Herz-Kreislauf
Gesteigertes Risiko für Herzkreislauferkrankungen
Patienten mit Schuppenflechte erkranken langfristig häufiger an Herzkreislaufkrankheiten. Ebenso wie rheumatoide Arthritis oder systemischer Lupus erythematodes, bei denen in Untersuchungen ein gesteigertes Risiko für Arterienverkalkung (Arteriosklerose), koronare Herzkrankheit und Herzmuskelschwäche nachgewiesen wurde, kommt es bei Psoriasis zu anhaltenden Entzündungsreaktionen im gesamten Körper. Diese werden deshalb als hauptsächliche Ursache für die Herzkreislaufschäden angesehen.
Die genauen biologischen Mechanismen, mit denen Psoriasis die Entstehung von Herzkreislaufkrankheiten begünstigt, sind derzeit noch nicht ausreichend erforscht. Verschiedene Beobachtungsstudien haben jedoch einen solchen Zusammenhang nachgewiesen. Demnach haben Psoriasispatienten ein gesteigertes Risiko, an Arterienverkalkung, Herzinfarkt, Bluthochdruck, Blutgerinnselbildung (Thrombose) oder Schlaganfall zu erkranken.
Als in Frage kommende Ursachen werden folgende Faktoren diskutiert:
Chronische Entzündungen
Anhaltende Entzündungsreaktionen, wie sie bei Psoriasis eine Rolle spielen, sind an der Entstehung von Arteriosklerose beteiligt. Diese wiederum bildet die Grundlage für eine Reihe von Herzkreislauferkrankungen. Wissenschaftler vermuten deshalb, dass die bei der Schuppenflechte ablaufenden chronischen Entzündungen entscheidend zur Entstehung von Herzkreislaufschäden beitragen. Die bei diesen Entzündungen freigesetzten Botenstoffe, so genannte Entzündungsmediatoren wie z. B. Zytokine und Entzündungszellen wie Makrophagen, Mastzellen oder Lymphozyten scheinen in das Geschehen involviert. Das Zusammenspiel dieser Faktoren genauer zu verstehen, würde womöglich bei Psoriasispatienten die Früherkennung von Herzkreislauferkrankungen sowie deren Vorbeugung verbessern können.
Allgemeine Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen
Bestimmte Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen finden sich unter Patienten mit Schuppenflechte häufiger als in der Allgemeinbevölkerung. Dazu gehören Rauchen, verstärkter Alkoholkonsum, Übergewicht, Störungen der Blutfettwerte, Mangel an körperlicher Bewegung, Bluthochdruck und Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Einige dieser Störungen gehen vermutlich auf die Wirkung von Psoriasismedikamenten zurück. So kann beispielsweise Cyclosporin zu Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen führen.
Störungen des Homocysteinstoffwechsels
Bei Patienten mit Psoriasis finden sich im Blut erhöhte Spiegel an so genanntem Homocystein (Homocysteinämie). Homocystein ist ein Stoffwechsel-Zwischenprodukt, das beim Menschen ständig gebildet und wieder abgebaut wird. In größerer Menge kann es die Entstehung von Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall begünstigen. Die bei Schuppenflechte-Patienten beobachteten erhöhten Homocysteinwerte sind vermutlich eine Nebenwirkung von systemisch im ganzen Körper wirkenden Medikamenten wie Methotrexat. Allerdings scheint Methotrexat die negativen Folgen der Homocysteinämie wieder aufwiegen zu können, da das Medikament in Studien mit Psoriasispatienten das Risiko für Herzkreislauferkrankungen bzw. -todesfälle senkte.
Psychische Erkrankungen
Nicht zuletzt wird auch ein Zusammenhang zwischen psychischen Erkrankungen wie Depression und der Entstehung von Herzkreislauferkrankungen bei Psoriasispatienten vermutet.
Weitere Untersuchungen müssen aufdecken, weshalb bestimmte Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen unter Psoriasispatienten gehäuft auftreten (z.B. als Folge allgemein gestörter Immunprozesse). Außerdem ist zu klären, wie sich das Zusammenspiel zwischen den allgemeinen Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen, den chronischen Entzündungsreaktionen und den das Immunsystem beeinflussenden Medikamenten auf das Herzkreislaufsystem auswirkt.





