Kinderwunsch
Medikamentöse Therapie bei Schwangeren
Was für Konsequenzen hat die Gabe von Medikamenten während einer Schwangerschaft für mich und mein Kind? Gerade wenn es aufgrund der Schwere einer Psoriasis-Erkrankung nicht so ohne weiteres möglich ist, auf eine Behandlung zu verzichten? Welche Medikamente sind sicher? Das alles sind Fragen, die werdende Müttern häufig beschäftigen und auf die es nicht immer klare Antworten gibt.
Eine große Anzahl von Arzneimitteln für chronische Erkrankungen sind nicht für die Behandlung in der Schwangerschaft zugelassen. Für viele zeigte sich im Rahmen der klinischen Erfahrungen jedoch keine nennenswerte Gefahr im Hinblick auf Geburtsfehler. Hinreichend erprobte Arzneimittel gibt es beispielsweise für die Behandlungen von Allergien, Asthma oder Diabetes mellitus.
Bei chronisch entzündlichen Krankheiten wie der Psoriasis und der Psoriasis-Arthritis gibt es allerdings nach wie vor Situationen, in denen auf Medikamente mit möglicher oder gesicherter fruchtschädigender Wirkung nur schwer verzichtet werden kann.
Retinoide
Aufgrund der ausgeprägt fruchtschädigenden Wirkung der Retinoide (Vitamin A und seine Abkömmlinge) wird hier von den Ärzten des Pharmokovigilanz- (Vigilanz = Wachsamkeit/Bewusstseinshelle) und Beratungszentrums für Embryonaltoxikologie in Berlin empfohlen: Abhängig vom Präparat sollte die Therapie 4 Wochen (Isotretinoin) bis 2 Jahre (Acitretin und sein Stoffwechselprodukt Etretinat) vor einer Schwangerschaft beendet werden.Wird diese Frist nicht eingehalten, ist, insbesondere bei einer Behandlung bis in die Frühschwangerschaft hinein, mit einer Schädigung des werdenden Kindes in 30 bis 50% aller Fälle zu rechnen.Drohende Folgen sind dann neben einem erhöhten Risiko von Spontanarborten (spontanen, oftmals unbemerkten Fehlgeburten) vor allem das so genannte Retinoidsyndrom. Unter diesem Begriff versteht man ein unterschiedlich stark ausgeprägtes, aber in der Art der Störungen durchaus typisches Bild mit:
- Störungen der Gesichts- und Gaumenbildung
- Fehlanlage der Ohren einschließlich des Gehörganges
- Defekten im Herz-Kreislaufsystem
- Entwicklungsstörungen im Bereich des Thymus und des zentralen Nervensystems
Darüber hinaus wurden Intelligenzdefizite auch bei Kindern ohne erkennbare Fehlbildungen beobachtet.
Methotrexat und Cyclophosphamid
Um die Behandlung mit niedrig dosiertem Methotrexat bei chronisch entzündlichen Erkrankungen unter dem Aspekt der Fruchtschädigung zu testen, wurden Daten von mehr als 60 publizierten Schwangerschaftsverläufen für die ersten drei Monate ausgewertet. Sieben Feten erlitten dabei Fehlbildungen, von denen vier die Charakteristika einer Methotrexat/Cyclophosphamid-Schädigung (Embryopathie) aufwiesen. Ein Fehlbildungsrisiko bei einer wöchentlichen Dosis von weniger als 10 mg wurde bisher nicht beschrieben. Auch eine höhere Dosierung zwischen 10 und 25 mg ergab keine Hinweise auf schädigende Wirkungen für das ungeborene Kind. Trotzdem sollte bei einer Schwangerschaft Methotrexat durch eine alternative Therapie ersetzt werden, weil ein geringes Fehlbildungsrisiko auch bei der genannten Dosis nicht auszuschließen ist.
Azathioprin und Cyclosporin A
Azathioprin und Cyclosporin A zählen zu den am besten untersuchten Immunsuppressiva. Die Therapie mit Azathioprin ist mit etwa 1.000 Schwangerschaftsverläufen sehr gut dokumentiert. Fehlbildungsrisiken wurden hier nicht festgestellt. Dies gilt auch für Cyclosporin A, wobei es hierzu weniger Fallstudien gibt.
Biologics
Von den neueren Wirkstoffen Etanercept, Infliximab und Adalimumab liegen für Infliximab die meisten Erfahrungen vor. Hier konnten die Daten von 40 Schwangerschaftsverläufen in den ersten drei Monaten ausgewertet werden: Es zeigte sich keine das Embryo schädigende Wirkung.
Leflunomid und Antimalariamittel wie Chloroquin
Das Medikament Leflunomid zeigte in Tierversuchen teilweise fruchtschädigende Wirkung. Bei den wenigen ausgetragenen Schwangerschaften wird aber vorwiegend über gesunde Neugeborene berichtet. Bei den Medikamenten Hydroxychloroquin und Chloroquin bestehen mehr Vorbehalte: In Tierexperimenten und in einzelnen Fällen auch beim Menschen war unter anderem eine Schädigung der Augen- und Gehörentwicklung des Ungeborenen aufgetreten.
Glukokortikoide und Sulfasalzin
Als antirheumatisches Basistherapeutikum der ersten Wahl für Schwangere gilt Sulfasalazin. Auch Glukokortikoide können gegen chronisch entzündliche Erkrankungen eingesetzt werden. Das Risiko für die Entwicklung einer Gaumenspalte beim ungeborenen Kind durch eine Kortikoid-Therapie während der ersten drei Schwangerschaftsmonate gilt als sehr gering.
Abschließend ist anzumerken, dass nach wie vor mehr Kinder durch Alkoholkonsum in der Schwangerschaft geschädigt werden als durch Medikamenteneinnahme. In Deutschland werden jährlich schätzungsweise 500 bis 800 Kinder mit einem so genannten fetalen Alkoholsyndrom (FAS) geboren, und etwa 4.000 bis 5.000 mit "leichteren" fetalen Alkoholeffekten (FAE).





