
Psoriasis und Sexualität
Bessere Beratung gewünscht
Eine Hautkrankheit wie die Schuppenflechte hat auch Einfluss auf Sexualität und Partnerschaftsverhalten. Die Betroffenen wünschen sich oftmals eine bessere Beratung durch den behandelnden Arzt.
Die menschliche Haut ist weit mehr als nur ein Schutzschild der inneren Organe gegen Einwirkungen von außen. Sie stellt auch den Kontakt zur Umwelt her. „Sich nicht wohlfühlen in seiner Haut“, „vor Neid erblassen“, „die Haut ist ein Spiegel der Seele“ – diese Redensarten drücken aus, dass die äußere Hülle Haut eng mit unserer Psyche und dem Befinden verbunden ist. So ist es nicht verwunderlich, dass sich Hautkrankheiten auch auf die seelische Befindlichkeit der Betroffenen, ihre Sexualität und Partnerschaft auswirken können.
Gefühle wie Angst und Scham sind keine Seltenheit
Scham und damit verbundene Ängste vor Ablehnung durch Mitmenschen sind häufige Gefühle, die Psoriasispatienten erleben. Sie basieren zum Teil auf negativen Erfahrungen, die die Betroffenen im Laufe ihrer Krankheit machen müssen, können aber auch die Folge einer eigenen besonders kritischen Wahrnehmung des Körpers sein. Manche Psoriasispatienten ziehen sich aufgrund solcher Ängste zurück. Sie scheuen den Kontakt mit anderen und vermeiden Freizeitaktivitäten, bei denen sie Haut zeigen müssen, wie Sport, Saunagänge oder Freibadbesuche. In einer Partnerschaft kann das auf Dauer zu Konflikten führen.
Das Sexualleben kann beeinträchtigt sein
Auch der Umgang mit Sexualität kann durch die Hautkrankheit beeinträchtigt sein. Zwar zeigen Untersuchungen, dass die überwiegende Mehrzahl der Psoriasispatienten mit ihrer Sexualität zufrieden ist, unter den Partnern und Partnerinnen von Psoriasispatienten sind es sogar neun von zehn. Dennoch finden sich deutliche Unterschiede im Sexualleben zu Hautgesunden. So beispielsweise in einer Studie der Justus-Liebig-Universität Gießen zu Hautkrankheit und Sexualität, in der 53 Psoriasis-, 24 Neurodermitis-Patienten und 52 Hautgesunde befragt wurden. Die Hautkranken tauschten deutlich seltener Zärtlichkeiten mit dem Partner oder der Partnerin aus als die Hautgesunden. Insbesondere die Psoriatiker erlebten sich gehemmter und unfreier in ihrem Sexualleben und hatten häufiger das Gefühl, dass der Partner oder die Partnerin sexuellem Kontakt ausweichen würde. Eine weitere Untersuchung kam zu der Vermutung, dass die Häufigkeit sexueller Beeinträchtigungen davon abhängt, wie schwer die Hautkrankheit ist und ob gleichzeitig psychische Probleme bei den Betroffenen vorliegen. Darüber hinaus glauben Psoriasispatienten offenbar seltener als Hautgesunde, ihr Sexualleben aktiv beeinflussen zu können: Sie schätzen laut einer Untersuchung ihre sexuellen Fähigkeiten geringer ein als Hautgesunde und machen häufiger das Schicksal dafür verantwortlich, ob ihr Sexualleben gut funktioniert oder nicht.
Eine bessere Beratung wünschen sich viele
Den Wunsch nach einer besseren Beratung äußern viele Betroffene. So gaben in der Gießener Studie 93 Prozent der befragten Psoriasispatienten an, von den behandelnden Ärzten noch nie auf ihre Sexualität angesprochen worden zu sein. Offenbar schenken auch viele Ärzte dem Aspekt Sexualität bei Hautpatienten nur dann Beachtung, wenn die Hautkrankheit unmittelbar die Geschlechtsorgane betrifft oder wenn eine Geschlechtskrankheit vorliegt. Zudem richtet sich die Aufmerksamkeit selbst in diesen Fällen vornehmlich auf die Hautläsionen und weniger auf die Auswirkungen, die diese auf das Sexualleben der Betroffenen haben können.
Probleme mit dem Arzt besprechen
Der Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten kann ein kompetenter Partner für Psoriasispatienten bezüglich Fragen zur Hautkrankheit und ihren Folgen für die Sexualität sein. Betroffene sollten sich deshalb nicht davor scheuen, ihrem Arzt Vertrauen zu schenken und ihn auf Sexualität anzusprechen. Oftmals lassen sich viele Probleme bereits durch ein klärendes Gespräch lösen oder erscheinen zumindest in einem anderen Licht. Kann der Arzt selbst nicht weiterhelfen, kennt er womöglich andere Anlaufstellen und Adressen, etwa von Sexualtherapeuten, die als Ansprechpartner infrage kommen.
In der Partnerschaft offen mit der Krankheit umgehen
Unausgesprochene Konflikte sind für eine Partnerschaft auf Dauer eine Belastung. Psoriasispatienten sollten deshalb auch gegenüber ihrem Partner bzw. ihrer Partnerin einen offenen Umgang mit der Krankheit anstreben. Sprechen beide Seiten ihre Wünsche und Gefühle hinsichtlich des Sexuallebens an, können eventuelle Probleme auch gemeinsam gelöst werden.






