
Behandlung
Kinder werden anders behandelt als Erwachsene
Kinder unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich Größe und Alter von Erwachsenen. Auch die Organsysteme sind noch nicht voll ausgereift. Daher ist in der Behandlung der Psoriasis besondere Sorgfalt angebracht.
Die stärkere Durchlässigkeit der Kinderhaut bewirkt, dass ein Teil der auf die Haut aufgetragenen Medikamente in den Blutkreislauf gelangt und innerhalb des Körpers verteilt wird. Dadurch können Nebenwirkungen auftreten, die bei Erwachsenen eher selten vorkommen.
Da es sich um eine chronische Erkrankung handelt, ist von einer längerfristigen Behandlungsdauer auszugehen. Einige Medikamente, die bei kindlicher Schuppenflechte angewendet werden, bergen die Gefahr von Langzeit-Nebenwirkungen oder können das Wachstum beeinflussen. Dazu zählen Kortison (hochdosiert), Vitamin-D3-Abkömmlinge und Methotrexat. Bei Anwendung dieser Medikamente, besonders über einen längeren Zeitraum, ist deshalb besondere Vorsicht geboten. Grundsätzlich sollte nach dem Motto behandelt werden: So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich.
Viele Medikamente, die in der Therapie der Psoriasis bei Erwachsenen eingesetzt werden, sind zur Behandlung der kindlichen Schuppenflechte nicht zugelassen (z.B. einige Vitamin-D3- und Vitamin-A-Abkömmlinge). Ihr Einsatz kann in schweren Fällen dennoch notwendig sein. Eine umfassende Aufklärung der Eltern sollte in diesem Falle besonders sorgfältig erfolgen, damit die Eltern vor ihrer Entscheidung für oder wider eine Therapie bestmöglich über eventuelle Risiken der Behandlung informiert sind.
Entschuppung
Bei Kindern ist Vorsicht vor dem entschuppenden Wirkstoff Salizylsäure geboten. Dieser wird in die Blutbahn aufgenommen und kann beträchtliche Nebenwirkungen verursachen. Zur Entschuppung eignet sich harnstoffhaltige Creme gut, sie wirkt gleichzeitig auch feuchtigkeitsregulierend. Am Kopf lässt man am besten eine Pflegecreme über Nacht einwirken.
Kortikoide
Mit den Vertretern aus der "Kortison-Familie" sollte man bei Kindern vorsichtig umgehen. Es sollten nur kleine Flächen eingecremt und ein Kortison mit einer niedrigen Wirkstärke gewählt werden (möglichst nur bis Klasse 2 bei 4 möglichen Wirkstärken). Kortikoide sollten nur in Ausnahmefällen (beispielsweise, um eine rasche Besserung bei einem starken Schub zu erreichen) und dann maximal 14 Tage lang angewendet werden.
Vitamin-D3-Abkömmlinge
Bei dieser Medikamentengruppe muss man ebenfalls die erhöhte Durchlässigkeit der kindlichen Haut in Betracht ziehen. Um Auswirkungen auf den Calcium- und Phosphatstoffwechsel zu vermeiden, dürfen ebenfalls nur kleine Hautflächen und nicht über längere Zeiträume behandelt werden.
Dithranol
Dithranol ist seit Jahrzehnten in der Schuppenflechtebehandlung etabliert und es liegen umfangreiche Erfahrungen mit diesem Wirkstoff vor. Der genaue Wirkmechanismus ist noch nicht geklärt. Sicher ist, dass es bei Überdosierung eine Hautentzündung mit Hautrötung, Blasenbildung und Brennen verursacht. Der Wirkstoff ist stark färbend. Deshalb wird eine Dithranolbehandlung meist in Kliniken durchgeführt, wo oft nach 3-4 Wochen Behandlungsdauer eine Besserung der Symptome eintritt. Für die Behandlung zu Hause hat sich die so genannten Minutentherapie bewährt, wo eine Dithranolvaseline für 30 bis 60 Minuten aufgetragen und dann abgewaschen wird. Für die Anwendung bei Kindern gelten keine besonderen Einschränkungen.
