Stimmt‘ s?

Schuppenflechte: Mythen und Fakten

Irgendwie hat man schon von der Krankheit gehört, doch was weiß man eigentlich wirklich über die Schuppenflechte? Der folgende Text klärt den einen oder anderen Mythos auf.

Stimmt es, dass...

...Schuppenflechte ansteckend ist?

Nein. Schuppenflechte, oder Psoriasis, wie sie von Medizinern genannt wird, ist keine ansteckende Krankheit. Sie kann nicht durch direkten oder indirekten Körperkontakt übertragen werden. Also auch im Fitnessstudio oder beim gemeinsamen Saunabesuch muss man keine Angst haben, sich bei einem Psoriasispatienten anzustecken.

...Schuppenflechte durch schlechte Hygiene entsteht?

Nein, auch eine schlechte Hygiene ist nicht die Ursache für Schuppenflechte. Sorgfältige körperliche Hygiene kann allerdings die Beschwerden, die im Rahmen einer Schuppenflechte-Erkrankung auftreten, oftmals bessern. Deshalb sollten Schuppenflechte-Patienten ihre Haut besonders gründlich von Schmutz und potenziellen Krankheitserregern reinigen, dabei aber auch schonend mit ihrer Haut umgehen. Spezielle Pflegetipps finden Sie hier.

...Schuppenflechte vererbt werden kann?

Tatsächlich spielt eine erbliche Veranlagung bei der Entstehung der Schuppenflechte eine Rolle. Mehrere mit der Krankheit vermutlich in Verbindung stehende Gene konnten bislang identifiziert werden. Am deutlichsten scheint der Zusammenhang bei Genen im so genannten Major-Histokompatibilitäts-Komplex (kurz: MHC). Er ist maßgeblich daran beteiligt, dass das Immunsystem zwischen körpereigenen und körperfremden Zellen, also z.B. Krankheitserregern und Fremdstoffen, unterscheiden kann. Bei so genannten Autoimmunkrankheiten, zu denen die Psoriasis zählt, ist dieser Unterscheidungsvorgang gestört. Dadurch richtet sich das Immunsystem gegen eigentlich gesunde körpereigene Zellen und schädigt diese. Allerdings weisen längst nicht alle Psoriasispatienten Veränderungen in den betreffenden Genen auf. Das spricht dafür, dass möglicherweise noch nicht identifizierte Gene ebenso wie Umweltfaktoren an der Entstehung der Schuppenflechte beteiligt sind.

...Stress eine Schuppenflechte verschlimmert?

Immer wieder berichten Psoriasispatienten darüber, dass Stress ihre Krankheit verschlimmert bzw. einen Krankheitsausbruch bewirkt. Tatsächlich konnte in wissenschaftlichen Studien ein solcher Zusammenhang bislang nicht eindeutig nachgewiesen werden. Dennoch ist Betroffenen das Erlernen von Entspannungstechniken wie Yoga, der Progressiven Muskelentspannung nach Jakobson oder dem autogenen Training zu empfehlen, da diese sich nachweislich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken können.

...Schuppenflechte nur ein kosmetisches Problem ist?

Nein. Schuppenflechte stellt keinesfalls nur ein kosmetisches Problem dar und ist auch nicht „nur“ eine Hautkrankheit, sondern gilt als systemische, den ganzen Körper betreffende Krankheit. So kann es zum einen zu einer entzündlichen Beteiligung von Gelenken mit Schwellungen und Schmerzen, der so genannten Psoriasisarthritis, kommen. Zum anderen wissen Mediziner heute, dass viele weitere Erkrankungen bei Psoriasispatienten gehäuft auftreten, darunter Herzkreislauferkrankungen, die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), das metabolische Syndrom, Erkrankungen des Verdauungstrakts und Depressionen. Die ursächlichen Zusammenhänge dieses gemeinsamen Auftretens sind noch nicht im Einzelnen geklärt. Vieles spricht allerdings dafür, dass generalisiert im ganzen Körper ablaufende Entzündungsprozesse daran beteiligt sind, die durch verschiedene Botenstoffe des Immunsystems, so genannte Zytokine, vermittelt werden. Um eventuelle weitere Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen, sollten Schuppenflechte-Patienten regelmäßige Kontrollen beim Arzt vornehmen lassen.

...es eine Psoriasis-Persönlichkeit gibt?

Diese Frage kann mit dem heutigen Wissensstand nicht einfach mit ja oder nein beantwortet werden. Wissenschaftler haben zwar herausgefunden, dass Psoriasispatienten häufiger als nicht an Psoriasis Erkrankte bestimmte Verhaltensmuster aufweisen, etwa zu einem Konflikt-Vermeidungsverhalten neigen, weniger selbstbezogen, dafür oft empfindsam und sozial veranlagt sowie von außen leicht beeinflussbar sind. Einen Beweis für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen solchen Verhaltensmustern und der Entstehung der Schuppenflechte gibt es bis heute allerdings nicht.

