
Interview
Schuppenflechte schlägt auf´s Gemüt
"Psoriasis & Psyche" war das Thema unserer Expertensprechstunde am Dienstag, den 24. April 2007. Herr Prof. Schmid-Ott, Spezialist für dermatologische Psychosomatik und Psychotherapie, beantwortete die Fragen der zahlreichen Anrufer, die mehr zur seelischen Belastung bei Schuppenflechte erfahren wollten.
Schuppenflechte-Patienten kennen das Phänomen: In sehr stressigen Lebenssituationen blüht ihre Erkrankung regelrecht auf. Auch die Erkrankung selbst stellt eine seelische Belastung dar: die Symptome, aber auch die langwierigen und zum Teil erfolglosen Behandlungen.
Die Autoren einer US-amerikanischen Studie zur Lebensqualität mit Psoriasis verglichen die Auswirkungen der Hautkrankheit auf den Alltag mit Beeinträchtigungen bei z.B. Arthritis, Diabetes, Krebs, chronischen Lungenerkrankungen oder einem Herzinfarkt. Bezogen auf ihre seelische Gesundheit fühlten sich nur Patienten mit Depressionen stärker beeinträchtigt. Daher reicht häufig die alleinige Behandlung der Haut nicht aus. Aspekte wie Lebensqualität, soziales und berufliches Umfeld werfen weitere Fragen auf, denen sich der Experte Schmid-Ott in der Sondersprechstunde widmete.
Im folgenden eine Zusammenfassung wesentlicher, anonymisierter Aspekte der Expertensprechstunde, die unser Experte Prof. Schmid-Ott für Sie zusammengestellt hat:
Eine Frage, die an Psoriasis erkrankte Patientinnen oder Patienten immer wieder stellen, ist, ob sich die Schuppenflechte durch seelische Faktoren verschlimmern kann. Dazu gibt es zweierlei zu sagen: es gibt keine Studien, aus denen zwingend hervorgeht, dass starke psychische Belastungen eine Psoriasis verschlimmern müssen. Allerdings berichten Betroffene immer wieder, dass eine plötzliche intensive seelische Belastung bzw. Überlastung ihre Schuppenflechte verstärkte. Das kann ein Hausbrand sein oder auch der plötzliche Tod eines nahen Angehörigen, z.B. bei einem Unfall. Falls die Vermutung besteht, dass ein solcher seelisch-körperlicher, d.h. psycho-somatischer Zusammenhang wahrscheinlich ist, sollte natürlich - wie stets - eine konsequente dermatologische Therapie im Zentrum der Behandlung stehen.
Allerdings gibt es Situationen, in denen die Betroffenen eine starken seelischen Belastung oder Überlastung auch nach einem längeren Zeitraum, z.B. nach vielen Monaten oder gar mehreren Jahren, nicht verarbeiten können. Dann ist ein diagnostisches Gespräch bei einer Fachärztin bzw. einem Facharzt für Psychosomatik und Psychotherapie bzw. für Psychiatrie und Psychotherapie oder einem approbierten psychologischen Psychotherapeuten zu erwägen, bei dem dann besprochen werden kann, inwieweit psychotherapeutische Gespräche bei der Bewältigung der momentanen Lebenssituation notwendig bzw. hilfreich sind. Die Adressen der entsprechenden Fachärzte bzw. Diplom-Psychologen kann man bei den behandelnden Hautärzten, aber auch bei den Krankenkassen bekommen. Was sind nun die Zeichen für eine solche seelische Überlastung? Dafür sprechen, unter anderem, häufige Träume von der entsprechenden Situation, in dem genannten Beispiel der plötzliche Tod eines nahen Angehörigen, oder auch regelmäßige, quälende Erinnerungen über einen längeren bzw. langen Zeitraum.
Seelische Belastungen, wie z.B. der Tod der Eltern, führen zwar - glücklicherweise - nicht immer zu verstärkten Beschwerden von Seiten der Schuppenflechte. Psychische Überlastungen können jedoch auch auf der seelischen Ebene Konsequenzen haben, z.B. indem die oder der Betroffene, unabhängig von der Psoriasis, an einer depressiven Störung erkrankt. In diesem Falle sollte neben der dermatologischen Behandlung der Schuppenflechte diskutiert werden, ob Haut- oder Hausarzt die Depression behandeln oder ob wiederum eine Fachärztin bzw. ein Facharzt für Psychosomatik und Psychotherapie bzw. für Psychiatrie und Psychotherapie oder ein approbierter psychologischer Psychotherapeut hinzugezogen wird, um eine fachgerechte Behandlung der seelischen Probleme durchzuführen.Eine weitere Frage, die sich an einer Psoriasis oder auch einer Psoriasisarthritis erkrankte Patientinnen oder Patienten häufiger stellen und die sie teilweise seelisch immer wieder belastet, ist, inwieweit sie die Schuppenflechte bzw. die Anlage dafür vererben. Inzwischen gibt es recht zuverlässige wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass die Kinder bzw. Enkel eine Schuppenflechte bekommen, wenn ein Elternteil, die Eltern bzw. die Großeltern an einer Psoriasis leiden. Das ist unter anderem von dem Alter bei Erkrankungsbeginn abhängig und davon, ob Mutter bzw. Vater oder beide erkrankt sind. Genauere Informationen können die Betroffenen bei den sie behandelnden Hautärztinnen bzw. Hautärzten erhalten oder z.B. bei der Selbsthilfeorganisation Deutscher Psoriasis Bund e.V. in Hamburg.