Teer
Teer ist ein traditionelles Mittel bei der Behandlung von schwach ausgeprägter Psoriasis. Inhaltsstoffe im Steinkohle-Teer bzw. im Schieferöl hemmen die vermehrte Zellteilung und Verhornung. Sie besitzen darüber hinaus eine entzündungshemmende und juckreizlindernde Wirkung. Als störend wird meist der intensive Geruch der Zubereitungen empfunden. Berichte über erbgutschädigende und krebserregende Effekte im Tierversuch haben zum Verbot von Steinkohle-Teerverbindungen in Kosmetika geführt. Unter Experten ist die Einschätzung des Krebsrisikos nach wie vor umstritten. Sie verweisen auf die jahrzehntelangen positiven Erfahrungen mit Teerpräparaten. Einigkeit besteht jedoch darin, dass sie bei Kindern unter 12 Jahren nicht eingesetzt werden sollten.
Antihistaminika
Bei sehr ausgeprägtem Juckreiz kann es besonders bei kleinen Kindern notwendig sein, juckreizstillende Medikamente einzusetzen. Einige der Präparate haben den Nachteil, sehr müde zu machen. Bei den Antihistaminika der neuen Generation ist dieser Effekt nicht mehr so stark ausgeprägt.
Der behandelnde Arzt sollte das betroffene Kind bzw. dessen Eltern sehr sorgfältig darüber aufklären, dass Kratzen neue Psoriasis-Herde erzeugt. Größeren Kindern, die diesen Zusammenhang schon verstehen, kann ein gezieltes Entspannungstraining helfen, das Kratz-Bedürfnis selbst zu beeinflussen und zu vermindern.
Tazaroten
Der Vitamin-A-Abkömmling wird bei Kindern sehr zurückhaltend eingesetzt, es liegen wenig Erfahrungen damit vor. Hier gilt ebenfalls, dass man sich auf kleine Flächen und niedrige Konzentrationen beschränken sollte.
Pimecrolimus/Tacrolimus
Bei diesen beiden Wirkstoffen handelt es sich um Immunsuppressiva, die lokal als Creme eingesetzt werden können. Sie werden vor allem in der Behandlung der Neurodermitis verwendet, wo sie in den letzten Jahren häufig an die Stelle von Kortison getreten sind. In zahlreichen Studien wurde inzwischen ihre gute Wirksamkeit unter anderem bei kindlicher Psoriasis nachgewiesen. Allerdings sind Tacrolimus und Pimecrolimus für dieses Anwendungsgebiet nicht zugelassen und erst Anfang des Jahres 2006 veröffentlichte die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA einen Sicherheitshinweis für Ärzte und Patienten, in dem vor einem möglicherweise erhöhten Krebsrisiko bei Anwendung der beiden Wirkstoffe gewarnt wird.
UV-Bestrahlung
Ultraviolette Strahlung sollte bei Kindern nicht zur Behandlung der Schuppenflechte eingesetzt werden. Die kindliche Haut ist lichtempfindlicher als die Haut von Erwachsenen und man muss je nach Strahlendosis mit einem deutlich erhöhten Krebsrisiko rechnen. Außerdem kommt es zu einer vorzeitigen Hautalterung. Natürliche Sonnenstrahlen, wie beispielsweise beim Urlaub am Meer, können sich sehr positiv auf die Schuppenflechte auswirken. Auf einen ausreichenden Lichtschutz ist aber unbedingt zu achten.
Systemische Therapie
Tabletten zur Behandlung von Psoriasis werden bei Kindern nur bei schwersten Verlaufsformen oder dem seltenen Untertyp der Schuppenflechte, der Psoriasis pustulosa angewendet. In der Kinderheilkunde liegen die meiste Erfahrung mit Ciclosporin vor, einem Immunsuppressivum, das auch nach Organtransplantationen dauerhaft eingesetzt wird. Wegen seiner zahlreichen unerwünschten Wirkungen sollte diese Therapie so kurzzeitig wie möglich durchgeführt werden.
Bei einer schweren Psoriasis-Arthritis mit drohender Gelenkzerstörung wird auf das aus der Rheumatherapie bei Erwachsenen gut bekannte Methotrexat (MTX) zurückgegriffen. Diese Behandlung sollte aber nur in begründeten Einzelfällen und durch einen erfahrenen Kinderrheumatologen erfolgen.
Moderne Therapien / Biologics
Als erstes Biologic wurde jetzt der Wirkstoff Etanercept für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen ab acht Jahren mit chronischer schwerer Plaque-Psoriasis neu zugelassen.
Etanercept blockiert den Botenstoff TNF-alpha und greift damit gezielt und effektiv in den entzündlichen Krankheitsprozess ein. Der Wirkstoff wird subkutan (als Spritze unter die Haut) injiziert.
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