...Sonne gut gegen Schuppenflechte wirkt?

Tatsächlich haben viele Psoriatiker die Erfahrung gemacht, dass Sonne ihrer Haut gut tut. So aktiviert Sonnenlicht mithilfe von Vitamin D das natürliche Abwehrverhalten der Haut und wirkt auf diese Weise entzündungslindernd. Ein Zuviel an Sonne jedoch bewirkt Sonnenbrand, kann neue Schübe auslösen, fördert die Alterung der Haut und ruft im schlimmsten Fall sogar Hautkrebs hervor. Deshalb sollten sich auch Psoriasispatienten immer gut vor der Sonnenstrahlung schützen (Sommersonne und Solarium – Bei Psoriasis erlaubt?).

...die Ernährung Einfluss auf die Schuppenflechte hat?

Ja, mithilfe einer gesunden fett- und zuckerarmen, dafür vitamin- und mineralstoffreichen Ernährung kann eine Schuppenflechte-Erkrankung durchaus positiv beeinflusst werden. Dabei sollte jeder Psoriasispatient selbst herausfinden, welche Nahrungsmittel besonders bekömmlich für ihn sind und welche nicht. Zudem kann eine ausgewogene kalorienarme Ernährungsweise helfen, Übergewicht zu vermeiden, das mit vielen Folgeerkrankungen wie Diabetes mellitus, Herzkreislauferkrankungen, Krebs u.a. verbunden ist.

...sich erhöhter Alkoholkonsum ungünstig auf Schuppenflechte auswirkt?

Ja. Regelmäßig hoher Alkoholkonsum bewirkt eine Steigerung der Konzentration von Tumornekrosefaktor-alpha im Blut. Dabei handelt es sich um einen Botenstoff des Immunsystems, der maßgeblich an der Entstehung der Entzündungsprozesse bei Schuppenflechte beteiligt ist. Eine Untersuchung hat gezeigt, dass schon ein Liter Bier oder ein halber Liter Wein, mehrfach pro Woche getrunken, bei Psoriasispatienten die Konzentration von Tumornekrosefaktor-alpha deutlich ansteigen lässt.

...Tätowieren eine Schuppenflechte verschlimmern kann?

Tätowieren und Piercing sind als Körperschmuck weltweit verbreitet. Doch Psoriasispatienten sollten vorsichtig sein: Tatsächlich können in tätowierten Hautbereichen durch die Verletzung der Haut leicht neue Psoriasisherde entstehen. Dieser Zusammenhang wird als Köbner-Phänomen bezeichnet. Dabei treten infolge einer Verletzung, z.B. durch einen Insektenstich, Biss oder eben eine Tätowierung, an zuvor gesunden Hautstellen neue Psoriasisherde auf.

...spezielle Fische die Schuppenflechte wegknabbern können?

Es stimmt wirklich: So genannte Kangalfische, die in den Kangal Thermalquellen in der Sivas Provinz der Türkei vorkommen und sich von winzigen tierischen und pflanzlichen Organismen, dem Plankton, ernähren, können bei Psoriasispatienten an den erkrankten Hautpartien knabbern und dadurch zu einer Besserung der Beschwerden beitragen. Hautpatienten wird in den Kangal Thermalquellen inzwischen ein dreiwöchiges Behandlungsprogramm angeboten.


Quelle: Serwin, A.B. et al.: Tumour necrosis factor (TNF-α) alpha converting enzyme and soluble TNF-α receptor type 1 in psoriasis patients in relation to the chronic alcohol consumption. In: Journal of the European Academy of Dermatology and Venerology 22 (6), (2008), S. 712-717; Kilic, A. et al.: Temperament and character profile of patients with psoriasis. In: Journal of the European Academy of Dermatology and Venerology 22 (5), (2008), S. 537-542; Liu, Y. et al.: A Genome-Wide Association Study of Psoriasis and Psoriatic Arthritis Identifies New Disease Loci. In: PLoS Genetics 4 (3), (2008), S. e1000041; Sayili, Murat et al.: Psoriasis treatment via doctor fishes as part of health tourism: A case study of Kangal Fish Spring, Turkey. In: Tourism Management 28 (2), (2007), S. 625-629; Tappa, D.M: The isomorphic phenomenon of Koebner. In: Indian Journal of Dermatology, Venereology and Leprology 70 (3), (2004), S. 187-189; Kaatz, M. et al.: Body-modifying concepts and dermatologic problems: tattooing and piercing. In: Clinics in Dermatology 26 (2008), S.35-44
Autor: Kathrin Sommer
Stand: Apr 29, 2010


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