mit roten oder blonden Haaren reagieren auch bei intensiver Sonneneinwirkung nur mit geringer Hautpigmentierung und dürfen daher ohne Schutz nur kurzzeitig in die Sonne. Durch Sonnencremes mit hohem Lichtschutzfaktor lässt sich diese Zeit verlängern. Aber Vorsicht: Mehrmaliges Auftragen der Creme am Tag ist zwar, besonders beim Baden, angeraten, verlängert aber nicht die Gesamtwirkzeit des Lichtschutzes!
Vorsicht auch im Solarium!
Im Winter, wenn die Sonne hierzulande kaum scheint, weichen viele gern ins Solarium aus. Doch auch die UV-Strahlung der künstlichen Sonnenbank kann Sonnenbrand auslösen und die Entstehung von Hautkrebs begünstigen. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hat deshalb die künstlich erzeugte UV-Strahlung (UV-Strahlung der Wellenlänge 100 – 400 nm) ebenso wie die natürliche in die höchste Krebsrisikostufe eingeordnet. Die UV-Bestrahlung durch Sonnenbänke steht damit in einer Reihe mit den Krebsrisiken Rauchen, Alkohol oder Asbestbelastung. Anlass für die Einstufung des künstlichen Sonnenlichts als hohes Krebsrisiko durch die IARC war u.a. eine zusammenfassende Analyse von mehr als 20 epidemiologischen Studien. Diese ergab, dass das Risiko für schwarzen Hautkrebs, das sogenannte maligne Melanom, bei regelmäßigen Sonnenbank-Besuchen um 75 Prozent steigt, wenn damit vor dem 30. Lebensjahr begonnen wird. Um Kinder und Jugendliche besser vor den Gefahren der künstlichen Sonnenbanken zu schützen, beschloss der Bundestag in diesem Sommer das Gesetz zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung. Darin wird Minderjährigen der Besuch von Solarien zu kosmetischen Zwecken untersagt.
Solarium ersetzt keine Lichttherapie
Auch wenn Sommersonne und Solarium als angenehm empfunden werden - die therapeutische Bestrahlung können sie nicht ersetzen. Sogar im Gegenteil: Durch regelmäßige Besuche des Solariums wird die Möglichkeit, eine Lichttherapie durchzuführen, eingeschränkt, da eine zu häufige Bestrahlung mit UV-Licht schädlich wäre. Psoriasis-Patienten sind deshalb besser beraten, mit ihrem Hausarzt über eine eventuelle Lichttherapie zu sprechen, statt den Solariumsbesuch zur „Behandlung“ ihrer Hautbeschwerden in Erwägung zu ziehen.





