Evolution?
Schuppenflechte eine Folge der Evolution?
Eine neue Theorie zur Entstehung von Psoriasis nimmt an, dass die Krankheit eine Folge gesteigerter angeborener Immunreaktionen ist.
Bisherige Theorien zur Entstehung von Schuppenflechte gehen davon aus, dass die Hauptverantwortlichen für den Ausbruch der Krankheit bestimmte T-Zellen des Immunsystems sind. Doch längst nicht alle Aspekte von Psoriasis lassen sich mit dieser Annahme erklären. Wissenschaftler gehen deshalb jetzt einen Schritt weiter. Sie vertreten die These, dass eine im Laufe der Evolution verstärkte angeborene Immunität den Ausgangspunkt bildet.
Was ist angeborene Immunität?
Die Immunreaktionen des Menschen lassen sich in angeborene und erworbene unterteilen. Bei der angeborenen Immunität handelt es sich um die erste Abwehrfront gegen Krankheitserreger und Fremdstoffe. Dringen diese in den Körper ein, werden sie sofort von Immunzellen aufgenommen und getötet. Außerdem werden den Immunzellen Teile der Krankheitserreger präsentiert. Als Reaktion darauf produzieren diese Antikörper gegen den jeweiligen Erreger. Auf diesem Weg bildet sich eine erworbene Immunität. Findet zu einem späteren Zeitpunkt eine zweite Infektion mit dem gleichen Krankheitserreger statt, kann die Immunantwort schneller und gezielter erfolgen.
Wie könnten angeborene Immunität und Psoriasis zusammenhängen?
Schuppenflechte gilt als eine T-Zell-vermittelte Autoimmunerkrankung. Diese T-Zellen bewirken eine übermäßige Vermehrung von Hornzellen der Haut. Eine Rolle dabei spielen Botenstoffe des Immunsystems, so genannte Zytokine.
Allerdings finden sich in erkrankten Hautregionen auch vermehrt aktivierte Abschriften des Erbguts (mRNAs). Diese regulieren die Bildung von Molekülen der angeborenen Immunität. Praktisch alle Botenstoffe der angeborenen Immunität der Haut sind bei Personen mit Schuppenflechte in den betroffenen, zum Teil sogar in gesunden Hautpartien zu finden. Forscher vermuten daher, dass eine übermäßig aktivierte angeborene Immunreaktion die Ursache für Psoriasis sein könnte. Der Grund für diese verstärkte Aktivierung, so die These, könne in der Evolution liegen. Demnach sei der Mensch in den meisten Gegenden der Welt im Zuge der Verstädterung zunehmender Infektionsgefahr ausgesetzt gewesen. Epidemien rafften große Teile der Bevölkerung dahin. Überleben konnte nur der, dessen Immunsystem die Krankheit überwand. Dadurch bildete sich allmählich eine gesteigerte angeborene Immunabwehr, die einen Überlebensvorteil bot.
Mitunter sei die verstärkte angeborene Immunantwort jedoch von Nachteil, so die Vermutung. In manchen Fällen könne sie ihren Träger in besonderem Maße empfindlich ("hypersensitiv") machen. Bestimmte Auslöser wie z. B eine Racheninfektion oder die Einnahme mancher Medikamente könnten angeborene Immunreaktionen aktivieren. Diese könnten so heftig ablaufen, dass es zu dauerhaften und gegen die Haut gerichteten Entzündungen komme.
Ein Argument für die neue These: Die unterschiedliche Verbreitung von Psoriasis
Indigene Bevölkerungsgruppen wie beispielsweise die Inuit in Grönland oder die Aborigines in Australien erkranken im Vergleich zur Weltbevölkerung deutlich seltener an Autoimmunerkrankungen wie der Schuppenflechte, rheumatoider Arthritis oder Multipler Sklerose. Sie seien, so die These, über die Jahrhunderte hinweg relativ isoliert und dadurch von bestimmten Infektionswellen verschont geblieben. Aufgrund des geringeren Selektionsdrucks sei die Steigerung der angeborenen Immunantwort ausgeblieben und damit auch die manchmal damit verbundene Übersensibilisierung.





